ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Transplantation: Fragen an die BÄK

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Transplantation: Fragen an die BÄK

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-976 / B-826 / C-781

Chantelau, E.

Zu dem Beitrag „Gleiche Chancen für alle“ von Dr. med. Eva A. Richter in Heft 6/2001:
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LNSLNS Das Verhalten der Bundes­ärzte­kammer in Sachen Nieren-Transplantation bei Diabetikern ist kritikwürdig. Im Februar 2000 hatte sie Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG veröffentlicht, die Diabetiker bevorzugen, wenn sie der Doppeltransplantation von Niere plus Pankreas zustimmen. Damit Patienten bevorzugt und erheblich schneller an die gewünschte Niere gelangen, wurden die Anforderungen an die HLA-Übereinstimmung bei der Organzuteilung bewusst herabgesetzt. Diese Bevorzugung ist ebenso wenig nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin abgesichert wie die Doppeltransplantation an sich. Eine randomisierte prospektive Studie zum Vergleich von Nierentransplantation und Doppeltransplantation liegt immer noch nicht vor – wie wichtig solches Unterfangen wäre, wurde kürzlich von T. Junginger im DÄ demonstriert („Lymphknotendissektion beim Magenkarzinom – Ende eines Glaubenskrieges“, Heft 3/2001). Es grenzt an Nötigung, Patienten mit einer Verkürzung ihrer erhöhten Risiken zu verlocken. Bereits im Februar 2000 hatte ich diese Kritik vorgebracht. Mir wurde von der Bundes­ärzte­kammer im März 2000 beschieden, dass die Vorwürfe im Herbst 2000 erörtert und mir eine Stellungnahme der Sachverständigen aus dem Arbeitskreis „Nierentransplantation“ zugeleitet werden solle. Bis heute warte ich darauf. Mittlerweile haben auch Präsidenten der Ärztekammern Sachsen und Berlin Interesse an dieser Problematik bekundet. Dem Bericht von Dr. Eva Richter entnehme ich zwar, dass die Bundes­ärzte­kammer bei der Nierentransplantation großen Wert auf die HLA-Übereinstimmung legt ( mit 40 % höchstes Kriterium für die Organzuteilung!), ein Wort zum Abweichen von dieser Maxime bei Diabetikern fehlte allerdings. Die Bundes­ärzte­kammer schweigt weiterhin zur fragwürdigen Doppeltransplantation bei niereninsuffizienten Diabetikern – was verschweigt die Bundes­ärzte­kammer?
Prof. Dr. med. E. Chantelau, Klinik für Stoffwechselkrankheiten und Ernährung, Heinrich-Heine-Universität, Postfach 10 10 07, 4001 Düsseldorf
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