ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Capecitabin: Ein Zytostatikumin Tablettenform

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Capecitabin: Ein Zytostatikumin Tablettenform

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-932 / B-793 / C-727

Wolf, Elke

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LNSLNS Für die perorale Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms hat Capecitabin (Xeloda®) die europaweite Zulassung inne. Phase-III-Studien legen nahe, dass das neue Zytostatikum dem bisherigen Therapiestandard 5-Fluorouracil/Folinsäure zumindest ebenbürtig ist – bei weniger Nebenwirkungen und unkomplizierterer Anwendung, hieß es auf der Einführungspressekonferenz des Unternehmens Hoffmann-La Roche in Frankfurt/Main.
Zwei internationale Zulassungsstudien, an denen auch acht deutsche Prüfzentren beteiligt waren, belegen die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Capecitabin. Mehr als 1 200 Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom nahmen teil. Die klinischen Studien zeigen, dass der Tumor durch die perorale Capecitabin-Verabreichung signifikant kleiner wird (Tumoransprechrate) als durch das so genannte Mayo-Klinik-Therapie-Schema, bei dem 5-Fluorouracil (5-FU) und Folinsäure als intravenöse Bolusinjektion verabreicht werden.
Für das neue Zytostatikum läge die Remissionsrate bei 26 Prozent, für die herkömmliche Kombinationstherapie bei 17 Prozent, sagte Prof. Hans-Joachim Schmoll (Halle-Wittenberg). In beiden Gruppen konnte das Wachstum des Tumors bei etwa der Hälfte der Studienteilnehmer vorübergehend gebremst werden. Die Zeit bis zur Progression und die Gesamtüberlebenszeit waren in beiden Therapie-Gruppen gleich. Die Patienten überlebten im Mittel 13 Monate, ohne Therapie ein halbes Jahr.
Capecitabin ist die Weiterentwicklung von 5-FU. Als Prodrug wird es in einem dreistufigen enzymatischen Prozess in Leber und Tumor zu 5-FU metabolisiert. Wesentlich ist der dritte Schritt, der durch das Enzym Thymidinphosphorylase katalysiert wird. „Dieses Enzym befindet sich im Tumorgewebe in erhöhten Konzentrationen. Die aktive Form des Medikamentes wird daher bevorzugt in der Krebsgeschwulst gebildet“, sagte Dr. Bruno Osterwalder (Hoffmann-La Roche). Dadurch löse der Tumor seine eigene Bekämpfung gezielt aus.
Geringe Nebenwirkungen sprechen für Tumorspezifität
Der Wirkmechanismus von Capecitabin lässt eine bessere Verträglichkeit gegenüber 5-FU erwarten. In beiden Multicenterstudien wurden weniger Nebenwirkungen registriert. Die Behandlung der aufgetretenen Nebenwirkungen endete in der Capecitabin-Gruppe seltener in Krankenhauseinweisungen (11,6 Prozent versus 18 Prozent).
Ein Sonderfall ist das Hand-Fuß-Syndrom, bei dem sich Handinnenflächen und Fußsohlen röten und anschwellen. Es trat in der Capecitabin-Gruppe signifikant häufiger auf. Sobald ein Patient über Symptome an Händen oder Füßen klagt, reiche es in der Regel aus, die Dosis herabzufahren oder eine kurze Therapiepause einzulegen, sagte Osterwalder. Die Beschwerden klängen schnell ab, und die Therapie werde dann mit der individuell niedrigeren Dosis fortgeführt. Die kurze Capecitabin-Pause würde die Wirksamkeit nicht beeinträchtigen. Die Befürchtung, dass Patienten mit reduzierter Compliance dem Risiko einer Unterdosierung ausgesetzt sind und somit der Therapieerfolg infrage gestellt ist, teilte Osterwalder nicht.
Noch liegen keine Untersuchungen vor, in denen Capecitabin mit Zytostatika wie Irinotecan oder Oxaliplatin zur Therapie des Dickdarmkrebses kombiniert worden wäre. Erste klinische Studien laufen. Capecitabin ist in 40 Ländern, nicht jedoch in der EU, für die Behandlung von metastasiertem Mammakarzinom zugelassen, die nicht oder nicht mehr auf eine Chemotherapie mit Paclitaxel und einem Anthracyclin wie Doxorubicin ansprechen. Derzeit ist 5-FU in Kombination mit Folinsäure die tragende Säule in der Chemotherapie des kolorektalen Karzinoms. 5-FU kann als Bolus – wöchentlich oder an den Tagen eins bis fünf alle vier bis fünf Wochen – sowie als kontinuierliche oder protrahierte Infusion verabreicht werden. Für den Patienten sind die Infusionen sehr belastend; er muss für jeden Therapiezyklus die Klinik aufsuchen, und die Nebenwirkungen und katheterabhängigen Komplikationen wie Sepsis oder Thrombose sind beträchtlich. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1997 hat ergeben, dass 89 Prozent der befragten Tumorpatienten eine Tabletteneinnahme zu Hause der i.v.-Therapie in der Klinik vorziehen würden. Osterwalder sieht in Capecitabin eine echte Alternative zur herkömmlichen intravenösen 5-FU/Folinsäuretherapie, wobei der neue Arzneistoff den Vorteil besitzt, peroral verabreicht werden und die Lebensqualität steigern zu können. Elke Wolf
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