ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Allergische Krankheitsbilder – Arzneimittelreaktionen: Therapie bei toxisch epidermaler Nekrolyse

DOKUMENTATION: Diskussion

Allergische Krankheitsbilder – Arzneimittelreaktionen: Therapie bei toxisch epidermaler Nekrolyse

Eisenbeiß, Werner; Siemers, Frank

zu dem Beitrag Allergische Krankheitsbilder – Arzneimittelreaktionen von Prof. Dr. med. Hans F. Merk in Heft 45/2000
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LNSLNS Die Autoren bemerken richtig, dass alle bisherigen therapeutischen Ansätze einschließlich der Gabe von Glucocorticoiden kontrovers diskutiert werden oder sich in der Erprobungsphase befinden. Weitere, etablierte Behandlungsmöglichkeiten mit gesichertem Erfolg bleiben leider unberücksichtigt.
Eigene Erfahrungen seit 1995 haben gezeigt, dass bei der Behandlung der toxisch epidermalen Nekrolyse (TEN) durch eine konsequente Oberflächentherapie, die eine folgenlose Abheilung der Defekte zum Ziel hat, die Letalität dieser Erkrankung deutlich reduziert werden konnte. Die großflächige subepidermale Blasenbildung bei der TEN imponiert klinisch wie eine oberflächlich zweitgradige Verbrennung. Es ist somit nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren mit zunehmender Häufigkeit Patienten mit diesem Krankheitsbild in Intensiveinheiten für Schwerbrandverletzte behandelt wurden. Nach Abtragung der Blasen unter OP-Bedingungen erfolgt zunächst die Anlage einer Verbandanordnung mit einer nichtadhäsiven Wundauflage und einem lokalen Antiseptikum (Lavasept). Ist der Prozess der Epidermolyse vollständig abgeschlossen, wird ein definitiver Okklusionsverband zur Abdeckung der Wundfläche mit einer temporären semisynthetischen Wundauflage (Biobrane) vorgenommen. Diese Wundauflage ist ein ultradünnes Netz aus einer Nylon-Silikon-Membran, auf die gereinigtes porcines Kollagen aufgetragen ist und die einen temporären Epidermisersatz darstellt (siehe Erläuterung). Nach Abschluss der Reepithelialisierung löst sich die Wundauflage ohne neuerliche Manipulationen ab.
Bei diesem Verfahren kann eine Epithelialisierung unter Sicht erfolgen, die täglichen Verbandwechsel lassen sich mit geringem Zeitaufwand ohne Schmerzen und bei voller Mobilisierbarkeit der Patienten vornehmen. Der temporäre Wundverschluss verhindert eine sekundäre Keimbesiedlung. Dies reduziert die Gefahr einer gefürchteten Superinfektion der Wundfläche mit nachfolgendem septischen Krankheitsbild. Neben der Oberflächenbehandlung steht die konsequente Pflege möglicher Schleimhautdefekte im Vordergrund.
Durch einen frühzeitigen Beginn der Behandlung in einem Zentrum für Schwerbrandverletzte ist die Letalität bei Auftreten einer TEN deutlich gesenkt worden. Von 24 auf unserer Intensivstation seit 1995 behandelten Patienten verstarben im Verlauf der Behandlung nur vier Patienten, und diese an der Folge ihrer Grunderkrankung beziehungsweise an pulmonalen Komplikationen. Todesursache war in keinem Fall eine nicht beherrschbare Infektsituation, resultierend aus der großen Wundfläche.
Wir empfehlen aufgrund unserer Erfahrungen bei Auftreten von großflächigen bullösen Hautreaktionen die schnellstmögliche Kontaktaufnahme zum regional zuständigen Verbrennungszentrum. Darüber hinaus sollte jeder Fall einer schweren blasenbildenden Hautreaktion dem Dokumentationszentrum für schwere Hautreaktionen an der Universitäts-Hautklinik Freiburg gemeldet werden. Nur eine überregionale Erfassung dieser Fälle ermöglicht eine Zusammenstellung und Auswertung ausreichend großer Fallzahlen.

Frank Siemers
Dr. med. Werner Eisenbeiß
Klinik für Plastische Chirurgie, Handchirurgie, Intensiveinheit für Schwerbrandverletzte
Medizinische Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
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