ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2001Lebendspenden: „Eine vernünftige Alternative“

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Lebendspenden: „Eine vernünftige Alternative“

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): A-1149 / B-981 / C-921

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Die Lebendspenden von Nieren seien eine „vernünftige Alternative zur postmortalen Transplantation“, sagte der Freiburger Transplantationsmediziner, Prof. Dr. med. Günter Kirste, in Bonn. Auf einer Pressekonferenz des Bundesverbandes für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz – Info Gesundheit forderte er eine besse-
re Information der Bevölkerung, was zu einer größeren Akzeptanz der Lebendspende führen könnte. Kirste erläuterte deren Vorteile: Die Erfolgschancen der Lebendspenden über fünf Jahren lägen bei 80 Prozent. Sie seien damit der postmortalen Nierenspende (65 Prozent) deutlich überlegen. Es könne davon ausgegangen werden, dass rund 50 Prozent der postmortalen Nierenspenden nach neun Jahren nicht mehr funktionsfähig seien, bei lebend gespendeten Transplantaten sei dies erst nach mehr als 20 Jahren der Fall. Die immunsuppressive Behandlung sei bei Transplantationen von Lebendspendern einfacher als nach postmortalen Spenden.

Die Lebendspende hat nach Angaben von Kirste in Deutschland stark zugenommen. Während noch vor zehn Jahren nur zwei bis drei Prozent der Nierentransplantationen als Lebend-
spende vorgenommen worden seien, sei der Anteil im letzten Jahr auf 16 Prozent angewachsen. In den USA gibt es jährlich rund 20 bis 25 Prozent Lebendspenden, in den skandinavischen Ländern seien es mehr als 40 Prozent. „An unserem Transplantationszentrum in Freiburg werden Patienten umfassend aufgeklärt, sodass der Anteil bei circa 35 Prozent liegt.“ Kirste machte jedoch auch auf die Risiken aufmerksam. So seien einige Transplantationszentren nicht zu einem Eingriff in einen gesunden Organismus bereit. Allerdings sei das Risiko mit einer Mortalitätsrate von 0,03 Prozent sehr gering, räumte der Transplantationsmediziner ein. Um das Risiko zu minimieren, seien umfangreiche Voruntersuchungen notwendig.

Zu bedenken sei außerdem, dass eine Lebendspende auch zu psychologischen Problemen bei Spendern und Empfängern führen könne. Generell sei in jedem Fall die postmortale Transplantation zu favorisieren, betonte Kirste. Beachtet werden müsse bei Lebendspenden, „dass eine Freiwilligkeit vorliegen muss und dass jegliche kommerziellen Hintergründe ausgeschlossen sind.“ Beides sei durch eine unabhängige Kommission zu überprüfen. Das sei im Transplantationsgesetz festgelegt. Gisela Klinkhammer
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