ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Zunehmendes Lebensrecht: Klärung vor Vermittlung

DOKUMENTATION: Diskussion

Zunehmendes Lebensrecht: Klärung vor Vermittlung

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-901 / B-753 / C-703

Mikolajczyk, Rafael

Zum Beitrag von Ministerialrat a. D. Dr. jur. Rudolf Neidert in Heft 51–52/2000
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LNSLNS Die Idee des zunehmenden Lebensschutzes ist zumindest genauso plausibel wie absurd. Das Paradox wird durch unterschiedliche Perspektiven ausgelöst: zwar mag die intrauterine Entwicklung eine Tendenz der Zunahme nahe legen, andererseits geschieht jene in einer so engen zeitlichen Abfolge, dass jegliche Abstufungen genauso unzulässig sein dürften. Die eine Sichtweise mag eine Unterscheidung bei einem Abstand von wenigen Wochen, ja Tagen sogar für zulässig erklären, die andere lässt fragen, was dieser Abstand an der Balance zwischen dem Lebensrecht des Kindes und der Selbstverantwortung („Lebensinteressen“) der Mutter ändern kann. Meine Kritik ist nicht, dass der Autor nur die eine Perspektive dargestellt hatte. Dass diese jedoch zur „vermittelnden Lösung“ erklärt wurde, empfinde ich intellektuell als befremdend.
Methodologisch ist zu fragen, ob hier der Vermittlungsversuch überhaupt begründet sei und nicht eher vor der Klärung der Frage der eventuellen PGD der gesetzliche Lebensschutz revidiert werden müsste. Wenn in Berlin jede dritte Schwangerschaft abgebrochen wird, dann ist ernsthaft zu fragen, ob das Beratungskonzept seine Aufgabe erfüllt. Sonst setzen wir das gleiche Modell fort: hoher Anspruch in der Theorie und eine verheerende Praxis. Also Klärung vor Vermittlung!
Dr. med. Rafael Mikolajczyk
Friedrichrodaer Straße 121
12249 Berlin
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