ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Private Kran­ken­ver­siche­rung: Gegen Systemwechsel

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Gegen Systemwechsel

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): A-1085 / B-904 / C-846

Clade, Harald

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LNSLNS Der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) widerstreben Absichten von Politikern, das gegliederte System der gesundheitlichen Sicherung in Deutschland zu anderen Ufern zu treiben. Eine Übernahme des Schweizer Modells, das weitgehend marktwirtschaftlich gesteuert ist und in dem sich die Krankenkassen wie Versicherungsunternehmen gerieren, hätte mehr Nachteile als Vorteile für die private Versicherungswirtschaft. Auch kann man sich nicht mit einer Konvergenz von privater und gesetzlicher Versicherung anfreunden, wie sie das niederländische System vor acht Jah-
ren angebahnt hat. Vielmehr beansprucht die PKV ihre gesetzlich abgesicherte Rolle als eigenständiger Träger der Vollversicherung neben der sonst dominierenden gesetzlichen Versicherung. Die PKV meint, ein Mischsystem mit einer umfassenden Pflicht zur Versicherung und einem rigorosen Finanzierungs- und Leistungswettbewerb zwischen beiden Systemen sowie einer ergänzenden Staatsfinanzierung wäre „der Anfang vom Ende des gegliederten Versicherungssystems“. Auch bei den Gestaltungs- und Strukturprinzipien will sich die PKV von der Konkurrenz abheben. Das Kapitaldeckungssystem mit risikogerecht kalkulierten Individualbeiträgen und das Kostenerstattungsverfahren mit freier Vertragsgestaltung seien zudem für die private Versicherung systemkonstitutiv. Das Prinzip der Umlagefinanzierung, das der Sachleistung und das familienpolitisch motivierte Umverteilungsprinzip seien dagegen für die gesetzliche Versicherung systemprägend.
Die PKV hält es für existenziell notwendig, dass die bereits 1971 festgelegte „Friedensgrenze“ zwischen Gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung erhalten bleibt. Auch ihre Hauptkonkurrenz, die Angestellten-Krankenkassen, hat 1977 mit der PKV vereinbart, weder an der Versicherungs- noch an der Beitragsbemessungsgrenze zu „drehen“. Die PKV sieht europarechtliche Bestimmungen und das geltende Sozialrecht in Deutschland als Schutzschild, der den gesetzlichen Kassen verwehrt, sich im Zusatz- und Ergänzungsgeschäft wie pri-
vate Versicherungsunternehmen zu betätigen. Dr. rer. pol. Harald Clade
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