ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Psychologische Psychotherapeuten: Unter Entscheidungsdruck

POLITIK

Psychologische Psychotherapeuten: Unter Entscheidungsdruck

Bühring, Petra

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LNSLNS Ein Integrationsbeauftragter wird bei der nächsten Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in den Vorstand gewählt.

Trotz der gescheiterten Wahl eines Psychologischen Psychotherapeuten in den Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) (siehe auch DÄ 12/2001) sollen die Psychologen in dessen Arbeit eingebunden werden. Auf der jüngsten Sitzung wurde beschlossen, einen „Vorstandsbeauftragten zur Integration nicht ärztlicher Psychotherapeuten“ bei der nächsten Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV am 21. Mai in Ludwigshafen zu wählen. Der Integrationsbeauftragte wird kein Stimmrecht erhalten. Im Vorstand explizit nicht vertretene Facharztgruppen könnten sich dadurch benachteiligt fühlen, doch die Einbindung der Psychologen erfolgt auf ausdrücklichen Wunsch der Ver­tre­ter­ver­samm­lung. Die Probleme der Integration rechtfertigen eine solche Entscheidung. Der Druck auf die KBV-Spitze, psychotherapeutische Leistungen besser zu honorieren, nimmt zu. Es kann also hilfreich sein, einen Psychologen in die Vorstandsarbeit einzubinden, der beratend mitwirkt und gegenüber der Basis vermitteln kann.
Taktisch klug wäre, wenn die Psychologischen Psychotherapeuten sich bis zur Ver­tre­ter­ver­samm­lung auf einen Kandidaten geeinigt hätten. Die Doppelkandidatur von Jürgen Doebert, Reutlingen, und Hans-Jochen Weidhaas, Bad Dürkheim, war zwar nicht der einzige Grund für die gescheiterte Wahl in den Vorstand. Die ärztlichen Delegierten hatten sich zuvor intensiv darüber ausgetauscht, dass neben der paritätischen Verteilung von acht Vorstandssitzen auf Hausärzte und Fachärzte der neunte Sitz von einem außerordentlichen Mitglied eingenommen werden sollte. Gewählt wurde Dr. med. Theodor Windhorst mit 56 Stimmen vor Dr. med. Michael Späth (32 Stimmen). Im selben Wahlgang traten auch Doebert und Weidhaas an, erhielten jedoch nur sieben beziehungsweise 14 Stimmen.
Die Doppelkandidatur verdeutlichte die gespaltene psychotherapeutische Verbandslandsschaft – was den ärztlichen Delegierten die Entscheidung für einen Psychologen im Vorstand nicht erleichterte. Warum fällt eine Einigung so schwer? Dipl.-Psych. Jürgen Doebert, Kassenärztliche Vereinigung (KV) Südwürttemberg, tätig im beratenden Fachausschuss Psychotherapie der KBV, wirbt damit, die unterschiedlichen Interessen der psychotherapeutischen Grundberufe (Ärzte, Psychologen und Pädagogen) „bündeln und integrieren“ zu wollen. Dabei helfe ihm seine Mitgliedschaft – ohne Vorstandsverantwortung – in drei mit diesen Berufsgruppen „gemischten“ Verbänden: Die beiden größten davon sind der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (BVVP) und die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT). Daneben stehen noch sieben Fachgesellschaften hinter Doebert, deren Mitglieder zum Teil den beiden Verbänden angehören, sowie die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten e.V. Dem Bündnis angeschlossen hat sich auch der Deutsche Psychotherapeutenverband e.V. (DPTV), der ehemalige Erstattungspsychotherapeuten vertritt und sich bisher eher durch Alleingänge hervorhob.
Ohne Mehrheit der Verbände kandidierte Dipl.-Psych. Hans-Jochen Weidhaas, KV Pfalz, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten e.V., Mitglied im Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen und im Fachausschuss Psychotherapie. Neben seinem eigenen Verband stehen nur zwei kleine Fachverbände hinter dem erfahrenen Berufspolitiker. Wegen der „langjährigen guten Zusammenarbeit und seines Einsatzes für das Psychotherapeutengesetz“ habe Weidhaas auch die Vertreter der Ständigen Konferenz ärztlicher Psychotherapeuten im Fachausschuss auf seiner Seite, erklärte die Vorsitzende Dr. med. Karin Bell. Kandidat Weidhaas erhielt doppelt so viele Stimmen wie Doebert. Aufgrund der langen Kooperation der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten mit dem Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands e.V. liegt nahe, dass ihn einige Hausärzte gewählt haben.
Konkurrent Doebert wirft Weidhaas vor, „sich nicht an Mehrheiten zu halten“. Weidhaas selbst glaubt, die Mehrheit der – größtenteils psychoanalytischen Verbände – nicht hinter sich zu haben, weil er Verhaltenstherapeut ist. Ein großer Verband überwiegend ehemaliger Erstattungspsychotherapeuten verhält sich neutral: „Wir wollen keine Spaltung nach außen mittragen“, erklärt Heinrich Bertram, Verband Psychologischer Psychotherapeuten im BDP e.V.
Der Verfahrensvorschlag des KBV-Vorstands sieht vor, dass die Psychologischen Psychotherapeuten bis zur KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung einen Kandidaten benennen. Gehen mehrere Bewerber ins Rennen, entscheidet – wie bei jeder Wahl – die Mehrheit der Delegierten. Eine Einigung der Psychologen wäre sinnvoll. Petra Bühring


Hans-Jochen Weidhaas (links) erhielt bei der Vorstandswahl doppelt so viele Stimmen wie Jürgen Doebert.

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