Supplement: Geldanlage

Kreditkarten: Stark im Aufwind

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): [6]

Jobst, Peter

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LNSLNS Immer mehr Kunden ersetzen die EC-Karte und Eurocheques durch eine Kreditkarte. Vorteil: Das Konto wird nur einmal monatlich belastet.


Während im Ausland, besonders in den USA, die Kreditkarte schon seit mehr als 20 Jahren ein unverzichtbares Zahlungsmittel ist, beginnt sie sich hierzulande erst langsam durchzusetzen. Die Dominanz des bankgarantierten Eurocheques war bislang zu groß, ein weiteres Zahlungsmittel kaum nötig. Dies hat sich geändert. In den vergangenen Jahren ersetzte die Verbreitung des bargeldlosen Zahlens mittels Scheckkarte und Geheimnummer den Scheckvordruck aus Papier. Ende dieses Jahres entfällt auch die Zahlungsgarantie durch das kartenausgebende Institut. Die EC/Maestro-Karten sind dann nur noch Bankkarten, die allerdings weltweit zum bargeldlosen Bezahlen oder zur Bargeldversorgung an Geldausgabeautomaten eingesetzt werden können. Nachdem jedoch gerade Auslandszahlungen vergleichsweise teuer sind, setzen immer mehr Bankkunden auf die Kreditkarte, die aufgrund der einmal monatlichen Sammelbelastung auch Liquiditätsvorteile bietet.
Vor der Entscheidung für eine Kreditkarte steht der Konditionenvergleich. Bei Eurocard und Visa kann der Emittent selbst bestimmen, ob er die Karte – was vergleichsweise selten ist – kostenfrei oder in Kombination mit einem Giro- und/oder Depotkonto anbietet oder ob er eine Jahresgebühr verlangt. Einige Emittenten machen die Gebühr auch vom Umsatz abhängig. Je höher der mit der Karte getätigte Umsatz, umso niedriger die Jahresgebühr. Feste Sätze berechnen hingegen American Express und Diners Club ihren Kunden.
Entscheidend für den Kartenpreis sind unter anderen die Zusatzleistungen. Neben American Express und Diners Club werden auch die Gold-Karten von Eurocard und Visa mit einem Bündel von Versicherungsleistungen angeboten, die auch dann gelten, wenn beispielsweise eine Urlaubsreise nicht mit der Kreditkarte bezahlt wurde. Offeriert werden Unfallversicherungen, Reise-Haftpflichtversicherungen, Mietwagen-Haftpflichtversicherungen, Auslandsreise-Kran­ken­ver­siche­rungen oder auch Kfz-Schutzbriefversicherungen. Interessant kann auch die von American Express gebotene Einkaufsversicherung sein, eine Art „Vollkaskoversicherung“ über 90 Tage für alle mit der Karte gekauften Waren. Dabei kann zum Beispiel eine Unfallversicherung durchaus eine attraktive Ergänzung zu einer bestehenden Ganzjahrespolice darstellen. Andererseits sind manche Versicherungen – etwa die Reise-Haftpflichtversicherung – nicht mehr als ein Marketing-Gag, haftet für die Schäden doch auch eine Privat-Haftpflichtversicherung.
Berücksichtigen sollte der Karteninteressent, dass neben der Jahresgebühr weitere Kosten entstehen können. Dies gilt besonders für den Einsatz im Ausland. Üblich ist eine Auslandsprovision von einem Prozent, manche Institute berechnen sogar mehr als zwei Prozent. Andere verzichten auf die Auslandsprovision, wenn die Zahlung in einem Mitgliedsland der Europäischen Währungsunion erfolgt. In jedem Fall nachfragen sollten Karteninhaber aber auch nach dem Umrechnungskurs, der der Abrechnung zugrunde gelegt wird. Innerhalb der EWWU-Staaten sind die Kurse amtlich festgelegt. Bei Zahlungen in anderen Ländern arbeiten die Kartenherausgeber jedoch mit sehr unterschiedlichen Paritäten, die oftmals mit „Bankraten“ oder „Verrechnungskursen“ umschrieben werden. Eine niedrige Auslandsprovision kann hierdurch zunichte gemacht werden.
Ein besonderer Punkt ist die Frage nach der möglichen Bargeldversorgung. Je nach Karte stehen dem Kunden zwischen 500 und mehreren Tausend DM sofort zur Verfügung, weitere Abhebungen sind innerhalb weniger Tage möglich. Allerdings sind Bargeldverfügungen mit der Kreditkarte nicht preiswert. Verlangt werden bis zu vier Prozent des Auszahlungsbetrages, je 1 000 DM also stolze 40 DM. Aus diesem Grund sollten Bargeldauszahlungen über die Kreditkarte nur dann gewählt werden, wenn keine anderen Möglichkeiten zur Bargeldbeschaffung bestehen. Eine Ausnahme machen solche Kreditkartenemittenten, die im Falle eines Guthabens auf dem Kartenkonto die Auszahlungsgebühr deutlich reduzieren.
Sicherheitsaspekte
