ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 1/2001Steuerrecht: Ausländische Fonds benachteiligt

Supplement: Geldanlage

Steuerrecht: Ausländische Fonds benachteiligt

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): [8]

Jobst, Peter

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LNSLNS Investmentfonds, die im Ausland residieren, sind bei den Anlegern besonders gefragt. Doch jetzt droht Ungemach.


Zunächst war es vorrangig die Diskretion, die deutsche Anleger nach Luxemburg lockte. Ein weitgehend zuverlässiges Bankgeheimnis, verbunden mit der Möglichkeit der nach außen anonymen Depotverwaltung und nicht zuletzt der Wegfall des deutschen Zinsabschlags führte Anfang der 90er-Jahre zu einer massiven Kapitalverlagerung ins europäische Nachbarland.
Aber auch die liberalere Gesetzgebung für Investmentfonds sorgte für einen stetigen Zustrom deutschen Kapitals, der bis heute ungebrochen ist. Unverändert legen deutsche Fondsgesellschaften neue Produkte im Großherzogtum oder auch in der Schweiz auf. Sogar die Vermögensverwaltung auf Fondsbasis wird in vielen Fällen via Luxemburg geboten – einerseits wegen der dann möglichen höheren Gebühren, andererseits mit dem Ziel, Erträge in bestimmten Fällen ohne Abzug des Zinsabschlags gutschreiben zu können. Die gebotenen Alternativen kommen gut an: Mehr als 200 Milliarden DM haben deutsche Anleger derzeit in ausländischen Fonds deutscher Provenienz angelegt. Die gleiche Summe dürfte noch einmal in „reinrassigen“ Auslandsfonds – etwa von Pioneer oder Templeton – investiert sein.
Im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung werden Erträge aus Auslandsfonds jedoch künftig deutlich benachteiligt. Bisher spielt es nur eine geringe Rolle, ob ein Fonds in Deutschland oder im Ausland ansässig ist, sofern er nur über die Vertriebsgenehmigung durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen verfügt.
Anleger müssen grundsätzlich alle Zins- und Dividendenerträge des Fonds in voller Höhe mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern – sofern ihre Kapitaleinkünfte die geltenden Freibeträge (3 000 DM für Alleinstehende und 6 000 DM für Verheiratete zuzüglich mindestens 100 beziehungsweise 200 DM Werbungskostenpauschbetrag) überschreiten. Während bei Inlandsfonds die von Unternehmen auf ihre Dividendenausschüttung gezahlte Körperschaftssteuer dem Anleger als Guthaben auf seine Einkommensteuer angerechnet wird (Anrechungsverfahren), bieten viele Auslandsfonds (die diese Möglichkeit nicht vorsehen) zumindest einen zeitweisen Liquiditätsvorteil, weil oftmals kein Zinsabschlag bezahlt werden muss.
Halbeinkünfteverfahren bei Inlandsfonds
Für Investmentfonds mit Sitz im Inland gilt künftig überwiegend das auch bei Aktien neu eingeführte Halbeinkünfteverfahren. In- und ausländische Dividendenzahlungen an den Fonds unterliegen beim Anleger nur noch zur Hälfte der Besteuerung. Keine Rolle spielt es dabei, ob die Dividende vom Fonds ausgeschüttet oder einbehalten wird. Die bisher übliche Anrechnung des Körperschaftsteuerguthabens entfällt allerdings. Zinserträge des Fonds müssen weiterhin in voller Höhe versteuert werden, ebenso Gewinne aus Termingeschäften, wenn die Laufzeit nicht mehr als ein Jahr beträgt und das Geschäft nach dem 31. Dezember 1999 geschlossen wurde.
Dividenden der Auslandsfonds voll steuerpflichtig
Bei Investmentfonds mit Sitz im Ausland unterliegen alle Dividenden- und Zinserträge des Fonds beim Anleger in vollem Umfang der Besteuerung, sofern die Kapitaleinkünfte des Anlegers die Freibeträge überschreiten. Das Halbeinkünfteverfahren kommt also nicht zum Tragen. Andererseits wird auch hier eine vom Unternehmen auf die Ausschüttung gezahlte Körperschaftsteuer nicht mehr auf die Einkommensteuerschuld des Anlegers angerechnet, sodass sich die Besteuerung von Dividendeneinnahmen im Vergleich zu Inlandsfonds de facto verdoppelt.
Generell nicht angewendet – dies gilt für Inlands- und Auslandsfonds – wird das Halbeinkünfteverfahren daneben bei Spekulationsgewinnen, die Anleger mit Anteilen aus Investmentfonds erzielen. Verkauft der Anleger Fondsanteile innerhalb der zwölfmonatigen Spekulationsfrist, unterliegt der volle Wertzuwachs im Rahmen der „Gewinne aus Veräußerungsgeschäften“ der persönlichen Einkommensteuer. Verkauft ein Anleger hingegen eine Aktie innerhalb der Zwölf-Monats-Frist, unterliegt künftig nur noch die Hälfte des Gewinns der Besteuerung. De facto verdoppelt sich hier also für Aktienanleger die Freigrenze von 1 000 auf 2 000 DM je Anleger beziehungsweise von 2 000 auf 4 000 DM je Anleger-Ehepaar. Die Gewinne, die der Fonds selbst außerhalb von Termingeschäften „erspekuliert“, bleiben allerdings weiterhin steuerfrei.
Alleingang umstritten
Das letzte Wort ist bei dieser Neuregelung des Steuerrechts jedoch noch nicht gesprochen, wehren sich die deutschen Kapitalanlagegesellschaften doch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese vermeintliche Ungleichbehandlung. Auch die europäische Kommission wird sich noch mit dem deutschen Alleingang zu befassen haben, widersprechen die Pläne doch der Verpflichtung zur Gleichbehandlung aller EU-Geldanlagen.
Sollte die Neuregelung dennoch – wenn auch nur zeitweilig – angewendet werden, kann sich für Anleger eine frühzeitige Neuorientierung lohnen. Denn schließlich ist im Fall der Schlechterstellung ausländischer Fonds mit einem massiven Kapitalabzug zu rechnen. In diesem Fall drohen jedoch bei den von den Fonds gehaltenen Papieren Kursverluste, die von den verbleibenden Anteilsinhabern getragen werden müssen. Ein frühzeitiges Gespräch mit dem Bankberater über die sinnvolle Vorgehensweise (die sich in erster Linie an der Art der gehaltenen Fondsanteile orientiert) kann sich daher lohnen. Peter Jobst
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