ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Erkrankungen durch enterohämorrhagische Escherichia coli: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Erkrankungen durch enterohämorrhagische Escherichia coli: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-928 / B-778 / C-725

Karch, Helge; Bockemühl, Jochen; Huppertz, Hans-Iko

zu dem Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Helge Karch, Prof. Dr. med. Jochen Bockemühl, Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz n Heft 36/2000
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LNSLNS Die in der Arbeit genannte Häufigkeit von bis zu drei Prozent EHEC-Nachweisen in Stuhlproben von Enteritispatienten beruhte auf publizierten Ergebnissen einer vom Robert Koch-Institut, Wernigerode, mit niedergelassenen Laborpraxen durchgeführten Sentinel-Studie (5) sowie auf eigenen Ergebnissen bei hospitalisierten Enteritispatienten (4) und Routineuntersuchungen der Laboratorien der Autoren. Aus den Ergebnissen der bisher größten Studie zur EHEC-Prävalenz mit 3 835 untersuchten Stuhlproben aus einem Einzugsbereich von 1,1 Millionen Einwohnern ermittelte das Robert Koch-Institut damals eine Prävalenz von 13/105 Einwohnern, was circa 10 000 EHEC-Infektionen pro Jahr in Deutschland entspricht (5). In der von uns mit hospitalisierten Enteritispatienten durchgeführten Studie konnten wir EHEC
und Campylobacter etwa gleich häufig nachweisen (4). Dies waren bei Abfassung des Manuskripts (1999) die einzigen uns bekannten verlässlichen Daten zur EHEC-Prävalenz in Deutschland.
Nachdem im November 1998 die Meldepflicht nach § 3 Bundes-Seuchengesetz auch auf EHEC ausgedehnt worden war und zusätzlich die meisten Bundesländer auf freiwilliger Basis dem Robert Koch-Institut erregerbezogene Meldungen bei „Enteritis infectiosa, übrige Formen“ übermittelten, standen mehr Daten zur Verfügung, über die im Juni und Dezember 2000 berichtet wurde (6). Diese Daten besagen, dass derzeit die Morbidität an Campylobacter-Infektionen etwa zehnfach höher liege als für EHEC. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die EHEC-Diagnostik erst kürzlich standardisiert wurde (3) und die durch Meldung erfassten EHEC-Infektionen mit Sicherheit noch nicht repräsentativ sind.
Auch die von uns in den 90er-Jahren beobachtete deutliche Zunahme nachgewiesener EHEC-Infektionen beruhte auf einer Analyse von zahlreichen Ausbrüchen, unter anderem in Bayern (1) und einer bis 1998 beobachteten Verdopplung eigener positiver Laborbefunde ((2), unveröffentlichte Ergebnisse). In den Jahren 1999 und 2000 ist europaweit eine gewisse Beruhigung der epidemiologischen Situation eingetreten, die aber noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Es wird erwartet, dass das vom BMBF finanzierte bundesweite infektionsepidemiologische Forschungsnetzwerk „Lebensmittelinfektionen in Deutschland“ wesentlich genauere Erkenntnisse zu Inzidenz, Übertragung und Erregerreservoiren liefern wird.

Literatur
1. Ammon A, Petersen L, Karch H: A large outbreak of
hemolytic uremic syndrome caused by an unusual
sorbitol-fermenting strain of Escherichia coli O157:
H-.J. Infect. Dis. 1999; 179: 1274–1277.
2. Bockemühl J, Karch H, Tschäpe H: Zur Situation der Infektionen des Menschen durch enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) in Deutschland 1997. Bundesgesundhbl 1998; 41/Sonderheft: 2–5.
3. Fruth A, Richter H, Timm M, Streckel W, Klie H, Prager R, Reissbrodt R, Gallien P, Skiebe E, Rienäcker I, Karch H, Bockemühl J, Perlberg KW, Tschäpe H: Zur Verbesserung der gegenwärtigen bakteriologischen Diagnostik von enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC). Bundesgesundhbl 2000; 43: 310–317.
4. Huppertz HI, Busch D, Schmidt H, Aleksic S, Karch H: Diarrhea in young children associated with Escherichia coli non-O157 organisms that produce Shiga-like toxin. J Pediatr 1996; 128: 341–346.
5. Prager R, Reissbrodt R, Holler H et al.: Isolierung und Chrakterisierung von Shigatoxin-produzierenden E. coli-Stämmen aus Stuhlproben: Ergebnisse einer Sentinel-Studie. Bundesgesundhbl 1998; 41/Sonderheft: 6–9.
6. Robert Koch-Institut: Darminfektionen, Epidemiologisches Bulletin 2000; 23: 183–187 und 50: 401.

Prof. Dr. rer. nat. Helge Karch
Institut für Hygiene und Mikrobiologie
der Universität Würzburg
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg

Prof. Dr. med. Jochen Bockemühl
Hygiene-Institut Hamburg, Abteilung Bakteriologie
Marckmannstraße 129a
20359 Hamburg

Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz
Prof.-Hess-Kinderklinik
des Zentralkrankenhauses Sankt-Jürgen-Straße
Sankt-Jürgen-Straße
28205 Bremen

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