ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Raucherentwöhnung: Unterstützung beim Arzt

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Raucherentwöhnung: Unterstützung beim Arzt

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): A-1106 / B-939 / C-882

Richter, Eva A.

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Die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft hat eine interdisziplinäre Therapie-Leitlinie zur
Raucherentwöhnung erstellt.

Erstmals hat die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Therapieempfehlungen zur ärztlichen Behandlung der Tabakabhängigkeit herausgegeben. Diese werden durch ein von der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erarbeitetes Beratungskonzept „Frei von Tabak – Ein Stufenprogramm zur Raucherberatung und Rauchertherapie in der Praxis“ ergänzt.
Noch sei diese Therapie nicht erstattungsfähig, doch der KBV läge bereits ein Antrag vor, derartige Aktivitäten zu unterstützen und auf die Kassen einzuwirken, die ärztliche Tätigkeit in diesem Zusammenhang zu honorieren, berichtete Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der AkdÄ. „Die Raucherentwöhnung muss als Gesamtstrategie von möglichst großen Teilen der Ärzteschaft erlernt und als zertifizierte Tätigkeit anerkannt werden“, forderte er bei der Vorstellung der Leitlinien in Berlin.
Modellversuch in Thüringen
In Thüringen wird dies derzeit in einem von der AOK finanzierten Modellversuch erprobt. 20 Ärzte nehmen in Erfurt an einem Curriculum zur Raucherentwöhnung teil und werden am 17. Mai ihr Zertifikat von der Lan­des­ärz­te­kam­mer erhalten. Dann können sie in bis zu acht Beratungen Patienten bei der Raucherentwöhnung und der Nikotinsubstitution unterstützen und dies bei der AOK Thüringen abrechnen. Die Kosten für das Nikotinsubstitutionspräparat müssen die Patienten übernehmen.
Die Behandlung mit Nikotinersatzpräparaten könne bei 30 bis 40 Prozent der Raucher zu einer erfolgreichen Entwöhnung führen, erklärte Prof. Dr. med. Knut-Olaf Haustein, Leiter des Instituts für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung, Erfurt, und Mitglied des Vorstandes der AkdÄ. Die Nikotin-Ersatztherapie, deren Wirkung im Vergleich zum Placebo nachgewiesen sei, müsse über vier bis zwölf Wochen mit abnehmenden Dosen eingesetzt werden. Eine Abhängigkeit im Sinne einer Sucht käme nicht oder nur extrem selten vor. Die Nikotinpräparate eigneten sich auch bei Rauchern, die an koronarer Herzkrankheit, peripheren Durchblutungsstörungen oder Hypertonie leiden, erläuterte Haustein. Denn nicht Nikotin, sondern inhaliertes Kohlenmonoxid, Stickoxide und Benzpyrene seien die pathogenetischen Faktoren.
Niedrige Hürden für „Aufhörwillige“
Bupropion empfiehlt Haustein nicht für die Behandlung des entwöhnungswilligen Rauchers. Die Erfahrungen mit diesem Präparat seien zu gering. Trotz positiver Resultate in Studien seien gleichzeitig teilweise gravierende unerwünschte Nebenwirkungen beschrieben worden. Die AkdÄ begutachtet zurzeit einen Todesfall in Deutschland, der mit der Einnahme von Bupropion in Verbindung gebracht wird, und empfiehlt deshalb eine strikte Beachtung der Kontraindikationen sowie eine restriktive Indikationsstellung.
Etwa 37 Prozent aller Männer und 28 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren in Deutschland rauchen. Dem Gesundheitssurvey 1998 zufolge versucht ein Drittel der Raucher aufzuhören. Diese gelte es in der Praxis anzusprechen, sagte Dr. med. Ulrich Oesingmann, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses „Gesund­heits­förder­ung, Prävention und Rehabilitation“ der BÄK. Politik und Kassen seien jetzt gefordert, die Hürden für die „Aufhörwilligen“ so niedrig wie möglich zu halten. Dr. med. Eva A. Richter
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