ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Grabstein für Körperspender: Eine nicht alltägliche Geschichte

VARIA: Geschichte der Medizin

Grabstein für Körperspender: Eine nicht alltägliche Geschichte

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-931 / B-799 / C-726

Richter, Eva A.

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LNSLNS Die Korrektur einer fehlerhaften Typographie

„Den Toten, die Euch, den Lebenden, halfen“, steht auf dem Gedenkstein, den das Institut für Anatomie der Universität Leipzig auf dem Leipziger Südfriedhof zur Erinnerung an die verstorbenen Körperspender errichtete. Eine Geste des Dankes, über die auch das Fernsehen im November 1999 berichtete. So weit, so gut, wären da nicht die Fehler in der Inschrift gewesen . . .
Der gelernte Steinmetz und Schriftsetzer Dr. H. Krüger aus Leverkusen entdeckte diese während der Fernsehsendung. Für die Inschrift waren falsche Fraktur-s-Lettern verwendet worden. Der Schriftsatz „Maximilian-Gotisch“ besitzt nämlich zwei verschiedene s-Lettern. In dem Wort „Universität“ muss deshalb anstelle des stimmlos gesprochenen „s“ das stimmhaft gesprochene „f“ verwendet werden. Ferner waren Ligaturen nicht eingehalten worden, beispielsweise müssen zwei Lettern bei „ch“ enger miteinander verbunden werden.
Über die fehlerhafte Typographie betroffen, schrieb Krüger umgehend an den Senat der Universität Leipzig und die Direktorin des Anatomischen Instituts, Prof. Dr. Katharina Spanel-Borowski: „Die Körperspender verdienen keine falschen Fraktur-s-Lettern in ihrer Inschrift. Der Gedenkstein ist auch wegen weiterer Fehler abzuschleifen und neu zu beschriften.“ Dieses Anliegen wurde von der Universität wegen der hohen Kosten abgelehnt.
Damit gab sich Krüger jedoch nicht zufrieden. Kurzerhand buchte er mit der Volkshochschule Leverkusen eine Busreise nach Leipzig zur Besichtigung der einstigen großen Schlachtfelder. Den Aufenthalt nutzte er zum Besuch des Institutes für Anatomie. Dort bot er den gesamten Betrag für die fachgerechte Überarbeitung der Inschrift an. Im Oktober letzten Jahres wurde der Stein abgeschliffen und die gotische Frakturschrift schriftgerecht eingemeißelt. Die Rechnung in Höhe von 7 579,91 DM bezahlte Krüger, weil „die Körperspender mit korrekter Frakturschrift aufwuchsen und für ein renommiertes Institut ein echter Schriftsatz Ehrensache sein soll“. Inzwischen befindet sich der Grabstein mit der fachgerechten Inschrift wieder auf dem Leipziger Südfriedhof. Spanel-Borowski: „Menschen mit dem Idealismus von Herrn Dr. Krüger verdienen unsere uneingeschränkte Hochachtung.“
Dr. med. Eva A. Richter


Der Grabstein für Körperspender befindet sich mit der richtigen Inschrift wieder auf dem Friedhof.

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