ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Leitlinien: An Leitlinienentwicklung beteiligen

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Leitlinien: An Leitlinienentwicklung beteiligen

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-978 / B-810 / C-758

Roleff, H. B.

Zu dem Beitrag „Entscheidungshilfen für Arzt und Patienten“ von Dr. rer. pol. Harald Clade in Heft 6/2001:
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LNSLNS Wir erfahren, dass medizinische Leitlinien als Entscheidungshilfe für Arzt und Patient erarbeitet wurden, aber bereits jetzt schon Juristen davor warnen, die evidence basierten medizinischen Leistungen als Disziplinierungsinstrument gegen Ärzte einzusetzen.
Es ist erfreulich, dass wir unter den Juristen Freunde haben, die vor dem Missbrauch der evidence basierten Medizin als Disziplinierungsmaßnahme warnen. Als Beispiel wird eine Leitlinie zum Thema „Brennen beim Wasserlassen“ vorgestellt, welche die Gesellschaft für Allgemeinmedizin im Jahr 1999 veröffentlicht hat. Schon bei der Rubrik körperliche Untersuchung erfahren wir, dass diese bei Fehlen von Fieber und Rückenschmerzen unnötig sei. Es scheint unbekannt zu sein, dass eine chronische Harnstauung und ebenso eine Überlaufblase ohne die angegebenen Symptome bestehen kann. Bei der Anamnese fehlen als Faktoren der Harnblasentumor, das Karzinom in situ, die interstitielle Cystitis und last not least das psycho-vergetative Urogenitalsyndrom. Bei der Laboruntersuchung des Urins wird bei fehlendem nitritpositivem Stäbchentest eine Urinkultur oder ein Sediment für überflüssig erachtet. Das Fehlen einer positiven Nitritreaktion, welche an die Anwesenheit von nitratspaltenden Bakterien gebunden ist, schließt eine Harnwegsinfektion aber nicht aus. Dieser Leitlinienhinweis ist falsch. Allein bei der Leitlinie eins, Brennen beim Wasserlassen, sind bei der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und der Labordiagnostik Fehler und Versäumnisse vorhanden, die sowohl zur fehlerhaften Diagnose als auch zur falschen Therapie führen können. Umso gravierender erscheint der Hinweis, dass diese Leitlinienfunktion von den Krankenkassen enger umrissen und die Einbeziehung ökonomischer Resultate sowie Kosten- und Nutzenüberlegungen für unverzichtbar gehalten würden. Die Fragwürdigkeit einer solchen evidence basierten Medizin unter Berücksichtigung kommerzieller Interessen wird verstärkt durch die Tatsache, dass fehlerhafte Leitlinien nicht zu einer richtigen Diagnose führen können . . . Ich kann nur der Meinung von Prof. Ulsenheimer, Arztrechtler in München, zustimmen, dass sich die Ärzteschaft bei der Leitlinienentwicklung beteiligt und dies von kompetenten Vertretern der Wissenschaft geschieht und nicht, wie Herr Dr. Hansen in KV/No 1/01 völlig zu Recht hinweist, von Casemanagern der Krankenkassen erstellt wird.
Dr. med. H. B. Roleff, Alter Markt 49, 41061 Mönchengladbach

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