ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2001Makrolide: Kurzzeittherapie ist bei Kindern vorteilhaft

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Makrolide: Kurzzeittherapie ist bei Kindern vorteilhaft

Dtsch Arztebl 2001; 98(15): A-1006 / B-857 / C-778

Ravens, Ulrich

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LNSLNS Gegen Infektionen der oberen und unteren Luftwege gelten Makrolide als Mittel der Wahl. Bei guter Verträglichkeit erzielen sie klinische Erfolgsquoten von über 90 Prozent. Resistenzen spielen – zumindest in Deutschland – keine wesentliche Rolle. Azithromycin (Zithromax®) kann als einziges unter den neueren Makrolid-Antibiotika nur einmal täglich über drei Tage eingenommen werden. Diese Kurzzeittherapie verbessert den Behandlungserfolg besonders bei Kindern, wie auf einem von Pfizer veranstalteten Symposium in Wien berichtet wurde.
Charakteristisch für Azithromycin ist die lange Halbwertszeit von 20 bis 40 Stunden und die hohe Anreicherung im infizierten Gewebe. Diese pharmakokinetischen Eigenschaften ermöglichen bei den meisten Indikationen eine Drei-Tages-Gabe, die einer zehntägigen Therapie mit einem Standardantibiotikum ebenbürtig ist. Die praktischen Vorteile sind evident. Darüber hinaus habe eine europäische Befragung von mehr als 3 000 Personen ergeben, dass Patienten die Effektivität eines Antibiotikums umso höher einstufen, je kürzer die Therapie dauert und je schneller das Medikament wirkt, erklärte Dr. Otmar Lambrecht in Wien.
Obwohl Infektionen der oberen Atemwege primär viral bedingt sind, kommt es besonders bei Kleinkindern zu bakteriellen Sekundärinfektionen, zum Beispiel als Otitis media. Antibiotika seien immer dann indiziert, wenn sich neben einer Rötung des Trommelfells auch Sekret hinter dem Trommelfell nachweisen lässt, sagte Prof. Dietrich Hofmann (Frankfurt). Eine Otitis wird am häufigsten durch Pneumokokken und Haemophilus influenzae ausgelöst, ergänzt durch Moraxella catarrhalis. Bei akuter Otitis media gilt Azithromycin nach einer Reihe von Studien als eines der wirksamsten Antibiotika.
Die akute banale Bronchitis ist im Kindesalter sehr häufig. Sie wird in der Allgemeinpraxis aber auch am häufigsten falsch behandelt, denn sie ist auf keinen Fall eine Indikation für Antibiotika. Hingegen sollten Antibiotika bei der komplizierten Bronchitis gegeben werden, die lange andauert und immer wieder rezidiviert. Unzureichend behandelt, führe diese Erkrankung oft zur chronischen Bronchitis im Erwachsenenalter, warnte Hofmann.
Von der obstruktiven Bronchitis sind 25 Prozent aller Säuglinge und Kleinkinder ein- oder mehrmals betroffen. Eine Antibiotikatherapie ist angezeigt, wenn eine fieberhafte Bronchitis über vier Tage andauert oder Fieber am vierten oder fünften Krankheitstag auftritt, sowie bei allen Fällen einer komplizierten Bronchitis. Hält bei einer obstruktiven Bronchitis die Dyspnoe auch unter antiobstruktiver Therapie länger als 24 Stunden an, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer bakteriellen Sekundärinfektion ausgehen und mit Antibiotika behandeln.
Im Schulalter verschiebt sich das Keimspektrum
Pneumonien im Kindesalter sind häufiger als allgemein angenommen und auch häufiger als bei Erwachsenen. Eine erhöhte Atemfrequenz bei Kleinkindern spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Pneunomie, so der diagnostische Tipp des Pädiaters. Etwa ein Drittel der Fälle wird durch Bakterien verursacht. Eine Abgrenzung zur viralen Pneunomie ist am Krankenbett kaum möglich, daher ist in der Praxis immer eine empirische Antibiotika-Therapie angezeigt.
Im Kleinkindesalter überwiegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae und Staphylokokken. Im Schulkindesalter verschiebt sich das Keimspektrum; vorherrschend sind dann Mykoplasmen und Chlamydien, gefolgt von Staphylokokken. Für die Auswahl des Antibiotikums bedeutet das, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ein breites Spektrum an Antibiotika in Betracht kommt. Wohingegen bei Pneumonien im Schulkindesalter Makrolide die Therapeutika der ersten Wahl seien, betonte Hofmann nachdrücklich.
Eine rechtzeitige Behandlung sei wichtig, da Mykoplasmen lang anhaltende Lungenschäden verursachen können. Vergleichsstudien haben ergeben, dass eine dreitägige Therapie mit Azithromycin bei ambulant erworbenen Pneumonien genauso wirksam ist wie eine zehntägige Therapie mit anderen modernen Makroliden. Ulrich Ravens
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