ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Steuerfahndung: Mallorca ist überall

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Steuerfahndung: Mallorca ist überall

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): [96]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Diese Zeilen schreibe ich als Augen- und Ohrenzeuge, authentisch sozusagen. Ich sitze nämlich gerade auf Mallorca und wundere mich in den letzten Tagen sehr über viele Fincabesitzer, Wohnungseigentümer und Doppelhaushälfteneigner. Der sonst so gelassene, manchmal wohlgefällige Grundbesitzerblick hat einer gewissen Unruhe Platz gemacht. Was ist geschehen?
Wilde Gerüchte kursieren. Der gesamte teutonische Grundbesitz in Spanien sei bereits lückenlos erfasst. Sage und schreibe 432 000 iberische Immobilien mit deutschen Besitzern stünden auf einer Liste, die der spanische Fiskus an das Bonner Bundesamt für Finanzen schicken werde. Manche behaupten, die ominöse Liste sei gar schon vor Ort angelandet und harrte bereits ihrer pfeilartigen Aussendung an die örtlichen Finanzämter.
Die Nervosität hat freilich auch begründete Ursachen, zwei in der Hauptsache. Zum einen gilt es als offenes Geheimnis, dass viele ihre Steine auf Mallorca und auch anderswo in den sonnigen Gefilden auf Schwarzgeldbasis erworben haben. Dieser Tatbestand interessiert natürlich die deutschen Steuerbehörden brennend.
Aber andererseits haben auch die spanischen Steuerkollegen Lunte gerochen. Dort ist es nämlich geübte Praxis, einen Teil des Kaufpreises in der offiziellen Urkunde diskret zu verheimlichen. Vorteil der so genannten Unterverbriefung: Der Käufer zahlt nur die Grunderwerbsteuer auf den deklarierten Preis.
Ein zweites Bonbon versüßt den Deal erst recht. Die jährliche Vermögensteuer auf den Besitz, die auch der Steuerausländer zu bezahlen hat, wird niedriger festgesetzt. Kein Wunder also, dass zwei nationale Steuerbehörden gleichermaßen an den „bösen“ Deutschen interessiert sind.
Es gibt aber durchaus Stimmen, die sagen, es werde vernebelt ohnegleichen. Immobilienexperte Schöllhorn, Vorstand der in Freiburg ansässigen Schutzvereinigung für Auslandsimmobilien, glaubt gar an eine jährlich hochgekochte Pressekampagne, um möglichst viele Deutsche ins Bockshorn zu jagen. „Die Spanier sind weder willens noch in der Lage, eine solche Liste nach Deutschland zu verschicken“, glaubt Jurist Schöllhorn sicher zu sein.
Ich wäre mir da allerdings nicht so sicher, dass es diese
Liste nicht gibt. Und selbst wenn (noch) nicht: Die Zusam-
menarbeit der Steuerbehörden wird immer intensiver. Wer sich hier also exculpieren will, kann nur über den Weg einer Selbstanzeige in den sicheren Hafen der Straffreiheit gelangen. Und das gilt nicht nur für Immobilien in Spanien. Mallorca ist halt überall.
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