ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Türkische Gefängnisse: Todesopfer unter Hungerstreikenden

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Türkische Gefängnisse: Todesopfer unter Hungerstreikenden

Korzilius, Heike

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LNSLNS Seit Oktober letzten Jahres sind in türkischen Gefängnissen Hunderte von Häftlingen im Hungerstreik, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Im Zuge einer Gefängnisreform waren zahlreiche Gefangene aus den üblichen Massenunterkünften in kleinere Zellen für bis zu drei Häftlinge verlegt worden. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass den Gefangenen dort die Isolation droht und sie leichter von Aufsehern misshandelt werden könnten. Sechs Menschen haben sich bereits zu Tode gehungert. Nach Angaben der türkischen Menschenrechtsorganisation (HRA) beteiligen sich derzeit rund 1 600 Häftlinge an Hungerstreiks, 120 von ihnen seien inzwischen in einem kritischen Zustand.
Die Türkische Ärztekammer hatte sich bereits zu Beginn des Hungerstreiks um Vermittlung zwischen den Häftlingen und dem Justizministerium bemüht – ohne Erfolg, wie Prof. Dr. Veli Lök, Orthopäde und Mitbegründer der türkischen Menschenrechtsstiftung, in einem Brief an den Weltärztebund berichtete. Stattdessen seien Ärzte verstärkt unter Druck gesetzt worden, hungerstreikende Gefangene zwangsweise zu ernähren. Denjenigen, die sich weigerten, drohten juristische Konsequenzen. Auch der Generalsekretär des Weltärztebundes, Dr. Delon Human, hatte die türkische Regierung aufgefordert, Gewalt und Folter in den Gefängnissen zu beenden sowie alle Angriffe gegen Ärzte und Heilberufler zu stoppen. Er verlangte zudem, die Zwangsernährung der Hungerstreikenden zu beenden, um die Patientenautonomie sicherzustellen.
Der Europäischen Kommission zufolge hat zumindest der Druck der türkischen Regierung auf die Ärzte nachgelassen. Die Regierung in Ankara hat jedoch klargestellt, dass sie an dem Gefängniskonzept festhalte. Die neuen Haftanstalten entsprächen den Richtlinien des Europarats zum humanen Strafvollzug. HK
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