ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Dominikanische Republik: Merengue, Rum und Schlaglöcher

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Dominikanische Republik: Merengue, Rum und Schlaglöcher

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-938 / B-796 / C-752

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Karibikinsel wird oft als „All-inclusive-Land“ abgetan. Neben Traumstränden bietet Kolombus’ erste Entdeckung Geschichte und eine faszinierende Vegetation.


Einmal „All inclusive Dom. Rep.“ – Das ist der Traum vieler Urlauber, die sich auf der Karibikinsel einmal rundum versorgen lassen wollen und wohl der Albtraum jedes Individualreisenden. Die großen Pauschalreiseveranstalter bieten für die Dominikanische Republik fast ausschließlich Alles-inklusive-Angebote an: meist in tropischen Gärten großzügig als „karibische Dörfer“ angelegte Resorts. Zu welchem Resort die Gäste in den bewachten Anlagen gehören, ist an der Farbe des Armbändchens zu erkennen. Das ermöglicht Essen und Trinken fast rund um die Uhr, Animation und Sportangebote. Wenn man von Erkennungsmarke und Getto-Dasein absehen kann, ist das unbeschwerte Versorgtwerden recht angenehm – zumal wenn man mit Kind reist.
Organisierte Ausflüge
Unser Ziel war eines der 14 Luxushotels des Feriendorfes „Playa Dorada“ bei Puerto Plata an der Nordküste der Insel. Der 14 km lange Strand an der „Bernsteinküste“ ist nicht unbedingt ein Karibiktraum, denn der Sand ist gelb statt weiß, und das meist aufgewühlte Meer schimmert selten türkisfarben. Doch auch das Wilde hat seine Reize: nicht nur für Surfer, die im noch windigeren Cabarete – 20 Kilometer entfernt gelegen – auf ihre Kosten kommen.
Nur wenige Urlauber verlassen die Hotelanlagen und erkunden die Insel auf eigene Faust. Neben Bequemlichkeit tragen dazu auch „wohlmeinende“ Ratschläge bei: Der Reiseleiter warnte davor, einen Mietwagen zur Erkundung zu nehmen. Zwar seien die Dominikaner „liebenswürdige und offene Menschen“, aber im Zweifelsfall „ist immer der Weiße schuld“. Er erzählt die Geschichte des Touristen, der im gemieteten Wagen einen stark alkoholisierten Schwarzen anfährt und sich bei dem Versuch, ihm zu helfen, von einer „Meute aufgebrachter Landsleute“ umringt sieht, die ihn „lynchen wollten“. Das wirkt: Der Verkaufstüchtige setzt seine organisierten Ausflüge an einige Verängstigte ab.
Wir mieten einen Wagen und unternehmen einen Tagesausflug in die Sierra. Kurz hinter Cabarete verlassen wir die Touristenküste und fahren Richtung Moca ins Cibao-Tal. Hier wachsen Kaffeesträucher und Kakaobäume mit ihren roten Blüten in üppiger Vegetation. Kleine Dörfer tauchen auf, die aus pastellfarbenen Hütten entlang der Straße bestehen. Wäsche trocknet auf den Zäunen. In jeder noch so kleinen Ansiedlung gibt es einen „Salon de Belleza“ – einen Friseur. Achten muss man auf der Fahrt einzig auf die unzähligen Schlaglöcher (ein Geländewagen wäre sinnvoller gewesen) und auf Motorradfahrer, die immer nach links – uns entgegenkommend – in die Straße einbiegen.
Den besten Blick auf das Cibao-Tal hat man auf dem Gipfel des Santo Cerro, dem heiligen Berg. Eine Kirche erinnert dort an den Kampf der Ureinwohner, der Tainos, gegen die Spanier: Hier soll Christoph Kolumbus 1492 das erste Kreuz als Symbol des Christentums aufgestellt haben. Die Tainos versuchten, das Kreuz zu verbrennen.
Wir fahren weiter Richtung La Vega in die „Dominikanische Schweiz“. Die Landschaft (höchster Punkt ist der 3 175 m hohe Pico Duarte) erinnert tatsächlich an die Alpenrepublik. Nur die armseligen Hütten am Straßenrand und der allgegenwärtige Müll weisen auf die karibische Wirklichkeit hin. Das touristisch erschlossene Städtchen Jarabacao liegt 500 m über dem Meeresspiegel in der Cordillera Central und eignet sich als Ausgangspunkt für abenteuerliche Ausflüge in die Natur. Eindrucksvoll ist das Naturschwimmbad La Confluencia, wo der Río Jimenoa und der Río Yaque del Norte kalt und warm zusammenfließen.
Angezogen vom Mythos der Halbinsel Samaná unternehmen wir eine Fahrt von Puerto Plata entlang der Küstenstraße (rund 230 km). Auffällig sind die vielen Schilder am Straßenrand, die riesige Grundstücke – geeignet für neue Feriendomizile – zum Verkauf anbieten. Obwohl jährlich bereits rund drei Millionen Touristen die Insel besuchen (500 000 allein aus Deutschland), ist der Ausverkauf längst nicht abgeschlossen.
„Willkommen im Paradies“
Es ist Samstag, und ab Mittag feiern die Dominikaner ins Wochenende: Aus den Häusern und Cafés am Straßenrand dröhnt der Merengue im schnellen Zweiertakt, den Männern ist bereits der Konsum der drei B (Barceló, Bermúdez und Brugal sind die beherrschenden Rummarken) anzumerken, und die Frauen bereiten sich mit Lockenwicklern auf eine Fiesta am Abend vor. Der Ort Sánchez markiert den Eingang nach Samaná: „Willkommen im Paradies“ steht auf einem Schild, und wir werden nicht enttäuscht. Durch üppigen tropischen Palmenwald fahren wir auf einer Serpentinenstrecke nach Las Terrenas, wo es Bilderbuchstrände gibt. Touristisch erst seit Anfang der 90er-Jahre erschlossen, ist der Ort ein Beispiel für das, was dem reinen All-inclusive-Tourismus an der Nordküste fehlt: eine Infrastruktur, die den Kontakt zu den Einheimischen ermöglicht und sie ebenfalls vom Tourismus profitieren lässt. Petra Bühring


Aus den Häusern dröhnt der Merengue im Zweiertakt.


Die Dominikanische Republik lockt mit Bilderbuchstränden.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema