ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2001Schizophrenie-Behandlung: Atypische Neuroleptika sind sicher und effektiv

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Schizophrenie-Behandlung: Atypische Neuroleptika sind sicher und effektiv

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): A-1205 / B-1002 / C-936

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Die therapeutischen Vorteile von atypischen Neuroleptika sind unbestritten. Allerdings sind Atypika rund zehnmal teurer als klassische Neuroleptika. Die SOHO-Studie (Schizophrenia Outpatient Health Outcome) soll dabei helfen, auch diese Kreise von der Wirtschaftlichkeit der Atypika zu überzeugen. Sie förderten vor allem die Compliance der Patienten, die bei den typischen Neuroleptika infolge der eklatanten unerwünschten Nebenwirkungen die 40-Prozent-Grenze kaum überschreiten, berichtete Prof. Dieter Naber (Hamburg) auf dem SOHO-Investigator Meeting in Barcelona.
Anwendungsbeobachtung
Unter realistischen Bedingungen des Praxisalltags soll in dieser paneuropäischen Großstudie mit 10 500 Patienten die psychopathologische und subjektive Wirkung sowie die Ökonomie von atypischen und typischen Neuroleptika verglichen werden. Damit sollen auch die vermuteten Kostenvorteile für Olanzapin (Zyprexa®, Lilly) bestätigt werden. In die Studie, die drei Jahre laufen soll, sind rund 1 000 Psychiater involviert. In Deutschland nehmen 2 000 Patienten teil.
In der Studie wurden zwei Patientengruppen gebildet. Die Teilnehmer der einen Gruppe erhalten Olanzapin, die Patienten der anderen Gruppe ein typisches Neuroleptikum nach Wahl des behandelnden Arztes. Auch die Begleitmedikation ist dem behandelnden Arzt freigestellt.
Dr. Andreas Guhl (Bad Homburg) berichtete über die ersten Ergebnisse einer naturalistischen Anwendungsbeobachtung mit Zyprexa in Deutschland. Die Studie wurde von 1999 bis 2000 durchgeführt und umfasste circa 4 000 antipsychotisch vorbehandelte Schizophrenie-Patienten. Etwa die Hälfte von ihnen wurde mit Olanzapin behandelt. Bei ihnen wurden der Therapieverlauf dokumentiert und Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikamentes beurteilt. Bisher konnten 632 Patienten ausgewertet werden.
Die Behandlungsdauer betrug sechs Monate. Die überwiegende Mehrzahl der Patienten war jünger als 39 Jahre. Fast die Hälfte aller Studienteilnehmer war mit einem Body Mass Index von über 25 übergewichtig. Der Schweregrad der Schizophrenie-Erkrankung war nach der ICD-Klassifikation mäßig, deutlich oder schwer; etwa 2,5 Prozent wurden als extrem schwer krank eingestuft.
Im Verlauf der Therapie mit Olanzapin besserte sich der Zustand der Patienten deutlich. Am Ende der Beobachtungszeit wurde das Therapieergebnis als gut bis sehr gut bewertet. Rund 96 Prozent der Patienten profitierten von den Olanzapin-Gaben, selbst bei den schwerstkranken Patienten besserte sich der Zustand deutlich, und dies bei guter Verträglichkeit. Der positive Therapieeffekt hielt auch über die Beobachtungszeit hinaus weiter an.
Im Therapieverlauf wurde zunächst eine durchschnittliche Zunahme des Körpergewichtes um zwei bis 2,8 Kilo registriert. Sowohl bei den normalgewichtigen als auch bei den übergewichtigen Personen reduzierte es sich aber wieder bis zum Ende der Beobachtungszeit. Eine Korrelation zwischen Körpergewichts- und Zustandsveränderung konnte nicht gefunden werden. Siegfried Hoc
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