ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 1/2001Anlagestrategie: Tipps für Euro-Pessimisten

Supplement: Geldanlage

Anlagestrategie: Tipps für Euro-Pessimisten

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): [10]

Jobst, Peter

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LNSLNS Mehr als die Hälfte der Bundesbürger spricht sich in Umfragen gegen die Einführung des Euro aus. Sie begründet dies mit Stabilitätsbedenken.


Anfang 1999 waren sich Europas Politiker, aber auch die meisten Banker und Analysten einig: Der Euro werde sich – mittels entsprechender Sparbemühungen der europäischen Regierungen – zu einer stabilen Währung entwickeln, die den Vergleich zur Deutschen Mark nicht zu scheuen brauche. Die Realität sah jedoch anders aus. In den ersten beiden Jahren gab der Kurs kontinuierlich nach, um sich erst in den vergangenen Monaten etwas zu erholen. Wer darauf spekulieren möchte, dass der Euro weiterhin schwächelt, dem bietet der Kapitalmarkt eine Palette von Möglichkeiten.
US-Dollar als Bargeld sind – allerdings auch nur in kleinen Beständen – immer dann interessant, wenn der Anleger in absehbarer Zeit in die USA oder ein Land des US-Dollar-Einzugsgebiets reisen möchte und das umgetauschte Geld dafür benötigt. Der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs beträgt bei Kreditinstituten jedoch bis zu 0,15 DM/US-Dollar, sodass schnelle Gewinne nicht möglich sind. Zudem ist zu bedenken, dass Bargeld keine Zinsen bringt und dem Diebstahlsrisiko ausgesetzt ist.
US-Dollar als Reiseschecks haben gegenüber der Anlage in Bargeld den Vorteil einer wesentlich geringeren Handelsspanne zwischen An- und Verkaufskurs. Allerdings fällt auch hier eine zusätzliche Gebühr von mindestens einem Prozent an. Ein Diebstahlsrisiko besteht dank integrierter Versicherung zwar nicht, dennoch bringt die Anlage als Quasi-Bargeld keine Zinsen. Zudem ist die Verwaltung relativ kompliziert, sodass sich diese „Anlageform“ lediglich für kleinere Beträge eignet.
US-Währungskonten, die von zahlreichen Sparkassen und Banken angeboten werden, bringen derzeit bis zu fünf Prozent Verzinsung – deutlich mehr als ein vergleichbares DM- oder Euro-Konto. Dennoch ist das Geld nicht nur sicher angelegt, sondern auch täglich verfügbar, sodass bei geschicktem Timing auch zwischenzeitliche Schwankungen am Devisenmarkt genutzt werden können. Allerdings sollten sich Anleger durch die hohen Zinsen nicht vom Risiko ablenken lassen. Sollte der US-Dollar gegenüber dem Euro auch nur geringfügig nachgeben, ist schnell der Zinsvorteil eines Jahres aufgezehrt. Als Alternative zu US-Dollar-Währungskonten bieten sich Konten in anderen Fremdwährungen an, mit denen sich derzeit zwischen 4,25 Prozent (Britisches Pfund) und 17 Prozent (Mexikanischer Peso) erzielen lassen. Hier ist zu bedenken, dass jeder Mehrzins gegenüber Euro-Anlagen nichts anderes ist als eine „Zitterprämie“ für den Fall, dass der Kurs der gewählten Anlagewährung gegenüber dem Euro nachgibt.
Fremdwährungsanleihen haben gegenüber Fremdwährungskonten den Vorteil einer deutlich höheren Verzinsung. So bringen US-Dollar-Papiere derzeit bis zu 6,5 Prozent, mit dem Südafrikanischen Rand lassen sich trotz des jüngsten Zinsrückgangs noch bis zu 13 Prozent erzielen. Allerdings sind damit auch zwei zusätzliche Gefahren verbunden: das Bonitätsrisiko, also die Gefahr, dass die Anleihe nicht oder nicht planmäßig verzinst und getilgt wird, und das Zinsänderungsrisiko, das im Fall steigender Kapitalmarktzinsen in der jeweiligen Anlagewährung Kursverluste bringt.
Investmentfonds bieten sich vorrangig in Form von Geldmarkt- oder Rentenfonds an, die in der jeweiligen Landeswährung geführt werden, hingegen spielen Devisenfonds bei privaten Anlegern bisher keine Rolle. Geldmarktfonds haben den Vorteil, dass das Zinsänderungsrisiko aufgrund der Kurzfristigkeit der vom Fonds eingegangenen Anlagen fast ausgeschlossen ist. Dafür bringen sie jedoch eine deutlich niedrigere Verzinsung als Rentenfonds, die wiederum denselben Risiken ausgesetzt sind wie die Direktanlage in Auslandsanleihen. Den Vorteil der gegenüber einer Einzelanlage möglichen breiteren Streuung und der professionellen Verwaltung müssen Anleger allerdings mit relativ hohen Gebühren bezahlen, sodass im Zweifelsfall stets nach den individuellen Möglichkeiten und den zeitlichen Plänen zwischen Direktanlage und Investmentzertifikat entschieden werden sollte.
