ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 1/2001„Grüne“ Geldanlage: Anleger und Umwelt profitieren

Supplement: Geldanlage

„Grüne“ Geldanlage: Anleger und Umwelt profitieren

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): [14]

Flintrop, Jens

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LNSLNS Immer mehr Anleger entscheiden sich für ethisch-ökologische Formen der Geldanlage. Im zweiten Halbjahr 2000 verzeichneten viele Umweltfonds, entgegen dem allgemeinen Trend, Wertzuwächse.


Die deutschen Anleger entdecken den grünen Kapitalmarkt: Hatten sie im Jahr 1998 erst knapp 19 Millionen Euro in Umweltfonds angelegt, investierten sie zwei Jahre später mehr als eine Milliarde Euro in grüne Fonds und in Aktienzertifikate – eine rasante Steigerung. Dies geht aus der Marktstudie „Doppelte Dividende“ hervor, die der Dortmunder Branchendienst ECO reporter.de im Auftrag der Messe Berlin und des Öko-Zentrums NRW, Hamm, erstellte und im Vorfeld der Messe „Grünes Geld“ (25. bis 27. Januar in Berlin) präsentierte.
Wie alles begann
Der Begriff des modernen ethischen Investments entstand 1968, als Kleinaktionäre durch Demonstrationen versuchten, Einfluss auf die Geschäftspolitik des US-Chemieriesen Dow Chemical zu nehmen. Dieser produzierte Napalm für den Vietnam-Krieg. Viele Anleger verkauften ihre Dow-Aktien, sodass der Kurs fiel. Als Reaktion auf die Proteste entstand der 1970 aufgelegte „Pax-World-Fund“, der nur in Aktien von Unternehmen investierte, die kein Geld mit Waffen- und Rüstungsgütern verdienten. In Deutschland hatte die Umweltbewegung in den 70er- und 80er-Jahren prägenden Einfluss auf den Markt ethisch-ökologischer Kapitalanlagen. Auch vor dem Hintergrund von Umweltkatastrophen interessiert es offenbar immer mehr Anleger, wo ihr Geld arbeitet.
Zu den ersten Produkten im Bereich des ethisch-ökologischen Investments zählten Anleihen, aber auch Unternehmensbeteiligungen. Solche Direktbeteiligungen erfolgen in der Regel als Kommanditanteil oder als stille Beteiligung. Windkraftprojekte, Sonnen- und Wasserkraftwerke, Recyclinganlagen, Wiederaufforstungsprojekte, Umwelttechnologiefirmen oder Biobauernhöfe beschaffen sich auf diese Weise Eigenkapital. Diese Form des grünen Investments ist jedoch nur als langfristige Geldanlage und für risikofreudige Anleger geeignet. Chancen und Risiken sind nur schwer abzuschätzen, zudem ist die Liquidität eher gering. Bedenklich ist, dass dieser graue Kapitalmarkt kaum staatlichen Kontrollen unterliegt, was auch unseriöse Anbieter anlockt.
Anspruchsvolle Klientel
In den letzten Jahren haben besonders Aktien an Aufmerksamkeit gewonnen, auch im ethisch-ökologischen Bereich. Viele Entwicklungen und Innovationen in der Energiewirtschaft oder in der Umwelttechnik wurden erst durch Mittel von Geldgebern möglich, bei denen neben Rendite, Sicherheit und Liquidität auch ethisch-ökologische Kriterien für die Anlageentscheidung verantwortlich waren.
Viele Öko-Anleger – der Studie zufolge vor allem gut verdienende und kühl kalkulierende Menschen – investierten auch in grüne Investmentfonds. Die Fondsmanager treffen ihre Investitionsentscheidungen auf der Grundlage festgelegter Kriterien. Ausgeschlossen werden in der Regel Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit die Bereiche Rüstungs- und Waffenproduktion, Atomenergie, Suchtmittel, Tierversuche, Pornographie oder umweltschädigende Technologien umfasst beziehungsweise streift (Negativkriterien). Beispiele für Positivkriterien sind regenerative Energieerzeugung, Reinhaltung von Luft, Boden und Wasser, ressourcenschonende Produktion, Sicherheit der Arbeitsplätze oder Partizipation der Mitarbeiter am Gewinn.
