ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1996Ambulante kardiale Rehabilitation: Zukunftsmodell für viele Patienten

POLITIK: Medizinreport

Ambulante kardiale Rehabilitation: Zukunftsmodell für viele Patienten

Petersen, Ursula

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LNSLNS Es ist unbestritten, daß die Entwicklung zahlreicher Krankheiten durch eine entsprechende Lebensführung, eine sogenannte Primärprävention, individuell beeinflußt werden kann (s. Tabelle). Belegt ist unter anderem die Abnahme der Krebsinzidenz und Minimierung von KHK-Erkrankungen durch körperliche Aktivität. Ein um etwa 30 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko gegen-über "Gesunden" haben diejenigen, die bereits einen Infarkt erlitten. Hier kommen Maßnahmen der Sekundärprävention zum Tragen, um eine erneute Erkrankung zu verhindern. Laut Prof. Klaus Held (Göttingen) wird jedoch nur knapp ein Drittel der Präventionsprogramme den Betroffenen über die Ärzte vermittelt. Mehr als die Hälfte der Patienten erfährt von solchen Maßnahmen über die Presse. Es fehlt entscheidend an Überzeugungsarbeit in den Praxen. Ein weiteres Phänomen: Die sogenannten unteren Einkommensschichten sind an Prävention nicht interessiert.
Die ambulante Rehabilitation als Sekundärprävention war Thema der traditionellen Bayer-Veranstaltung an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Hierbei stellte Held ein Pilotprojekt der deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (DGPR) vor, das Bewegung, Ernährung, Streßbewältigung sowie ärztliche Betreuung und medizinische Information beinhaltet. Erste Ergebnisse sind hervorragend: 85 Prozent der Patienten haben das anspruchsvolle ambulante Präventivprogramm erfolgreich durchgehalten. Ob ambulante oder stationäre Rehabilitation wird stets eine Einzelentscheidung bleiben. In einer Vergleichsuntersuchung mit 132 ambulant und 221 stationär betreuten Patienten war das Ergebnis nahezu gleich. Stationär Rehabilitierte rauchen nach Abschluß der Behandlung etwas weniger, dagegen hatten die ambulanten Patienten bessere Ausdauerleistungen. Auch im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Arbeit gab es keine signifikanten Unterschiede. Die Patienten aus der ambulanten Reha gingen etwas eher in den Beruf zurück.
Für ältere oder alleinstehende Patienten bietet die stationäre Form Vorteile. Geringes Schadensbild, gute Belastbarkeit, jüngeres Alter, stabile psychosoziale Situation, fehlende Morbidität und geringes vaskuläres Risiko können jedoch für eine ambulante Rehabilitation sprechen, so Prof. Richard Rost in Köln. Weitere Gründe "pro ambulant" sind der günstigere Kostenfaktor, die Einbeziehung der Familie (kein "totes Wochenende"), die Überprüfung physisch/psychische Belastbarkeit unter häuslichen Bedingungen und eine bessere Kontinuität mit dem Hausarzt. In Deutschland beginnt die ambulante Rehabilitation zu "boomen". Neben Modellen an der Deutschen Sporthochschule Köln, in Frankfurter Kliniken und in Bad Lippspringe gibt es inzwischen zehn Einrichtungen der ambulanten Form. Da gewisse Voraussetzungen und eine Qualitätskontrolle gegeben sein müssen, werden von der DGPR entsprechende Regeln für die ambulante Rehabilitation erstellt. Ursula Petersen

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