ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2001Krankenkassen: Training für Shareholder

SEITE EINS

Krankenkassen: Training für Shareholder

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Manche Krankenkassen kommen auf die ausgefallensten Ideen, um sich mit Marketing und Imagepflege vor Konkurrenzkassen hervorzutun. Aktuelles Beispiel, wie Ersatzkassen sich bei ihren Versicherten und präsumtiven neuen Klienten mit Aktionen beliebt machen wollen, die haarscharf neben ihrem gesetzlichen Auftrag liegen: Die Barmer in Heilbronn schrieb Anfang März ihre freiwillig Versicherten (darunter auch Ärzte) an und lud diese zu einer Abendvortragsveranstaltung in ihre Geschäftsräume zu einer Vortragsreihe zu „steuerrechtlichen Themen“ ein. Ein Steuerberater, der im selben Verwaltungsgebäude wie die Ersatzkasse seine Kanzlei unterhält, war Referent des Abends zum Thema „Grundzüge der Erbschaftsteuer“. Ein weiterer Steuerberater (der allerdings entgegen der Ankündigung nicht auftrat) wollte die höher verdienenden freiwillig Versicherten über „Private Veräußerungsgeschäfte und Neuregelungen zur Aktienbesteuerung“ informieren. Das Ganze war „selbstverständlich kostenfrei“ – allerdings offerierte die Barmer einen kleinen Imbiss. Ersatzkassenmitglieder und aufmerksame Chronisten müssen stutzig werden und bei solchen Events nachhaken: Ist es denn Aufgabe einer gesetzlichen Krankenkasse, sich – trotz knapper finanzieller Mittel und drohender Beitragserhöhungen, trotz des Wehklagens über den Risiko­struk­tur­aus­gleich – wie Krämer, Steuerexperten oder Banken auch um die Finanzen ihrer Klientel zu kümmern? Gewiss hat diese Kundenbetreuung und Imagepflege der Ersatzkasse nichts mit dem gesetzlichen Auftrag von § 20 SGB V – der gezielten Gesund­heits­förder­ung – zu tun. Es sei denn, der Informations- und Präventionsauftrag der Kasse wird in der Weise erweitert, die fortbildungsbeflissenen Ersatzkassenversicherten vor den gesundheitlichen Folgen zu hoher Steuern zu schützen. Mit der Rechtfertigung der Kasse, sie sei verpflichtet, freiwillig Versicherte auch über Finanzangelegenheiten zu informieren, hat die Sache wohl nichts zu tun. Zumindest ist dieses Argument weit hergeholt. Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote