ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Psychotherapie: Elitärer Anspruch

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Psychotherapie: Elitärer Anspruch

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): A-1114 / B-947 / C-890

Zimmermann, W.

Zu dem Beitrag „Sitz und Stimme bei den Ärzten“ von Petra Bühring in Heft 8/2001:
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LNSLNS Ich habe den Artikel mit Interesse und zugleich Verwunderung gelesen. Spiegelt er doch abermals die folgende, nur mit genügend ausgeprägtem „Narzissmus“ noch verständliche, sehr elitäre Auffassung mancher (?) Psychologischer Psychotherapeuten wider: Nur „ihre“ Leistungen bedürfen wegen der „einzigartigen Einmaligkeit“ einer besonderen Würdigung, die geradezu in einer sektiererisch anmutenden Weise „gesichert“ werden müsse. Dieser Gedanke gipfelt in der Forderung der „Allianz“ unter Federführung des DPTV nach einer eigenständigen Kassenpsychotherapeutischen Vereinigung oder aber zumindest einer „Psychotherapeuten-Sektion“ mit eigenem „Verhandlungs-Mandat“. Man stelle sich vor, jede (hoch) spezialisierte und engagierte Arztgruppe wollte diesen „Einmaligkeits- und Einzigartigkeits“-Anspruch derart durchsetzen! Das wäre der Abschied von jeder Art Kooperation, die ursprünglich wohl aus anderen Motiven immer so betont wurde. Dann bestünde die KV nur noch aus Sektionen, der wesentlich logischere Schritt daraus wäre dann die Abschaffung aller KVen.
Dieses permanente (narzisstische?) Herausstellen der Besonderheiten in der Psychotherapie fördert zum Teil eine selbst gewollte Isolierung, vielleicht auch eine latente Verschleierung von . . . ?
Wenn man sich vor Augen führt, dass für viele ärztliche Kollegen auch heute noch eine Wochenarbeitszeit von unter 40 bis 50 Stunden am Patienten nicht denkbar ist und sie sich trotzdem der Kooperation verpflichtet fühlen, keine „eigene KV-Sektion“ fordern, dann ist dieser eher anmaßend wirkende elitäre Anspruch zu hinterfragen.
Mit einem anderen Teil der inhaltlichen Forderungen, wie sie in diesem Beitrag zusammenfassend angesprochen werden (etwa Abschaffung von Konsiliar-Berichten, Gutachterverfahren), kann ich mich durchaus anfreunden, würde dies doch zu einer Verringerung von Bürokratie und damit zur Steigerung der Effektivität führen können.
Dipl.-Psych. Priv.-Doz. Dr. habil. W. Zimmermann, Berufsverband der Psychotherapeuten Brandenburg, Breitscheidstraße 41, 16321 Bernau
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