ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Lebensversicherungen: Optimieren statt kündigen

VARIA: Wirtschaft

Lebensversicherungen: Optimieren statt kündigen

Jobst, Peter

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LNSLNS Die Kündigung einer Kapital-Lebensversicherung ist besonders in den ersten Jahren ungünstig, weil die Rückzahlungen unter den Einzahlungen liegen.

Zu teuer, steuerlich weniger vorteilhaft als erhofft, die Beiträge können nicht mehr bezahlt werden. Anleger stellen nicht selten fest, dass eine Kapital-Lebensversicherung nicht mehr den Bedürfnissen entspricht. Eine hohe Rückzahlung kann der Versicherte jedoch kaum erwarten. Bedingt durch die Abschlusskosten und die Aufwendungen für die Risikoabsicherung ist der Rückkaufswert in den ersten zehn Jahren extrem niedrig. Zudem muss die Versicherung bei Nichteinhalten der zwölfjährigen Mindestlaufzeit eine Kapitalertragssteuer in Höhe von 25 Prozent an das Finanzamt abführen.
Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, die Aufwendungen für einen Vertrag zu reduzieren, ohne erhebliche Verluste zu verbuchen. So ermäßigt sich der Beitrag zur Kapi-
tal-Lebensversicherung, wenn die jährliche Zahlungsweise statt der monatlichen gewählt wird. Ohne Verlust des Risikoschutzes besteht bei vielen Vertragsarten auch die Möglichkeit, die gutgeschriebenen Gewinnanteile statt zur Erhöhung der Versicherungssumme zur Ermäßigung der Beiträge zu verwenden. Die Auszahlungssumme bei Fälligkeit wird dabei aufgrund des geringeren Zinseszinseffekts allerdings merklich niedriger; jedoch sinkt auch die monatliche Belastung.
Ermäßigen kann man die Beiträge auch, wenn bei einer dynamischen Police auf die jährliche Anhebung von Versicherungssumme und Beitrag verzichtet wird. Die Dynamik bringt bei der Rendite ohnehin kaum Vorteile: Da die Erhöhungssumme versicherungstechnisch jeweils wie ein Neuabschluss behandelt wird – also mit hohen Anlaufkosten belastet ist –, ist die Verzinsung deutlich niedriger als bei herkömmlichen Policen. Ein Pluspunkt ist lediglich, dass die Erhöhung im Rahmen der Dynamik ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich wird.
Beitragsfreistellung
Auch eine Beitragsfreistellung kann sich als interessante Alternative erweisen. Dabei wird die Versicherungssumme auf die Höhe des Rückkaufswertes herabgesetzt. Weitere Beiträge müssen nicht mehr bezahlt werden, Gewinnanteile gehen nicht verloren. Welche Versicherungssumme und welche Zahlung bei Fälligkeit sich im Falle einer Herabsetzung ergeben würde, kann der Anleger bei einigen Gesellschaften aus den Vertragsunterlagen entnehmen (sonst nachfragen). Berücksichtigen sollten Versicherte bei einer beabsichtigten Beitragsfreistellung aber auch, dass damit der Versicherungsschutz herabgesetzt wird und die so entstandene Lücke gegebenenfalls anderweitig abgesichert werden muss. Auch wird ein späterer Neuabschluss wesentlich teurer. Je später eine Lebensversicherung abgeschlossen wird, umso höher sind Beitrag und Risikoanteil. Bei verschlechtertem Gesundheitszustand kann die Gesellschaft den Kunden sogar ablehnen.
Neben der Beitragsfreistellung ist es auch möglich, die Vertragslaufzeit zu verkürzen, was oftmals günstiger ist. Hierbei wird unter Berücksichtigung der bezahlten und noch zu zahlenden Beiträge die Versicherungssumme des Vertrages herabgesetzt und die Restlaufzeit in der Regel auf mindestens zwei bis fünf Jahre verkürzt, wobei das Ganze noch mit einer Beitragsfreistellung kombiniert werden kann. Versicherte erhalten bei einer Laufzeitverkürzung den vollen Schlussgewinnanteil, der den Verlust durch die Herabsetzung der Versicherungssumme oftmals aufwiegt. Auch über die Möglichkeiten einer Laufzeitverkürzung – und den daraus möglicherweise resultierenden steuerlichen Nachteilen – kann die Gesellschaft detailliert Auskunft geben. Umgekehrt kann eine Beitragsermäßigung durch die Verlängerung der Laufzeit erreicht werden. Hierbei sollte allerdings im Einzelfall verglichen werden. Lohnend ist ein solches Verfahren nur dann, wenn die aus der längeren Laufzeit resultierende Beitragsersparnis den Nachteil der teureren Todesfallabsicherung übertrifft.
Bei einem vorübergehenden finanziellen Engpass – aber auch wenn der Höchstbetrag der Vorsorgeaufwendungen für das laufende Jahr bereits ausgeschöpft ist, im kommenden Jahr wieder „Platz“ ist – kann man die Beiträge stunden lassen. Möglich ist dies in der Regel für höchstens sechs bis zwölf Monate. Die Versicherung verlangt dann marktübliche Zinsen für das „Darlehen“. Gestundete Beträge können bei Zustimmung durch die Gesellschaft aber auch mit der späteren Auszahlungssumme verrechnet werden. Interessant ist auch die Möglichkeit, ein Policendarlehen aufzunehmen und daraus die Beiträge zu bezahlen. Das Darlehen ist meist zinsgünstig, die Stellung von Sicherheiten entfällt. Zurückgezahlt wird das Darlehen spätestens mit Fälligkeit des Vertrages.
Den Vertrag ruhen lassen
Bei gleichbleibendem Versicherungsschutz kann die Versicherung auch teilweise oder ganz „auf Eis“ gelegt werden. Üblich ist hierzu die Umstellung von Kapitalversicherung auf Risiko-Police. Der Kunde zahlt für den vollen Versicherungsschutz vorübergehend lediglich den wesentlich niedrigeren Risikobeitrag und erst später die Differenz zum vereinbarten Beitrag. Verlangt werden hierfür die bei Stundung üblichen Zinsen. Anstelle der Nachentrichtung ist aber auch eine Beginnverschiebung möglich. Eine Verschiebung von Vertragsbeginn und Fälligkeitstermin wird auch bei völligem Ruhen des Vertrages vorgenommen, bei dem die ausgesetzten Beiträge nicht nachentrichtet werden müssen, die Versicherungssumme während der Ruhezeit jedoch auf den Rückkaufswert herabgesetzt wird. Peter Jobst
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