Gut geschützt sind die meisten Kreditkarteninhaber bei Verlust oder Diebstahl der Karte. Im Schadensfall haftet der Kunde in der Regel nur mit höchstens 100 DM, und dies nur für Schäden bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Verlust gemeldet wurde. Für Schäden nach der Benachrichtigung besteht kein Haftungsrisiko (Ausnahme: grobe Fahrlässigkeit). Jedoch gibt es auch hier Unterschiede: So klammern einige Institute ihre Haftung bei missbräuchlichen Bargeldverfügungen mittels Geheimnummer generell aus, selbst wenn die Frage nach der tatsächlichen Sicherheit des PIN-Verfahrens längst noch nicht restlos geklärt ist. Manche Geldinstitute – etwa die comdirekt-Bank, die die Karte besonders preiswert offeriert – verweigern gar jeden Schutz.
Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Kreditkarten ist die Abwicklung des Zahlungsvorgangs. Es gibt drei Konstruktionen:
c Charge-Cards kommen der landläufigen Vorstellung von einer Kreditkarte am nächsten. Sie bieten nahezu unbegrenzte Einkaufsmöglichkeiten, nur wenige Karten sehen ein festes Monatslimit vor. Alle Zahlungen werden einmal monatlich in Rechnung gestellt, die Zahlung muss dann innerhalb von zehn bis 30 Tagen erfolgen. Zu dieser Kategorie zählen die Produkte von American Express oder Diners Club, aber auch die meisten Eurocards.
c Credit Cards sehen darüber hinaus die Möglichkeit vor, die Monatsrechnung in Raten abzubezahlen. In der Regel liegt die Mindestzahlung bei fünf bis zehn Prozent des offenen Saldos. Der Restbetrag wird gestundet, hierfür verlangen die Emittenten zwischen zehn und 16 Prozent Darlehenszins. Zu dieser Kategorie – bei der meist auch ein Guthaben auf dem Kartenkonto verzinst wird – zählen die meisten Visa-Karten und viele Eurocards.
c Debit Cards sehen hingegen weder eine Monatsrechnung noch ein Zahlungsziel vor, vielmehr wird der per Karte bezahlte Betrag unmittelbar nach Abrechnung beim Emittenten dem Kunden auf seinem Girokonto belastet. Ab diesem Zeitpunkt fallen auch Sollzinsen an, wenn das Girokonto kein ausreichendes Guthaben aufweisen sollte. Zu diesen Karten zählen insbesondere verschiedene Visa-Karten sowie auch die EC/Maestro-Karte.
Wichtig ist die Frage nach dem Ausgaberahmen. Die meisten Emittenten der Eurocard und der Visa-Karte räumen ihren Kunden einen festen Betrag ein, mit dem das Kartenkonto maximal belastet werden kann. Probleme sind damit programmiert. Muss während eines Urlaubs unerwartet ein höherer Betrag aufgewandt werden – zum Beispiel wegen eines unvorhergesehenen Heimflugs –, ist das Kartenlimit schnell erschöpft, die Karte wird für weitere Ausgaben gesperrt. Sinnvoll ist daher in jedem Fall die frühzeitige Vereinbarung eines so hohen Kreditrahmens, dass auch außergewöhnlich hohe Zahlungen problemlos geleistet werden können – zum Beispiel eine Behandlung in einem amerikanischen Krankenhaus. Problemloser sind in diesem Zusammenhang die Karten von American Express und Diners Club. Sie kennen kein Ausgabenlimit.
Immer mehr Kreditkartenemittenten gehen dazu über, das Kartenkonto mit einer Guthabenverzinsung auszustatten. Vorteile ergeben sich für liquide Bankkunden, die das Kartenkonto als rentablen „Parkplatz“ verwenden können. Nachteilig ist jedoch die Tatsache, dass alle Kartenzahlungen unmittelbar dem Kartenkonto belastet werden und damit die Verzinsung für diese Teilbeträge endet. Ein sorgfältiger Vergleich, möglicherweise verbunden mit der Aufsplittung zwischen Geldmarktkonto und Kreditkartenkonto, kann sinnvoll sein.
Neuer Schub durch Wegfall des Rabattgesetzes
Kreditkarten werden weltweit von mehr als 18 Millionen Hotels, Restaurants, Geschäften und Dienstleistungsunternehmen akzeptiert. Selbst frühere entschiedene Gegner – etwa die Tankstellen oder die Deutsche Bahn – akzeptieren mittlerweile die Plastikkarte. Auch manche Ärzte und viele Apotheken haben Kartensymbole an ihrer Eingangstür angebracht, um Privatpatienten und Auslandskunden anzulocken.
Einen weitere Zuwachsimpuls dürften die Karten durch den Wegfall des Rabattgesetzes erfahren. Bisher bietet lediglich American Express seinen deutschen Kunden mit „Membership Rewards“ die Möglichkeit, Rabattpunkte zu sammeln, die dann zum Beispiel in Hotelübernachtungen oder Flugreisen umgesetzt werden können. Nach Aufhebung des Rabattgesetzes ist damit zu rechnen, dass ähnliche Anreize wie das Punktesammeln mit der Payback-Karte auch mit Kreditkarten kombiniert werden. Peter Jobst
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