ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2001Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten: Überarbeitete Fassung in zweiter Auflage erschienen

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Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten: Überarbeitete Fassung in zweiter Auflage erschienen

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): A-1201 / B-1024 / C-960

Deicher, Helmuth

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LNSLNS Die jetzt vorliegende zweite Auflage der Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten enthält in bewährter einheitlicher Gliederung Hinweise und Regeln für den klinischen Einsatz von Erythrozytenkonzentraten (Kapitel 1), Thrombozytenkonzentraten (Kapitel 2), Granulozytenkonzentraten (Kapitel 3), gefrorenem Frischplasma (GFP, Kapitel 4), Humanalbumin (Kapitel 5), Prothrombinkomplex-Faktoren und Faktor VII-Konzentraten (Kapitel 6), Faktor VIII-/von-Willebrand-Faktor-Konzentraten und Faktor IX-Konzentraten (Kapitel 7), Fibrinogen, Faktor XIII-Konzentraten und Fibrinkleber (Kapitel 8), Antithrombin (Kapitel 9), C 1-Inhibitor (Kapitel 10), humanen Immunglobulinen (Kapitel 11), für die autologe Hämotherapie (Kapitel 12) sowie eine Zusammenfassung unerwünschter Wirkungen von Blutprodukten in Kapitel 13. Wie bereits in der ersten Auflage aus dem Jahr 1995 wurde besonderer Wert auf eine kurze, praxisrelevante Darstellung von Indikationen, Dosierungen und Kontraindikationen gelegt. Jedes Kapitel enthält ein Verzeichnis der wichtigsten nationalen und internationalen Literatur.
Im Vergleich zur ersten Auflage sind die Leitlinien für eine Reihe von Blutprodukten schärfer gefasst worden, zum Beispiel für den Einsatz von Erythrozytenkonzentraten bei akutem Blutverlust, von Humanalbuminlösungen, von gefrorenem Frischplasma oder von humanen Immunglobulinen. Neue Indikationen wurden nur dann als gesichert angesehen, wenn ihnen Ergebnisse ausreichend großer prospektiver Studien zugrunde lagen. Bei der Bearbeitung ist im Übrigen deutlich geworden, dass für viele Blutprodukte, gerade auch für solche, die schon seit Jahrzehnten in der Klinik eingeführt sind, richtungsweisende Ergebnisse großer klinischer Studien fehlen, sodass gebräuchliche Angaben zu Behandlungsgrundsätzen und Dosierungen vielfach nur auf tradierter klinischer Erfahrung beruhen. Hier sollte angestrebt werden, fehlende gesicherte Erkenntnisse in naher Zukunft zu erarbeiten. Wo immer möglich, sind die Ergebnisse nationaler und internationaler Konsensuskonferenzen berücksichtigt worden.
Die von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe des Wissenschaftlichen Beirats verfassten Kapitel wurden in einer Anhörung mit Vertretern zahlreicher wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften, von Berufsverbänden und Fachvereinigungen, der Hersteller, des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz, der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden sowie des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts abschließend beraten und Ende 2000 fertig gestellt.
Verbesserte Sicherheit
der Blutprodukte
Die Sicherheit von Blutprodukten konnte in den letzten Jahren durch Fortschritte bei den Herstellungs- und Untersuchungsverfahren, durch die Vereinheitlichung des Meldewesens und durch ein konsequentes Qualitätsmanagement weiter verbessert werden. In Deutschland werden im Jahr rund vier Millionen Blut- und Plasmaspenden gewonnen (Stand 1999). Mehr als zwei Millionen freiwillige Spender tragen mit dieser imponierenden Leistung dazu bei, die Selbstversorgung der Bundesrepublik mit Blutprodukten – von wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel bei spezifischen Immunglobulinpräparaten abgesehen – weitestgehend zu sichern. Blutspender, von deren Spendebereitschaft der Erfolg zahlreicher ärztlicher Maßnahmen abhängt, sind gleichwohl keine unerschöpfliche Quelle für Blutprodukte! Nicht zuletzt aus diesem Grund ist ein verantwortungsbewusster und überlegter Umgang mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten unerlässlich. Dazu sollen diese Leitlinien beitragen.
Die Leitlinien sind unter www. bundesaerztekammer.de im Internet für Ärzte und andere Interessenten zugänglich. Eine begrenzte Auflage im Taschenbuchformat wird außerdem an Blutspendeeinrichtungen und Ärzte, die als Transfusionsbeauftragte, Transfusionsverantwortliche oder als Mitglieder von Transfusionskommissionen in Kliniken tätig sind, verteilt. Für die Zukunft ist eine regelmäßige jährliche Revision der Leitlinien vorgesehen. Anregungen und Kritik sind jederzeit willkommen.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 2001; 98: A 1201 [Heft 18]

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. Helmuth Deicher
Wissenschaftlicher Beirat
der Bundes­ärzte­kammer
Herbert-Lewin-Straße 1
50931 Köln

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