ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1996BKK der Heilberufe: Ersatzkassen agieren gegen die „Konkurrenz“

POLITIK: Aktuell

BKK der Heilberufe: Ersatzkassen agieren gegen die „Konkurrenz“

Maus, Josef

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LNSLNSLNSLNS Bleiben sie oder gehen sie? Diese Frage beschäftigt zur Zeit wohl die meisten gesetzlichen Krankenkassen, denn noch bis zum Ende des Monats können die Pflichtversicherten erstmals ihre Kasse wechseln. Wer nicht bis zum 30. September 1996 gekündigt hat, kann erst wieder zum 1. Januar 1998 einer anderen Krankenkasse beitreten.
Wie sehr die Krankenkassen im Wettbewerb um die Versicherten daran interessiert sind, ihre Klientel bei der Stange zu halten, zeigt sich nicht nur an den verschiedenen "Marketing-Strategien", sondern auch an gezielten Aktionen gegenüber einzelnen Mitbewerbern. Ein aktuelles Beispiel bietet der Verband der AngestelltenKrankenkassen (VdAK) in der Auseinandersetzung mit der neu gegründeten Betriebskrankenkasse für Heilberufe (siehe dazu Deutsches Ärzteblatt, Heft 27/1996) mit Sitz in Düsseldorf. Wechselwillige Ersatzkassen-Versicherte erhalten ein vierseitiges Informationsschreiben, das sich ausschließlich mit der BKK für Heilberufe befaßt. Dort heißt es einleitend: "Achtung Ersatzkassen-Mitglieder! Hat man Ihnen den Vorschlag gemacht, in die BKK der Heilberufe zu wechseln? Wir helfen Ihnen bei Ihrer Entscheidung." Befürworter der BKK würden behaupten, fährt der VdAK fort, die BKK für Heilberufe
llege großen Wert auf Service und Beratung;
lhabe ein besonders umfassendes Leistungsangebot;
lsei speziell auf die Bedürfnisse der Heilberufe abgestimmt;
lhabe einen besonders günstigen Beitragssatz und sei unabhängig von den Interessen der Arbeitgeber.
Zu jedem einzelnen Punkt nimmt das Argumentationspapier Stellung – und läßt dabei kaum ein gutes Haar am ungeliebten Konkurrenten. Besonders reiben sich die Ersatzkassen offenkundig am "vergleichsweise günstigen" Beitragssatz der BKK für Heilberufe. Der ist mit 11,9 Prozent angesetzt und in dieser Höhe bis Ende 1997 garantiert. Der VdAK meint, "daß die im Vorfeld von BKK-Gründungen erstellten Beitragsschätzungen in der Regel aus Werbegründen viel zu niedrig kalkuliert sind". Mit anderen Worten: Bauernfängerei.


"Ärzte könnenEinfluß nehmen"
Ähnlich schweres Geschütz fahren die Ersatzkassen bei der Frage der Arbeitgebervertretung in der BKK für Heilberufe auf. Dies seien überwiegend Ärzte, und die würden damit "aktiv Einfluß auf die Krankenkassenpolitik nehmen". Inwiefern das den Versicherten schaden kann, erläutert der VdAK indessen nicht.
Hansjörg Schulten, Vorstand der neu gegründeten BKK für Heilberufe, nimmt die Anwürfe des VdAK und seiner Mitgliedskassen gelassen: "Wenn ein Wettbewerber so überreagiert, dann muß unser Konzept wohl gut und zukunftsweisend sein." Dennoch sei es kaum als guter Stil zu bezeichnen, "die Leistungen eines Mitbewerbers zu diffamieren".
Im übrigen, so Schulten, sei die BKK der Heilberufe in puncto Mitgliederzuwachs exakt auf Kurs. Seit der Öffnung der Kasse im Juli dieses Jahres gebe es täglich bis zu 50 Mitgliedschaftserklärungen, so daß die für Ende 1996 angestrebte Versichertenzahl von rund 8 000 durchaus erreicht werden könne. Das Gros der neuen Mitglieder komme – wie von der Kasse angestrebt – tatsächlich aus den Heilberufen. Der BKK-Vorstand dazu: "Das zeigt uns, daß unsere spezifische Ausrichtung auf diese Zielgruppe angenommen wird." JM

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