ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1996Mit der Queen Elizabeth 2 nach New York: Die Entdeckung der Langsamkeit

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Mit der Queen Elizabeth 2 nach New York: Die Entdeckung der Langsamkeit

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Aus silbernem Nebel trat sie uns entgegen, die imposante Dame mit majestätisch gerecktem Arm und mütterlichem Busen. Hinter ihr erschien, eine Fata Morgana von schwebender Zartheit und titanischen Dimensionen, die Silhouette der Wolkenkratzer, die vielgerühmte und doch immer wieder erstaunliche, unglaubliche, überwältigende ,Skyline' von New York." So poetisch beschrieb Klaus Mann seine ersten Eindrücke von der nordamerikanischen Metropole Ende der 20er Jahre. Wer rund 70 Jahre später mit der "Queen Elizabeth 2" von Southampton nach New York fährt, kann die enthusiastische Beschreibung des Schriftstellers gut nachvollziehen.
Als Klaus Mann in die USA reiste, lasen sich die Passagierlisten der Schiffe der Reederei Cunard Line, Ltd. wie ein "Who’s who" der feinen Gesellschaft. Die "Lusitania", "Mauretania" (1907) und "Aquitania" (1914) "boten den Komfort der besten Hotels". Und die "Queen Elizabeth 2" soll diese Tradition bis ins 21. Jahrhundert fortsetzen. Viele Passagiere lockt der Hauch von Luxus, die "majestätische Eleganz an Bord der Königin der Meere", wie es in einem der Prospekte heißt.
Die "Ultra de Luxe"-Kabinen werden diesen Erwartungen allerdings nicht so ganz gerecht. Sie sind zwar recht geräumig, haben zwei Bullaugen mit Seeblick, ein kleines Umkleidezimmer, ein größeres Wohn-Schlafzimmer und ein Badezimmer. Doch wer wahren Luxus sucht, wird wohl eher enttäuscht sein von den teilweise abgestoßenen Möbeln und den durchgelegenen Betten. Noch einfachere Kabinen sind klein und in der Regel fensterlos.
Einen ganz anderen Eindruck vermitteln dagegen die Restaurants. Doch nicht jeder Passagier darf jedes Restaurant besuchen. Je nach Preiskategorie der Kabine wird man einem bestimmten zugeordnet. Die Passagiere der unteren Decks speisen zum Beispiel im "Mauretania". Im "Britannia Grill" kann man sich jeden Mittag und jeden Abend ein SechsGänge-Menü zusammenstellen, alles inklusive. Nur die Getränke müssen extra bezahlt werden.
An dem Service kann sich manches Restaurant in Deutschland ein Beispiel nehmen; perfekt geschulte Kellner lassen es an nichts mangeln. Das Essen ist vorzüglich. Und die Angst vor der großen Gewichtszunahme auf Kreuzfahrten ist völlig unbegründet. Die einzelnen Gänge sind überschaubar, man kann auch problemlos einen Gang überspringen, und für ganz Kalorienbewußte gibt es ein Spezialmenü. Auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten.


Smoking und Abendkleid
Ganz streng ist die Kleiderordnung an Bord. Der erste Abend ist noch "informell". Das bedeutet für die Damen Cocktailkleid, für die Herren Anzug oder Kombination. Die meisten Abende hieß es jedoch: "formell", also Smoking beziehungsweise Abendkleid.
Und wie beschäftigt man sich auf hoher See? Bei schlechtem Wetter ist es im Freien ziemlich ungemütlich, bei stürmischem Wetter ist es sogar zu gefährlich, auf Deck zu gehen. So sitzen die Passagiere meist in einem der zahlreichen Gesellschaftsräume und lesen oder nehmen am täglichen Animationsprogramm teil, das jedoch vorwiegend auf den Geschmack der älteren Reisenden zugeschnitten ist. Auch die Geschäfte an Bord, die Schönheitsfarm oder die sportlichen Angebote bieten etwas Abwechslung. Abends ist man möglicherweise zu einer der zahlreichen Cocktailpartys eingeladen; der absolute gesellschaftliche Höhepunkt ist das Captain’s Dinner. Captain Warwick und seine junge Frau begrüßen jeden einzelnen Passagier persönlich. Das Essen ist noch feiner als sonst. Es gibt jede Menge Hummer und Kaviar. Wer nach dem langen Menü noch nicht müde ist, kann tanzen, in einer der zahlreichen Bars noch etwas trinken oder sich von Theater- und Kinovorstellungen unterhalten lassen. Es besteht selbstverständlich auch die Möglichkeit, sein Geld im Kasino zu verspielen.
Während die Reise also für die Passagiere unter dem Motto "Die Entdeckung der Langsamkeit" stehen könnte (wegen der Zeitverschiebung hat der Tag an Bord 25 Stunden), ist die Crew ständig im Einsatz, zum größten Teil hinter den Kulissen. So ist ein Teil des Personals in der Küche mit den angeschlossenen Vorratsräumen tätig. Dort lagern kaum vorstellbare Mengen an Lebensmitteln. An Bord befinden sich für die fünftägige Reise 12 500 Teebeutel, 500 Pfund Kaffee, 33 Pfund Kaviar, 16 000 Eier, 625 Pfund Erdbeeren, 3 470 Pfund Kartoffeln und tausend Flaschen Champagner.
Auf der Kommandobrücke kontrollieren der Kapitän und vier Offiziere den Kurs des Schiffes. Die Goldstreifen der Schiffsingenieure sind übrigens seit dem Untergang der "Titanic" im Jahr 1912 purpur unterlegt. Weil bei dem Unglück alle Ingenieure ertrunken waren, verfügte König Georg V., daß von diesem Tag an Schiffsingenieure grundsätzlich das Purpurrot des Königshauses zu tragen haben.
Im vergangenen Jahr ließen Hurrikanausläufer eine 30 m hohe Welle über das gesamte Schiff hinwegrollen. Das Schiff traf zwar verspätet in New York ein, bis auf eine Delle im Vorschiff waren jedoch keine gravierenden Schäden festzustellen.
Meistens trifft die QE2, wie sie von Kennern und solchen Reisenden, die sich dafür halten, genannt wird, pünktlich in New York ein. Der viel zu kurze Aufenthalt im "Big Apple" ist dann so etwas wie ein Kontrastprogramm zu der erholsamen Seereise. Hier muß man sich erst wieder an die Hektik der Großstadt gewöhnen. Dennoch sollte die Gelegenheit zu einigen Unternehmungen genutzt werden. Da bietet sich zum Beispiel ein Einkaufsbummel in Manhattan an, ein Spaziergang im Central Park oder der Besuch eines der zahlreichen Museen.
Informationen: Cunard, Neue Rabenstraße 3, 20354 Hamburg, Tel 0 40/4 15 33 30
Gisela Klinkhammer

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