ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Euro-Umstellung: Aus Groschen werden Kochtöpfe

VARIA: Wirtschaft

Euro-Umstellung: Aus Groschen werden Kochtöpfe

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-998 / B-848 / C-770

Jürgens, Philip

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LNSLNS In weniger als 300 Tagen zahlt kaum noch jemand mit Mark und Pfennig – die heiße Phase der Europäischen Währungsunion beginnt.

Seit zwei Jahren laufen die Maschinen in Berlin und München auf Hochtouren; schließlich müssen sie bis zum Jahresende 4,3 Milliarden Euro-Banknoten drukken. Um die ungeheure Menge von 17 Milliarden Münzen zu bewältigen, wurde die Prägung auf fünf deutsche Großstädte verteilt. Die D-Mark existiert seit dem 1. Januar 1999 nur noch als Untereinheit der gemeinsamen europäischen Währung, die Wechselkurse stehen unwiderruflich fest.
Frontloading
Am 1. September 2001 beginnt das so genannte Frontloading: Die rund 55 000 Bankfilialen in Deutschland erhalten die Euro-Münzen und -Scheine von der Bundesbank und entscheiden dann selbstständig, wie sie ihre Geschäftskunden mit der neuen Währung versorgen. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig ihren voraussichtlichen Bedarf an Euro-Bargeld prüfen und bei ihrer Hausbank anmelden.
Im September gibt die Bundesbank die Sicherheitsmerkmale des neuen Geldes bekannt, die sie bis dahin geheim hält. Banken und Händler müssen sich verpflichten, den Euro nicht vor dem 1. Januar in Umlauf zu bringen. Damit sich die Bürger schon mal an Aussehen, Form und Gewicht des neuen Hartgeldes gewöhnen können, geben die Bankfilialen ab dem 17. Dezember die so genannten Starter Kits aus: Für 20 DM gibt es 10,23 Euro in einer Mischung aus 20 Münzen. Dieser gebührenfreie Umtausch soll außerdem die Wechselprobleme zu Beginn nächsten Jahres verringern. Denn am 1. Januar 2002 kommt der „Big Bang“: Der Euro löst die Deutsche Mark als gesetzliches Zahlungsmittel ab, und die zweimonatige Überlappungsphase, in der Barzahlungen in beiden Währungen möglich sind, beginnt. In einer „Gemeinsamen Erklärung“ haben sich die Verbände von Handel, Dienstleistung und Kreditwirtschaft verständigt, bis zum 28. Februar auf D-Mark lautende Münzen und Scheine anzunehmen. Die Einzelhändler wollen aber keine Münzbeträge mehr akzeptieren, die 20 DM pro Einzelgeschäft überschreiten.
Wer nach dem 28. Februar 2002 noch Deutsche Mark besitzt, kann sie weiterhin bei allen Landeszentralbanken in unbegrenzter Höhe gebührenfrei und zeitlich nicht befristet in Euro umtauschen. Die Deutsche Bundesbank schätzt, dass schon zwei Wochen nach der Einführung des Euro kaum noch jemand mit D-Mark bezahlen wird.
Anders als die Banknoten haben die Euro-Münzen eine landesspezifische Rückseite. So tragen die deutschen Münzen den Bundesadler, das Brandenburger Tor oder den Eichenzweig auf ihrem Rükken. Die Niederländer sehen dort ihre Königin, die Iren eine Harfe, und die Portugiesen sollen sich durch die historischen Siegel an Alfonso Henriques erinnern – den Gründer Portugals.
Die Landeszentralbanken rechnen mit einem Rücklauf von 98 500 Tonnen DM-Münzen in den nächsten neun Monaten und einem Stapel Banknoten, der aufeinander gelegt eine Höhe von 300 Kilometern hätte. Die Münzen sollen nach ihrer Entwertung zum Beispiel zur Produktion von Kochtöpfen dienen; die Scheine, die nach dem Schreddern nicht verbrannt werden, könnten zum Teil in die Dämmstoff- und Bauziegelproduktion einfließen. So müssen wir uns zwar von der D-Mark als Währung verabschieden, begegnen ihr aber weiterhin, wenn wir Essen kochen oder Häuser bauen. Philip Jürgens
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