ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Stammzellforschung: Der einfachste Weg

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Stammzellforschung: Der einfachste Weg

Dtsch Arztebl 2001; 98(16): A-1017 / B-865 / C-813

Richter, Eva A.

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LNSLNS Bisher waren es Einzelstimmen – jetzt hat sich die gesamte FDP-Bundestagsfraktion in einem Beschluss für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik, eine erleichterte Patentierung biotechnologischer Erfindungen und das therapeutische Klonen zur Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen. „Wir brauchen einen Modernisierungsschub statt Fortschrittsverweigerung“, sagte der Fraktionsvorsitzende Dr. Wolfgang Gerhardt in Berlin.
Die FDP sehe in der Stammzellenforschung eine große Chance, Heilungsmöglichkeiten für schwere Krankheiten zu finden, begründete die Fraktion ihren Vorstoß. Um die Zellprogrammierung zu verstehen, sei die Forschung an embryonalen Stammzellen unverzichtbar. Diese hätten erheblich mehr Potenzial für die Forschung als adulte Stammzellen.
Obwohl diese bislang als Alternative gelten (galten), betonen Wissenschaftler in den letzten Wochen verstärkt, dass zunächst adulte und embryonale Stammzellen parallel erforscht werden müssten. Vorhaben gehen auch in diese Richtung: So liegt der Deutschen Forschungsgemeinschaft derzeit beispielsweise ein Antrag vor, in dem um Gelder für den Import embryonaler Stammzell-Linien gebeten wird. Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist nach geltendem Recht in Deutschland erlaubt, nicht aber ihre Gewinnung. Dies will die FDP ändern. Die wenigen Zell-Linien, die benötigt würden, könnten die Wissenschaftler aus Embryonen gewinnen, die bei der In-vitro-Fertilisation nicht implantiert würden, meinte Gerhardt. An diesen sollte eine Forschung bis zum Blastozystenstadium (14. Tag) möglich sein, im „ersten Schritt nur an einzelnen unter besonderer Aufsicht stehenden Instituten“. Deutschland dürfe sich nicht aus einem wichtigen Forschungsgebiet abkoppeln. Deshalb sollte auch das Embryonenschutzgesetz geändert werden.
Die Forschung an embryonalen statt an adulten Stammzellen mag günstiger und zielgerichteter sein. Doch wenn es um ethische und moralische Werte geht, ist der einfachste und schnellste Weg nicht immer der beste. Dr. med. Eva A. Richter
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