ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Drogenpolitik - Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“: Individueller Irrweg

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Drogenpolitik - Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“: Individueller Irrweg

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-972 / B-804 / C-752

Rauch, Rita

Zum Beitrag von Dr. med. Carl Nedelmann in Heft 43/2000:
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LNSLNS . . . Der Verfasser versäumt es in unerträglicher Weise, dem noch sehr defizitären Wissen um Wirkungen und Auswirkungen der Drogen (insbesondere auch um deren Bedeutung als Unfallursache im Straßenverkehr) Rechnung zu tragen. Als Erläuterung hierzu Folgendes:
1. Es dürfte selbst Dr. Carl Nedelmann nicht unbekannt sein, dass es aus ethischen Gründen zu Drogeneinwirkungen keine breiten systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen an „gesunden“ (nicht gewöhnten) Testpersonen geben kann.
2. Bei der Bearbeitung von Unfallursachen durch die Polizei ist keineswegs annähernd sichergestellt, dass regelmäßig auch an die Beteiligung von Drogenkonsum gedacht und derselbe systematisch ausgeschlossen oder bestätigt wird. Polizeiliche Großkontrollen auf hessischen Autobahnen in den letzten zwölf Monaten haben mehrfach ergeben, dass mindestens zwei Prozent der Fahrzeugführer unter Drogeneinfluss standen. Jüngere Polizeistatistiken und Häufung dokumentierter drogenasso-ziierter tödlicher Unfälle (Quellen: Hess. Polizeiverkehrsamt, Polizeidirektionen Heidelberg und Aschaffenburg, Institute der Rechtsmedizin, zum Beispiel Universität Frankfurt/Main) und insbesondere eine Auswertung zum Drogenkonsum von verunfallten Jugendlichen lassen vermuten, dass bei gezielten Analysen erkennbar wird, dass Drogenbeeinflussung als Unfallursache eine bedeutsame Rolle spielt, und zwar mit vergleichsweise schwerwiegenden Folgen (Personenschäden). Cannabis war bei allen Untersuchungen die bei weitem am häufigsten bestimmte Droge.
3. Eine philosophische Betrachtungsweise, unterstützt durch Rechtsphilosophie, mag ihre Reize für persönliche Überzeugungen haben. Jede sachliche Beurteilung einer komplexen Problematik muss alle verfügbaren Quellen zum Stand der Kenntnis werten; zum Thema Drogen also auch die Polizeistatistiken und die Erkenntnisse aus der Verkehrs- und Rechtsmedizin, sowie aus der Toxikologie.

Literatur bei der Verfasserin

Dr. med. Rita Rauch, Auf der Heide 11,
64673 Zwingenberg
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