ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Kongressbericht: Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie von Lebermetastasen

MEDIZIN: Kongressberichte und -notizen

Kongressbericht: Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie von Lebermetastasen

Vogl, Thomas J.; Mack, Martin G.; Balzer, Jörn O.

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LNSLNS Die Rolle verschiedener bildgebender Verfahren zur Detektion von primären und sekundären Lebermetastasen sowie bekannte und neue Behandlungsmöglichkeiten waren Hauptthemen des ersten interdisziplinären Symposiums zur Diagnostik und Therapie von Lebermetastasen in Frankfurt am 3. und 4. November 2000.
Diagnoseverfahren
Lebermetastasen werden mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren, insbesondere der Sonographie, diagnostiziert. Thomas Albrecht, Berlin, stellte für dieses Verfahren Werte zur Sensitivität von 91 Prozent vor.
Die zweiphasige Spiral-Computertomographie (CT) zeigt unter Einsatz von CT-Geräten neuester Generation, wie der Mehrzeilendetektor-Computertomographie (MDCT) hervorragende Ergebnisse. Durch Einsatz gewebespezifischer Kontrastmittel stellt die Magnetresonanztomographie das derzeit sensitivste Verfahren zur Diagnostik von Lebermetastasen dar. Kombinierte Strategien mittels bildgebender Magnetresonanztomographie (MRT), MR-Angiographie und MR-Cholangiopankreaticographie wurden von der Frankfurter Arbeitsgruppe vorgestellt. Als nuklearmedizinische Verfahren, so Frank Grünwald, Frankfurt, wird hauptsächlich die Positronen­emissions­tomo­graphie (PET) eingesetzt. Eine sichere Differenzierung kleinnodulärer Metastasen gegenüber zystischen Veränderungen gelingt jedoch auch mit dieser Methode nicht.
Ernst Rummeny, München, und Michael Laniado, Dresden, favorisierten den Einsatz spezifischer Kontrastmittel, wie hepatobiliäre und superparamagnetische Substanzen zur verbesserten Evaluierung von Lebermetastasen unterschiedlicher Primärtumoren.
Therapie von primären und sekundären Lebermetastasen
Wesentliche Behandlungsmöglichkeiten bei Lebermetastasen gynäkologischer Tumoren mit Schwerpunkt auf dem Mamma- und Ovarialkarzinom, beschrieb Manfred Kaufmann, Frankfurt. Die systemische Therapie mittels Chemotherapie, Hormontherapie und Antikörper ist nach wie vor eine wichtige Behandlungsmethode. Theodor Junginger, Mainz, berichtete über Erfahrungen zu den Leitlinien der Lebermetastasen der Deutschen Krebsgesellschaft und hob die Problematik evidenzbasierter Daten zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms hervor. Die chirurgische Resektion isolierter Lebermetastasen eines kolorektalen Karzinoms stellt derzeit den „Goldstandard“ der Therapie dar, erklärte Albrecht Encke, Frankfurt. Dennoch tritt in 60 bis 70 Prozent der Fälle bei den chirurgisch behandelten Patienten ein intrahepatisches Rezidiv auf, das nur noch sehr selten erneut mit chirurgischen Verfahren behandelt werden kann. Die regionale Therapie mittels intraarteriell implantiertem Katheter sollte nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden, da bislang ein Überlebensvorteil nicht sicher nachgewiesen werden konnte. Ablative und interventionelle Verfahren zur Therapie von Lebermetastasen lassen sich nach thermischen Verfahren wie der Kryotherapie, der Radiofrequenztherapie und der Lasertherapie sowie nicht thermischen Verfahren wie der Medikamenteninstillation differenzieren. Die Kryotherapie, vorgestellt von Joachim K. Seifert, Mainz, wird derzeit im Wesentlichen unter operativen Bedingungen als Ergänzung zur Leberresektion durchgeführt. Erschwerend ist hierbei die relativ hohe Rate an Rezidiven und Komplikationen.
Die von Martin Mack und Thomas J. Vogl, Frankfurt, beschriebene und entwickelte Lasertherapie (LITT, laserinduzierte interstitielle Thermotherapie) unter MR-Steuerung ist derzeit das am besten evaluierte Verfahren zur lokalen Ablation und Zerstörung von Lebermetastasen. Die Frankfurter Daten, ermittelt an einem Patientenkollektiv von mehr als 800 Patienten, belegen die Vorteile des ambulanten Therapiemanagements bei extrem niedriger Komplikationsrate. Thomas J. Vogl stellte die aktuellen Überlebensdaten vor, mit einer mittleren Überlebenszeit von vier Jahren, mit Tendenz zur weiteren Verbesserung.
Neue interventionelle Therapiekonzepte sind zum Beispiel die photodynamische Therapie und die intratumorale Zytostatika-Applikation. Paul Steiner, Hamburg, und Christoph Brölsch, Essen, referierten über ihre Erfahrungen zur Radiofrequenzablation, mit der Problematik eines unbefriedigenden Monitoring mittels Sonographie, und einer hohen Rate an Lokalrezidiven.
Neue neoadjuvante Therapieprotokolle beinhalten Kombinationstherapien von ablativen Therapien mit der Chemoembolisation, berichtete Stephan Zangos, Frankfurt. Dabei wird angestrebt, eine Größenreduktion von Metastasen mit einem Durchmesser von mehr als 50 mm zu erreichen, gefolgt von einer ablativen Therapie.
Kombinierte Arbeitsplätze mit digitaler Angiographie (DSA) und Magnetresonanztomographie (MRT), wie das Frankfurter Hybridsystem, präsentiert von Jörn O. Balzer, Frankfurt, werden dabei die technischen wie auch klinischen Ergebnisse weiter verbessern.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl
Institut für Diagnostische und
Interventionelle Radiologie
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
E-mail: T. Vogl @em.uni-frankfurt.de


Abbildung: Koronare Mehrzeilendetektor-CT: Abdomen einer 65-jährigen Patientin mit kolorektalem Karzinom des Coecums (weiße Pfeile) und synchroner Lebermetastase (schwarze Pfeile).

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