Die meisten Anleger, die in den letzten Jahren auf dem grünen Kapitalmarkt investierten, profitierten nicht nur vom „psychologischen Nutzen“ ihrer Entscheidung. Auch die Rendite grüner Produkte erwies sich als konkurrenzfähig. So blieben viele von ihnen, zumindest im Jahr 2000, von den Kurseinbrüchen verschont. Anleger, die rechtzeitig auf Solar- und Windkraftaktien gesetzt hatten, konnten sich sogar über deutliche Kursanstiege freuen. Umweltfonds erzielten 1999 und 2000 ein durchschnittliches Plus von 24 Prozent. Selbst beim Fonds mit der schlechtesten Performance hielt sich der Verlust mit 2,3 Prozent in Grenzen.
Stellt sich die Frage, ob sich der ethisch-ökologische Kapitalmarkt weiterhin positiv entwickeln wird. „Luft“ für weiteres Wachstum bietet er: Trotz der Zuwächse stellen beispielsweise die Umweltfonds derzeit gerade einmal 0,4 Prozent des gesamten Fondsvolumens. Allerdings bergen die hohen Mittelzuflüsse in den Bereich der grünen Aktien auch ein Risiko. Denn: Wo die Nachfrage groß ist, steigen die Kurse alleine schon deshalb, weil das Angebot nicht im gleichen Maße mitwächst. Aber in welche Umweltunternehmen sollen die Fondsgesellschaften das Geld investieren, das immer mehr Anleger grün angelegt sehen wollen? Es besteht die Gefahr, dass „auf die Schnelle“ Kapitalerhöhungen bei bestehenden Unternehmen durchgeführt werden – einfach deshalb, weil es im Trend der Zeit liegt. Zudem sprießen Umwelt-Aktiengesellschaften schon jetzt nahezu aus dem Boden. Aber: Wie sauber sind diese Produkte? Die hohen Steigerungsraten bei den Mittelzuflüssen verbergen, dass es auch Verlierer gegeben hat. Anleger, die bei Spitzenkursen Umweltaktien gekauft haben, dürften sich mittlerweile ärgern, weil sie zu hoch eingestiegen sind. Noch erträgt der Markt mit seiner großen Nachfrage diese „Kursdellen“ und verkraftet auch eine gewisse Zahl unzufriedener Anleger.
Doch so risikobereit die grünen Investoren auch sind, sie legen, wie die ECOreporter-Studie zeigt, Wert auf gute Renditen. Je höher die Kurse klettern, desto geringer wird jedoch die Chance für spät Einsteigende, derartige oder ähnliche Gewinne zu erzielen wie die Pioniere. Zwei Ergebnisse aus der Datenerhebung geben zudem Grund zur Sorge: Die Mittelzuflüsse – also das Geld, das in Kapitalerhöhungen bestehender Unternehmen investiert wurde – im Bereich der börslich notierten Umwelt-Aktiengesellschaften stiegen von 120 Millionen in 1999 auf 280 Millionen Euro in 2000 (plus 130 Prozent). Die Gesamtkapitalisierung des Marktes vervierfachte sich jedoch im selben Zeitraum. Aber nicht, weil so viele neue Umwelt-Aktiengesellschaften gegründet wurden, sondern nahezu ausschließlich aufgrund der Kurssteigerungen.
Überhitzungen vermeiden
Engagierte Anleger, ein trendiger Markt, eine heiße Boomphase: die Warnsignale beginnen zu leuchten. Kursverluste sind nicht mehr auszuschließen. Ob sich der ethisch-ökologische Kapitalmarkt weiterhin so positiv entwickelt, hängt somit im Wesentlichen von den Anlegern ab. Überhitzungen wie bei Internetaktien müssen vermieden, interessante Fonds und Aktien zu fairen Preisen angeboten werden. Dann gilt auch weiterhin, dass sich Rendite und Umweltschutz beziehungsweise soziales Engagement nicht ausschließen müssen.
c „Mehr Wert: ökologische Geldanlagen“ heißt eine Broschüre, die beim Umweltbundesamt kostenfrei angefordert werden kann. Kontaktadresse: Umweltbundesamt, ZAD, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, Fax: 0 30/89 03-29 12. Jens Flintrop


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