Auslandsaktien und Optionsscheine
Auslandsaktien bieten – auch wenn sie in Deutschland gehandelt werden – die Möglichkeit, einerseits Kursgewinne zu erzielen, andererseits aber von einem möglichen Anstieg der Heimatwährung des ausgewählten Unternehmens zu profitieren. Im Vergleich zu den auch bei Standardwerten üblichen Kursveränderungen nach beiden Seiten sind die möglichen Währungsgewinne jedoch zu vernachlässigen. Bei Engagements in Auslandsaktien sollten also andere Gründe eine Rolle spielen als allein die Hoffnung auf einen steigenden Fremdwährungskurs.
Optionsscheine ermöglichen schon bei kleinem Kapitaleinsatz, von einem steigenden Fremdwährungskurs zu profitieren. Zwei Möglichkeiten bieten sich an: « Kaufoptionsscheine auf die gewählte Fremdwährung, zum Beispiel den US-Dollar, sichern das Recht, die Fremdwährung zu einem späteren Termin zum heute bereits festgelegten Preis zu kaufen beziehungsweise den Differenzbetrag ausgezahlt zu erhalten. Kauft ein Anleger also zum Beispiel einen Kaufoptionsschein auf den US-Dollar mit Basispreis der Parität von 1 : 1, also einem Kurs von 1,95583 DM, dann ist er immer dann im Gewinn, wenn der US-Dollar höher als 1,95583 DM zuzüglich des gezahlten Kaufpreises für den Optionsschein notiert. Kostet der Dollar bei Fälligkeit des Scheins zum Beispiel 2,20 DM, erhält der Anleger 0,244 DM gutgeschrieben. Sollte der Dollarkurs gegenüber dem Euro allerdings nachgeben, wird man das Optionsrecht verfallen lassen. Das eingesetzte Kapital war dann der „Preis der Spekulation“. ¬ Verkaufsoptionsscheine auf den Euro sichern das Recht, den Euro zum vereinbarten Basispreis gegen Fremdwährung zu liefern oder einen entsprechenden Barausgleich zu erhalten. Hat ein Anleger also einen Verkaufsoptionsschein zum Paritätskurs erworben, hat er das Recht, den Euro in jedem Fall für einen US-Dollar zu liefern. Sollte der Eurokurs zum Beispiel auf 0,80 US-Dollar steigen, erhält er einen Barausgleich von 0,20 US-Dollar je Schein. Steigt hingegen der Euro über den Basispreis, hier also die 1 : 1-Parität, dann wird man den Schein verfallen lassen. Die gezahlte Prämie war dann auch hier der „Preis der Spekulation“. In jedem Fall sollte bei Optionsscheinen auf eine möglichst lange Laufzeit geachtet werden. Hierfür zahlt man zwar etwas mehr als für Papiere mit kurzer Restlaufzeit, dafür ist jedoch auch die Chance größer, dass sich die Parität zwischen Euro und Fremdwährung während dieser Laufzeit günstig entwickelt.
Tipps für Euro-Optimisten
Wesentlich weniger Geldanlage-Instrumente stehen Anlegern zur Verfügung, die auf einen steigenden Euro-Kurs setzen. Denn schließlich vermehrt sich ein in Euro gehaltenes Vermögen durch den Anstieg des Wechselkurses nicht. Die erste Handlungsmöglichkeit besteht darin, Fremdwährungsanlagen abzubauen, das heißt das Geld weitgehend in Euro umzuschichten. Eine weitere Möglichkeit stellt die Aufnahme von Fremdwährungskrediten – also zum Beispiel in US-Dollar – dar, wie sie auch von zahlreichen Banken angeboten wird. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass derartige Kredite in aller Regel höhere Zinsen erfordern, als sich mit vergleichbar sicheren Euro- beziehungsweise DM-Anlagen erzielen lassen, sodass das Engagement nur dann erfolgreich wird, wenn der Euro tatsächlich gegenüber der Fremdwährung steigt. Als dritte Lösung bietet sich auch hier der Kauf von Optionsscheinen an. Hier können Anleger mit Kaufoptionsscheinen auf den Euro darauf spekulieren, dass der Euro-Kurs am Fälligkeitstag höher notiert als der vereinbarte Basispreis. Mit Verkaufsoptionsscheinen auf die Fremdwährung wiederum sichert man sich die Möglichkeit, die Fremdwährung zum vereinbarten Fälligkeitstermin zu liefern, auch wenn ihr dann aktueller Kurs deutlich unter dem vereinbarten Basispreis liegt. Peter Jobst
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