ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2001Private Altersvorsorge: Das Eigenheim wird nicht gefördert

VARIA: Wirtschaft

Private Altersvorsorge: Das Eigenheim wird nicht gefördert

Dtsch Arztebl 2001; 98(17): A-1137 / B-971 / C-911

Löwe, Armin

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LNSLNS Das „Zinshaus“ ist traditionell die Grundlage für die Altersvorsorge von Freiberuflern. Im Rentenreformgesetz 2001 wird die Immobilie nicht berücksichtigt.

Wenn heute von der Immobilie als Altersvorsorge die Rede ist, meint man vor allem das selbst genutzte Wohneigentum, die Eigentumswohnung oder das Eigenheim. Die eigenen vier Wände ersparen die Miete im Alter und machen unabhängig vom Wohnungsmarkt, der starke Schwankungen mit sich bringen kann. Die erwartete Mietersparnis im Alter steht beim Kauf von Eigentumswohnungen und Eigenheimen im Vordergrund, stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, in einer Untersuchung über das Immobilienvermögen in Deutschland fest. Andere Studien belegen: Wer im Alter eine eigene Immobilie bewohnt, hat per saldo mehr Geld für andere Dinge des Lebens übrig als Altersgenossen, die zur Miete wohnen.
Gleichwohl fand die Immobilie (ob vermietet oder selbst genutzt) bei Walter Riesters Rentenrefom keine Berücksichtigung. Es zeichnet sich bei den Verhandlungen im Vermittlungsausschuss aber ab, dass die eigene Immobilie neben Banksparplänen, bestimmten Investmentfonds und Lebensversicherungen staatlich gefördert werden soll. Wer die Immobilie zur Altersvorsorge einsetzen will, kann dies aber auch unabhängig von der Riester-Rente tun – und muss dabei nicht auf staatliche Zuschüsse verzichten. In welcher Form die eigenen vier Wände im Rahmen der Riester-Rente gefördert werden sollen, darüber gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Keine Aussicht auf Verwirklichung dürfte der Vorschlag der Union haben, einfach die Bausparprämie zu verdoppeln. Dafür dürfte auch nicht genug Geld vorhanden sein. Außerdem fiele die Immobilie damit formal doch aus der Förderung im Rahmen der Riester-Rente.
Altersvorsorgevermögen
als Eigenkapital
Bevorzugt wird von den Verbänden der Wohnungswirtschaft das so genannte Entnahmemodell. Dabei soll den Sparern die Möglichkeit eingeräumt werden, aus dem angesparten Altersvorsorgevermögen (Bausparbeträge, Investmentfonds, Banksparpläne) Geld zwecks Investition als Eigenkapital beim Erwerb einer Immobilie zu entnehmen.
Dass Immobilien im Rahmen der privaten Altersvorsorge nicht gefördert werden sollten, stieß auf die harte Kritik der Wohnungsbauverbände. Man konnte auf Umfragen verweisen, nach denen die eigenen vier Wände bei der privaten Altersvorsorge der Bundesbürger in der Beliebtheitsskala an erster Stelle stehen.
Allerdings lässt sich die nachgelagerte Besteuerung der Alterseinkünfte – die sicher kommen wird – mit der selbst genutzten Immobilie nur schwerer realisieren. Bei der nachgelagerten Besteuerung werden die Beiträge zur privaten Altersvorsorge von der Einkommensteuer (bis zu bestimmten Höchstgrenzen) befreit. Dafür müssen die entsprechenden Alterseinkünfte versteuert werden.
Noch gibt es kein überzeugendes Modell, wie aus der Immobilie eine Rente bezogen werden kann, ohne dass man das Wohneigentum verkauft und damit den Nutzungswert der Immobilie für den alten Menschen zerstört.
Derzeit gibt es nur diesen Weg, aus der Immobilie ein rentenähnliches Einkommen zu machen: Das Eigenheim kann verkauft und der Erlös in eine Rentenversicherung eingezahlt werden, aber damit gehen die wesentlichen Vorteile des Eigenheims (Mietersparnis und Unabhängigkeit vom Wohnungsmarkt) verloren. Bislang führt kein Weg daran vorbei: Wer sich eine lebenslange Rente mit der eigenen Scholle sichern will, muss das Häuschen verkaufen, und damit kann es nicht mehr selbst genutzt werden. Auch bei einem Verkauf auf Rentenbasis will der Käufer die erworbene Immobilie selbst beziehen.
Den Spagat zwischen Verrentung und Eigennutzung versucht die Dresdner Bauspar AG zu schaffen: Sie hat ein Modell entwickelt, bei dem die älteren Leute in ihrem Haus wohnen bleiben können und den Wert des Objektes zu Lebzeiten sukzessiv verzehren. Das Modell namens „Heim und Rente“ erfüllt somit die Förderungs-Kriterien der Riester-Rente.
Berechnungen zeigen indes, dass der Rentner, der weiterhin in seinen eigenen vier Wänden leben will, diesen Wunsch teuer bezahlen muss. Die „Wirtschaftswoche“, Düsseldorf, macht eine Modellberechnung für ein Haus im Wert von 600 000 DM auf. Ergebnis: Der Hausverkauf und die anschließende Einzahlung des Erlöses in eine lebenslange Rentenversicherung bringt einem 65-jährigen allein stehenden Hausbesitzer ab sofort nur 200 DM mehr Rente, ab dem zehnten Jahr immerhin 943 DM und ab dem 20. Jahr 2 345 DM. Dabei rechnet die Dresdner Bauspar noch mit für den Rentner günstigen Konditionen. Sie nimmt beim Erwerb der Immobilie vom Rentner auf den Verkehrswert nur einen Abschlag von zehn Prozent vor.
Die LBS Westdeutsche Landesbausparkasse rechnet, dass es sich für sie nur lohnt, ein solches Modell anzubieten, wenn ein Abschlag von 40 Prozent vorgenommen wird. „Dann aber ist ein solches Angebot für die Rentner nicht mehr attraktiv“, räumt die LBS Münster/Düsseldorf ein. Schwäbisch Hall, der Marktführer unter den Bausparkassen, arbeitet ebenfalls an einem solchen Modell, glaubt aber, dass es sich hier nur um ein „Nischenprodukt“ handeln könnte. Armin Löwe
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