ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Prävention und Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung – Vorsorge bei Risikogruppen: Schlusswort

DOKUMENTATION: Diskussion

Prävention und Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung – Vorsorge bei Risikogruppen: Schlusswort

Schmiegel, Wolff

zu dem Beitrag Kolorektales Karzinom Prävention und Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung – Vorsorge bei Risikogruppen von Prof. Dr. med. Wolff Schmiegel Prof. Dr. med. Guido Adler Prof. Dr. med. Ulrich Fölsch Prof. Dr. med. Peter Layer Dr. med. Christian Pox Prof. Dr. med. Tilmann Sauerbruch in Heft 34–35/2000
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LNSLNS Aus Umfangsgründen konnten wir leider nicht ausführlicher auf die Screeningmaßnahme für kolorektale Karzinome (KRK) in der asymptomatischen Bevölkerung eingehen. Sicherlich wäre eine höhere Sensitivität der Hämoccult-Testung mit entsprechend niedrigerer Rate falsch-negativer Ergebnisse wünschenswert. Für neuere Verfahren zur fäkalen okkulten Bluttestung ist eine höhere Sensitivität beschrieben mit jedoch deutlich niedrigerer Spezifität (1). Gerade zu Zeiten intensiver Anstrengungen zur Kostenbegrenzung muss die Spezifität von Massenscreeningverfahren berücksichtigt werden, denn für das KRK-Screening ist eine Abnahme der Spezifität mit einer höheren Koloskopierate und demzufolge vermehrten Kosten verbunden. Zudem liegen bisher keine Studien vor, die zeigen, dass Verfahren, die die Sensitivität der okkulten Bluttestung steigern, einen positiven Einfluss auf die Mortalität besitzen. Die von J. Rathenberg angeführten Schwierigkeiten bei der Stuhlprobengewinnung sind bisher nur unzureichend untersucht. Die beschriebene Patientenhilfe mag hilfreich sein, inwieweit durch sie eine Verbesserung der Akzeptanz des Tests zu erreichen wäre, bedarf jedoch weiterer Klärung. Bei den aufgeführten Untersuchungen zum KRK-Screening handelt es sich lediglich um eine Beschreibung zur Verfügung stehender Verfahren und nicht um eine Forderung nach Durchführung von Hämoccult, Sigmoidoskopie und Koloskopie. Standard ist zurzeit die Hämoccult-Testung, für die in mehreren randomisierten plazebokontrollierten Studien eine Senkung der KRK-bedingten Mortalität nachgewiesen werden konnte. Für die Sigmoidoskopie konnte die angegebene Senkung der KRK-bedingten Mortalität gezeigt werden. Die Daten hierfür stammen aber aus Fall-Kontroll-Studien, kontrollierte Studien liegen zurzeit noch nicht vor. Es ist davon auszugehen, dass pro 1 000 Untersuchungen etwa 2,5 KRK gefunden werden (3), die Angaben zur Inzidenz kolorektaler Adenome schwanken zwischen 3,6 und 19 Prozent, die durchschnittliche Inzidenz dürfte bei zehn Prozent liegen (3). Die Perforationsrate liegt bei 0,01 bis 0,02 Prozent. Für die Koloskopie liegen keine prospektiven Studien zur Beurteilung der Detektionsrate von KRK in der asymptomatischen Bevölkerung vor. Die Angaben in kleineren Studien schwanken zwischen 0 und 11 Karzinomen pro 1 000 Untersuchungen. Die Rate dürfte bei etwa 3,5 Karzinomen liegen. Adenome werden durchschnittlich bei 23 bis 25 Prozent gefunden. Die Morbiditätsdaten zur Koloskopie sind in einer kürzlich erschienenen Übersicht zusammengefasst (2). So betrug die Nebenwirkungsrate für diagnostische Koloskopien zwischen 0,14 bis 0,25 Prozent. Die häufigsten Komplikationen waren Perforationen (0,06 bis 0,2 Prozent) und Blutungen (0 bis 0,11 Prozent). Für therapeutische Koloskopien lag die Rate mit 1,2 bis 7,2 Prozent höher. Die Mortalität betrug generell zwischen 0 und 0,06 Prozent. Der Vorteil der endoskopischen Untersuchungen liegt sicherlich in einer höheren Sensitivität in der Detektion von KRK sowie der Möglichkeit der Abtragung prämaligner Adenome, was zu einer nachgewiesenen Senkung der KRK-bedingten Mortalität um bis zu 90 Prozent führt (4). Dem sind jedoch unter anderem die angegebene Komplikationsrate sowie höhere Kosten entgegenzuhalten. Da zusätzlich keine kontrollierten Studien zu endoskopischen Verfahren vorliegen, sollte zurzeit bei der asymptomatischen Bevölkerung mit durchschnittlichem KRK-Risiko generell die Hämoccult-Testung durchgeführt werden. Für die Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem KRK-Risiko sollte jedoch von vornherein die sensitivere Koloskopie eingesetzt werden. Hier scheint der Nutzen größer als die möglichen Nebenwirkungen. Generell kann jede Screeninguntersuchung nur dann effektiv sein, wenn sie auch von weiten Teilen der Bevölkerung angenommen wird. Die gesetzliche Krebsfrüherkennung, die die jährliche Hämoccult-Testung ab 45 Jahren beinhaltet, wird nur von 14 Prozent der anspruchsberechtigten Männer und 34 Prozent der Frauen wahrgenommen. Um den Krebstod am kolorektalen Karzinom zu senken, wäre demnach eine Ausweitung des FOBT außerordentlich bedeutsam.

Literatur
1. Allison JE, Tekawa IS, Ransom LJ, Adrain AL: A comparison of fecal occult-blood tests for colorectal-cancer screening. N Engl J Med 1996; 334: 155–159.
2. Froehlich F, Gonvers J-J, Vader J-P, Dubois RW, Burnand B: Appropriateness of gastrointestinal endoscopy: risk of complications. Endoscopy 1999; 31: 684–686.
3. Selby JV. Clinical trials of screening sigmoidoscopy. In: Cohen AM, Winawer SJ, eds. Cancer of the colon, rectum, and anus.: McGraw-Hill, Inc.; 1995.
4. Winawer SJ, Zauber AG, Ho MN et al.: Prevention of colorectal cancer by colonoscopic polypectomy. The National Polyp Study Workgroup. N Engl J Med 1993; 329: 1977–1981.

Prof. Dr. med. Wolff Schmiegel
Medizinische Universitätklinik
Knappschaftskrankenhaus
In der Schornau 23–25, 44892 Bochum (Langendreer)
E-Mail: meduni-KKH@ruhr-uni-Bochum.de
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