ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Drogenpolitik - Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“: Frage an unsere Gesellschaft

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Drogenpolitik - Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“: Frage an unsere Gesellschaft

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-974 / B-781 / C-725

Drasch, Gustav

Zum Beitrag von Dr. med. Carl Nedelmann in Heft 43/2000:
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LNSLNS Ich möchte den Autor gerne einmal als Zuhörer zu einer Gerichtsverhandlung zum Thema Cannabis und Straßenverkehr einladen, damit er die Realität zu sehen und hören bekommt. Ich komme gerade von einer: Ein 21-Jähriger hatte unter der Wirkung von Cannabis das Auto seiner Mutter an einen Baum gefahren, ein Beifahrer wurde schwer, zwei weitere leicht verletzt. Das sind leider die Fälle, die wir in der forensischen Praxis fast tagtäglich erleben. Selbstverständlich ist es unsere Aufgabe, als unabhängige und freie Gutachter im Auftrag von Polizei, Justiz und Führerscheinstellen den objektiven Nachweis einer Aufnahme und Wirkung von Drogen wie Cannabis zu führen und zu Fragen der akuten Fahrtüchtigkeit oder der generellen Fahreignung kompetent Stellung zu nehmen. Mit einem vom Autor beklagten „Zusammenspiel mit der Verwaltung“, hat das nichts zu tun. Die Forderung des Autors auf das „Recht auf Rausch“ ist nicht gerade neu. Neu ist allenfalls, dass diese Forderung im Deutschen Ärzteblatt erhoben wird. Es ist eine Frage an unsere Gesellschaft und nicht an uns forensische Toxikologen, ob wir uns einen derartigen Ausstieg eines Teiles unserer Jugend aus der Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes leisten wollen und können. Möglicherweise findet die Forderung nach einer Aufhebung des vom Autor beklagten „Cannabisverbotes“ eine gewisse Akzeptanz in bestimmten Bevölkerungskreisen. Keinerlei Akzeptanz – und da bin ich mir sicher – findet allerdings sein damit verknüpfter Vorschlag, bekiffte Kraftfahrer straffrei am Straßenverkehr teilnehmen zu lassen. Diese Forderung lässt in der Tat auf eine „selektive Wahrnehmungsfähigkeit“, des Autors schließen, und damit wären wir wieder bei der vom Autor im Prinzip richtig dargestellten Cannabiswirkung.

Prof. Dr. Gustav Drasch, Institut für Rechtsmedizin, Frauenlobstraße 7a, 80337 München
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