ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Ärztinnen: Kaum vertreten

POLITIK

Ärztinnen: Kaum vertreten

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): A-1098 / B-932 / C-875

Gerst, Thomas

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LNSLNS Rund 30 Prozent der KV-Mitglieder sind Ärztinnen. Im Vergleich dazu sind sie in der ärztlichen Selbstverwaltung stark unterrepräsentiert.
Das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Ärztinnenbundes zur Beteiligung von Ärztinnen an den berufspolitischen Gremien der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) kann im Grunde niemanden überraschen, der als Beobachter häufiger
an den Ver­tre­ter­ver­samm­lungen teilnimmt und dort registriert, dass die männlichen Delegierten bei weitem in der Überzahl sind. In keiner der Kassenärztlichen Vereinigungen, die die Umfrage beantwortet haben (keine Antwort kam aus Bayern, Bremen, Hessen, Koblenz, Südbaden, Westfalen-Lippe), entspricht die Beteiligung von Ärztinnen an der Ver­tre­ter­ver­samm­lung auch nur annähernd der Mitgliedschaft der Ärztinnen in den KVen. Der Frauenanteil bei den KV-Mitgliedern schwankt zwischen 24 Prozent im Saarland und fast 55 Prozent in Sachsen-Anhalt. In den Abgeordneten- oder Ver­tre­ter­ver­samm­lungen liegt der Frauenanteil mit 4,4 Prozent in Nordrhein am niedrigsten und mit 35 Prozent in Thüringen am höchsten.
Noch drastischer ist das Ungleichgewicht zwischen Mitgliedschaft und Beteiligung an den Selbstverwaltungsgremien im Hinblick auf die Vorstände der KVen. In Niedersachsen, Bremen, Nordbaden, Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Südwürttemberg, Trier und Südbaden ist keine, in den Vorständen der KVen Bayern, Nord-Württemberg, Sachsen und Westfalen-Lippe nur je eine Ärztin vertreten. Auch dem Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gehört keine einzige Ärztin an.
Die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. med. Astrid Bühren, möchte mit dieser Umfrage den Blick auf Strukturprobleme in der ärztli-
chen Selbstverwaltung lenken. „Ärztinnen bringen aufgrund ihrer Biografie Kenntnisse und Kompetenzen in die Arbeit der ärztlichen Körperschaften ein, die dort dringend notwendig sind. Zugleich benötigen sie gerade deshalb besondere Förderung und Ermutigung, um sich neben Berufstätigkeit und Familienarbeit in den Gremien der Selbstverwaltung engagieren zu können.“
Ermunterung zur Mitarbeit
Der Deutsche Ärztinnenbund will deshalb in Zukunft über seine Regionalgruppen verstärkt Ärztinnen zur Mitarbeit in den ärztlichen Gremien ermuntern. Grundkenntnisse über die Gremienarbeit sollen vermittelt werden, um so den Einstieg in die Berufspolitik zu erleichtern. Im Hinblick auf die Lan­des­ärz­te­kam­mern, wo eine dem Anteil der weiblichen Kammermitglieder entsprechende Vertretung in den Gremien auch längst noch nicht erreicht ist, will sich Bühren entsprechend der Regelung in Schleswig-Holstein für eine Änderung der Heilberufsgesetze einsetzen. Das Heilberufsgesetz in Schleswig-Holstein schreibt seit 1996 vor, dass die Zahl der Kandidatinnen auf den Wahllisten dem Anteil der Ärztinnen an den Kammermitgliedern entsprechen muss. In der Folge stieg bei den Kammerwahlen 1997 der Ärztinnen-Anteil in der Delegiertenversammlung von 21,4 auf 32,9 Prozent. Thomas Gerst
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