ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Akupunktur: Neue Bewertungsstudien überflüssig

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Akupunktur: Neue Bewertungsstudien überflüssig

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): A-1115 / B-948 / C-890

Klein, Hans Peter

Zu dem Beitrag „Erkenntnisse und Zweifel“ von Dr. med. Bernhard Gibis et al. in Heft 8/2001:
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LNSLNS Es ist nicht das Ziel der Wissenschaft der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichen Irrtum (B. Brecht – Leben des Galilei).
Erfreulich, dass sich B. Gibis et al. den Mühen unterzogen, eine Bewertung einer alternativen beliebten Therapiemethode wie der Akupunktur anhand der vorliegenden über 1 000 Studien vorzunehmen, die letzten Endes eine wissenschaftlich gesicherte Aussage über einen therapeutischen Gewinn der Methode nicht zulassen. Daraus aber neue Bewertungsstudien zu fordern, halte ich für überflüssig, da aus psychologischen und methodischen Gründen der Verlauf chronischer Schmerzen nicht vorhersehbar ist und sicher stark korreliert mit der therapeutischen Aktivität des Arztes. Doppelt blind gibt es bei der Akupunktur nicht, und entsprechend zeigt auch eine neuere deutsche Arbeit über die schmerzdämpfende Wirkung der Akupunktur bei der Coxarthrose, dass die lokale Manipulation das Entscheidende ist und spezielle Kenntnisse der chinesischen Medizin nicht erforderlich sind (Fink, MG, et al.: Einfluss der Nadelakupunktur auf Schmerzwahrnehmung und Funktionseinschränkung bei Patienten mit Coxarthrose. Z Rheumatol 2000; 59: 191–199).
Aus meiner Arbeit vor Ort kenne ich, wie viele Ärzte, die „Erfolge“ meiner lokalen Injektionstherapie, sei es mit Lokalanästhetika oder
i. c. Mistelextrakten etc., insbesondere bei längerer Anwendung an schmerzhaften Strukturen, wobei auch Studien nicht objektiv den Einfluss dieser Bemühungen vom Spontanverlauf durch körpereigene Heilungsprozesse abgrenzen können. Natürlich hängt die Beliebtheit der Akupunktur mit den extrabudgetären Krankenkassenzuwendungen zusammen, die in Verbindung mit dem dann noch möglichen Eigenanteil des Patienten doch wesentlich höhere Einnahmen ermöglichen als die Bemühungen im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung. Die 600 Millionen DM, die die gesetzlichen Krankenkassen aus dem „Solidartopf“ für die Akupunktur aufwenden, sollten in eine bessere Finanzierung der ärztlichen Schmerztherapie, Patientenführung und zu einer Auffüllung der Psychotherapiehonorare verwendet werden, wo die KK noch in einer Bringschuld stehen. Die Akupunktur kann beliebig, wie andere schmerztherapeutische Verfahren (Lokalanästhesie etc.), kostenneutral in den EBM Eingang finden, dann lässt das Interesse daran schlagartig nach, und die Patienten können wenigstens sicher sein, dass ihnen keine fragliche Therapiemethode angeboten wird.
Dr. Hans Peter Klein, Landauer Straße 1, 67434 Neustadt
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