ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Drogenpolitik - Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“: Unrichtig zitiert

THEMEN DER ZEIT: Forum

Drogenpolitik - Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“: Unrichtig zitiert

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-975 / B-752 / C-683

Köhler, M.

Zum Beitrag von Dr. med. Carl Nedelmann in Heft 43/2000:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Im Aufsatz von Dr. med. Nedelmann wird einleitend geschrieben: „Der Rechtsphilosoph Michael Köhler kam zu der Einschätzung, dass das Cannabis-Verbot ein „kollektiver Irrweg“ ist, der „nicht guten Gewissens weiter gegangen werden kann“. Dieses Zitat ist unrichtig.
Richtig ist:
In meiner von Nedelmann heran-gezogenen strafrechtswissenschaftlichen Arbeit: „Freiheitliches Rechtsprinzip und Betäubungsmittelstrafrecht“, (Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 1992, 3–64) habe ich, und zwar in eindeutigem Bezug auf „harte“ Drogen wie Heroin, ausgeführt: „Das Grundsatzunrecht, zunächst einem beträchtlichen Teil der Jugend in der gegenwärtigen Verfassung der Gesellschaft nicht zu genügen und sie anfällig werden zu lassen für Drogensucht, Drogenabhängige ohne hinreichende Suchthilfe zu lassen, sie schließlich als Straftäter mit ungerechten Straf-/Zwangstherapiemitteln zu überziehen – dieser Unrechtszusammenhang ist in der Allgemeinheit nur dunkel bewusst. Der Aufweis der prinzipiellen Ungerechtigkeit bisheriger Grundsätze in Einheit mit den üblen Folgen soll dazu beitragen, dass dieser kollektive Irrweg nicht guten Gewissens weitergegangen werden kann.“ Zum Schluss meiner Arbeit bin ich u. a. für die
folgende strafrechtliche Differenzierung eingetreten: „Das strafrechtliche Rauschdrogenverbot darf sich . . . nur auf Drogen hohen Gefährdungspotenzials nach dem Kriterium schwerer körperlicher Abhängigkeit (wie Heroin) beziehen. Es muss daher eindeutig wenig gefährliche Drogen (wie Cannabis) ausnehmen (vorbehaltlich ordnungsrechtlicher Normen der Marktkontrolle, des Missbrauchsschutzes, zum Schutz der Jugend und des Erziehungsverhältnisses).“ Zu der weitergehenden Frage, ob Cannabis durch außerstrafrechtliche Normen in gewissem Umfang zu kontrollieren sei oder nicht, habe ich nicht Stellung genommen.

Prof. Dr. jur. M. Köhler, Institut für Strafrecht und Rechtsphilosophie, Rechtswissenschaft der Universität Hamburg, Schlüterstraße 28, 20148 Hamburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema