ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Organtransplantation: Wendepunkt bei der Langzeitprognose?

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Organtransplantation: Wendepunkt bei der Langzeitprognose?

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-934 / B-802 / C-696

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Organtransplantationen sind, was das Chirurgische angeht, inzwischen in den entsprechenden Zentren Routineeingriffe mit sehr geringer Akutletalität. Dank der Fortschritte bei der Immunsuppression hat man auch die Abwehrmechanismen des Empfängerorganismus weitgehend in den Griff bekommen.
Limitiert ist die Langzeitprognose allerdings durch die – auf dem gemeinsamen Wirkmechanismus (Calcineurin-Inhibition) beruhenden – nephrotoxischen Zusatzeffekte der beiden bisher für die Basisimmunsuppression unerlässlichen Substanzen Cyclosporin oder Tacrolimus. Das hat die paradoxe Folge, dass bei Nierentransplantierten ausgerechnet das zu schützende Organ geschädigt wird und dass auch Herz- oder Lebertransplantierten auf lange Sicht die Dialyse droht.
Nierenfunktionsstörungen unter Sirolimus seltener
Über ein völlig anderes pharmakodynamisches Prinzip greifen die mTOR-Inhibitoren (mammalian Target of Rapamycin) in das Immunsystem ein. Der erste Vertreter dieser viel versprechenden Substanzklasse – Sirolimus (Rapamune®, Wyeth, Münster) – steht jetzt in Deutschland zur Verfügung. In den für die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde relevanten Studien nach Nierentransplantation hat sich Sirolimus in Kombination mit Cyclosporin und als alleinige Basistherapie (jeweils zusätzlich zu Steroiden) in Hinblick auf das Patienten-/Organüberleben nach einem Jahr als gleichermaßen effektiv erwiesen. Statistisch signifikant besser waren jedoch in den Gruppen, in denen man Cyclosporin abgesetzt hatte, die für die Nierenfunktion aussagekräftigen Laborparameter wie glomeruläre Filtrationsrate, Kreatinin- und Harnsäure-Spiegel sowie Blutdruck. Andere mit der Immunsuppression einhergehende Komplikationen wie Infektionen oder Malignome waren unter beiden Therapieregimen gleich selten. Sirolimus ist sicherlich keine Wunderdroge. Es wird ebenso wie Cyclosporin über das hepatische Cytochrom-P450 metabolisiert und birgt daher auch ein ähnliches Risiko für Arzneimittelinteraktionen. Häufiger als unter Cyclosporin treten Leukopenien oder Thrombozytopenien auf, die allerdings in der Regel nach Dosisanpassung reversibel sind. Als wesentlichste Nebenwirkung wurden Hyperlipidämien dokumentiert.
Über die Relevanz für das kardiovaskuläre System lässt sich jedoch bisher nur spekulieren. Denn es gibt aus tierexperimentellen Untersuchungen sehr überzeugende Hinweise auf antiproliferative Eigenschaften, was in Verbindung mit der fehlenden diabetogenen und der blutdruckneutralen Wirkung sogar in einem antiatherosklerotischen Effekt resultieren könnte.
Obwohl Langzeiterfahrungen noch ausstehen und bisher nur wenige Daten zum Einsatz von Sirolimus bei Empfängern anderer Organe vorliegen, blickt man in Expertenkreisen jedoch sehr optimistisch in die Zukunft, dass sich durch Sirolimus die Prognose der Betroffenen dauerhaft verbessern lässt. Gabriele Blaeser-Kiel
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