ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Lungenkrebs: Klinische Studien dringend nötig

POLITIK: Medizinreport

Lungenkrebs: Klinische Studien dringend nötig

EB

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LNSLNS Der Lungenkrebs steht weltweit an der Spitze aller krebsbedingten Todesursachen. Allein in Deutschland sterben jährlich 35 000 Menschen an diesem Tumorleiden, und 40 000 Erkrankungsfälle werden neu diagnostiziert. Um die mit 13 Prozent sehr ungünstige Fünf-Jahres-Überlebensrate deutlich zu verbessern, forderten Experten auf einem interdisziplinären Symposium an der Universitätsklinik in Münster mit Nachdruck eine Behandlung betroffener Patienten im Rahmen klinischer Studien. Im Gegensatz zu Leukämien, die seit Jahren nahezu ausschließlich nach standardisierten Therapiekonzepten behandelt werden, sei dies beim Lungenkrebs erst bei drei bis fünf Prozent der Patienten der Fall.
Eine Ursache dafür ist, dass das therapeutische Engagement der behandelnden Ärzte durch die niedrige Fünf-Jahres-Überlebensrate dieser Patienten immer wieder enttäuscht wird. In Vorwegnahme dieser ungünstigen Prognose würden deshalb in Deutschland – auch bei geeigneten Patienten – moderne und intensive Therapieverfahren zurückhaltend eingesetzt, erklärte Privatdozent Dr. med. Michael Thomas (Universität Münster): „Selbst wenn durch die konsequente Behandlung nach fachübergreifend entwickelten Behandlungskonzepten die Fünf-Jahres-Überlebensrate nur um ein Fünftel erhöht wird, könnten 1 000 Patienten gerettet werden.“
Durch Zuführen von Patienten in standardisierte Therapiekonzepte im Rahmen von randomisierten Studien könne zudem der individuelle Krankheitsverlauf besser ausgewertet werden, was zu einer Fortentwicklung der Behandlungskonzepte beitrage. „Realität ist in Deutschland derzeit jedoch“, so Thomas, „dass kaum jeder 20. Patient mit Lungenkrebs im Rahmen solcher Studien behandelt wird.“ EB

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