ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1996Adjuvante Therapie beeinflußt Lebensqualität bei nodal-positivem Mammakarzinom

MEDIZIN: Referiert

Adjuvante Therapie beeinflußt Lebensqualität bei nodal-positivem Mammakarzinom

silk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Adjuvante Chemotherapie nach dem Schema CMF (Cyclophosphamid, Methotrexat, Fluoruracil) bei operablem, lymphknoten-positivem Mammakarzinom hat einen meßbaren negativen Einfluß auf die Lebensqualität der Patientinnen. Dieser Einfluß ist jedoch gering im Vergleich zu der Beeinträchtigung der Frauen durch ihre Diagnose und die Operation. Ergebnisse einer Fragebogenstudie mit 1 475 prämenopausalen und 1 212 postmenopausalen Frauen, die ihr körperliches Wohlbefinden, ihre Stimmung, Appetit und von ihnen wahrgenommene seelische Verarbeitungsmechanismen jeweils zu Beginn der Behandlung und in dreimonatigen Abständen beurteilen sollten, zeigen: Die Lebensqualität von postmenopausalen Frauen, die nur mit Tamoxifen behandelt wurden, war am Anfang besser als die von prämenopausalen Brustkrebspatientinnen, die mit dem CMF-Schema therapiert wurden. Diese Unterschiede verschwanden jedoch im Lauf der Zeit, die Lebensqualität verbesserte sich bei allen Patientinnen während der Behandlung. Größeren Einfluß auf die Lebensqualität hatte jedoch die Dauer der Chemotherapie und die Zeitplanung: Frauen, die nur drei Zyklen CMF erhielten, gaben nach drei Monaten bessere Werte an als Frauen mit sechs Zyklen und diejenigen, die nach Abschluß der Behandlung eine Reinduktionstherapie erhalten sollten. Die Erwartung weiterer therapeutischer Maßnahmen beeinträchtigt demnach die Lebensqualität kurzfristig deutlich. Dennoch blieb der Einfluß der Therapie auf die Lebensqualität vorübergehend und hatte keine längerfristigen negativen Auswirkungen. Diese Ergebnisse könnten Ärzte dazu ermutigen, die zwar kurzfristig toxische, jedoch langfristig effektive adjuvante Therapie einzusetzen, ohne sich über langfristige Verschlechterung der Lebensqualität ihrer Patientinnen zu sorgen. Erstaunlicherweise waren die Beurteilungen der prämenopausalen Frauen bei denjenigen durchweg schlechter, deren Krankheit in einem fortgeschritteneren Stadium operiert wurde und die östrogenrezeptornegative Tumoren hatten. Ob dies
biologische Zusammenhänge sein könnten oder ob sich das durch die behandelnden Ärzte vermittelte Wissen der Patientinnen über ihre schlechtere Prognose darin widerspiegelt, ist unklar. silk
Hürny C, Bernhard J, Coates AS, et al.: Impact of adjuvant therapy on quality of life in women with nodepositive operable breast cancer. Lancet 347, 1196, 1 279–1 284
Dr. A. S. Coates, Department of Medical Oncology, Royal Prince Alfred Hospital, Camperdown, NSW 2050, Australien.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote