ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2001Arzt-Homepage und Berufsordnung: Die Praxis-Präsenz im Internet

Supplement: Praxis Computer

Arzt-Homepage und Berufsordnung: Die Praxis-Präsenz im Internet

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): [2]

Frädrich, Andreas

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LNSLNS Mit dem Beschluss der Änderung der (Muster-)Berufsordnung (MBO) anlässlich des 103. Deutschen Ärztetages in Köln wurden die Vorschriften der beruflichen Kommunikation neu geregelt – mit praktischen und teilweise regional differierenden Konsequenzen für die Arzt-Homepage.
Was ist für den Arzt statthaft im Rahmen einer Arzt-Homepage, ohne dabei gegen geltendes Berufsrecht zu verstoßen? Welche Aussagen in Text und Bild dürfen zur Praxis, zur Person oder zu Therapieangeboten getroffen werden? Mit der Novellierung der (Muster-) Berufsordnung (MBO) anlässlich des Deutschen Ärztetages 2000 sollte unter anderem den Interessen der Patienten an sachlicher Information, zum Beispiel über die Qualifikation der Ärzte, verstärkt Rechnung getragen werden.
Die MBO enthält die im Sinne einer bundeseinheitlichen Entwicklung des Standesrechts getroffenen Empfehlungen für die ständige Anpassung und Modifizierung der Berufsordnungen der Lan­des­ärz­te­kam­mern. Sie stellt damit keine unmittelbar rechtsverbindliche Norm für die deutschen Ärztinnen und Ärzte dar. Die Berufsordnungen werden erst rechtsverbindlich, wenn diese von der Kammerversammlung der Ärztekammern beschlossen, von der Rechtsaufsicht genehmigt und amtlich bekannt gemacht worden sind. Zurzeit befinden sich noch einige Kammern in der Beschlussfassungsphase, andere erwägen noch grundsätzliche Fragen, wieder andere haben die MBO unverändert übernommen und keine eigenen länderspezifischen Vorschriften erlassen.
Daher sollte jede Arztpraxis, die den eigenen Online-Auftritt plant oder überarbeiten will, sich zuvor bei der zuständigen Ärztekammer über den derzeitigen Stand der Beschlussfassung zur Berufsordnung informieren (siehe Tabelle, Seite 4).
Grundsätzlich ist Ärzten nach wie vor berufsrechtswidrige (irreführende und patientengefährdende) Werbung untersagt, sachliche Information aber gestattet. Die Unterscheidung zwischen der Information unter Fachleuten und der restriktiveren Publikumswerbung besteht weiterhin.
Darüber hinaus unterscheidet die Muster-Berufsordnung hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit von Ärzten zwischen „aufgedrängten Informationen“ (Praxisschild und Anzeige) und den „nachgefragten Informationen“. Dieser zweite Bereich umfasst Praxisinformationen, Internet-Präsentationen und Verzeichnisse, in denen Patienten gezielt nach Ärztinnen und Ärzten und deren Leistungsangeboten suchen. Im Rahmen der „nachgefragten Information“ sind weitergehende Informationen als zum Beispiel auf dem Praxisschild erlaubt.
Interaktion
Für die Praxis heißt das, der ankündigende Arzt muss unterscheiden zwischen einer Homepage als Einstieg (Startseite), auf der maximal die Angaben des Praxisschildes einschließlich eines Hinweises auf weitere Folgeseiten (Link) enthalten sein dürfen, und den weiterführenden Informationen auf den Folgeseiten. ©
Die Bayerische Länderärztekammer beispielsweise betrachtet dabei insbesondere Patienten-Diskussionsforen, elektronische Gästebücher, Dankesschreiben, Vorher-Nachher-Bilder, Preisausschreiben, Wettbewerbe und Produktempfehlungen als berufswidrige Werbung. Angaben von besonderen Untersuchungs- und Behandlungsverfahren beziehungsweise Tätigkeiten dürfen nur dann aufgenommen werden, wenn diese Angaben nicht mit solchen der Weiter­bildungs­ordnung oder mit Qualifikationen, die von Ärztekammern verliehen wurden, verwechselt werden können. Diese Angaben müssen mit einem entsprechenden deutlichen Hinweis versehen werden.
Suchmaschineneinträge und Domains
Eintragungen in Suchmaschinen, Internet-Verzeichnisse und Linklisten sind grundsätzlich zulässig, solange Überschriften und Inhalte dieser „Verzeichnisse“ sachlich informativ und nicht irreführend sind und nicht zu einer berufswidrig werbenden Herausstellung des Arztes und seiner Leistungen führen. Sämtliche Bestimmungen beziehen sich dabei auch auf die Metatags (primär nicht sichtbarer HTML-Quellcode, der zum Beispiel Suchbegriffe und die Bezeichnung der Site beinhaltet).
Auch Domain-Namen müssen so gewählt werden, dass keine berufswidrige Werbung vorliegt. Domain-Namen wie www.bester-augenarzt.de sind unzulässig. Gleiches gilt für die Verwendung von Bezeichnungen nach der Weiter­bildungs­ordnung oder von Gattungsbegriffen (Urologe, Arzt) ohne weitere Individualisierung. Berufsrechtlich nicht zu beanstandende Namen sind zum Beispiel www.hans-meyer-augenarzt.de oder www.dr-hans-meyer-duisburg.de.
Sponsoring
Nach § 34 BO ist es dem Arzt nicht gestattet, für die Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln von dem Hersteller oder Händler eine Vergütung oder sonstige wirtschaftliche Vergünstigung zu fordern oder anzunehmen. Ebenfalls nicht gestattet ist ihm, über Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, Körperpflegemittel oder ähnliche Waren Werbevorträge zu halten oder zur Werbung bestimmte Gutachten zu erstellen. Solange vom anbietenden Unternehmen keine Gegenleistung – zum Beispiel in Form von Bannern, Pop-up-Fenstern oder durch Einbringen des Firmennamens oder eines Firmenproduktes im sichtbaren oder unsichtbaren Text der „Homepage“ – erwartet und von der Aufmachung her die Geringfügigkeitsgrenze des § 32 BO nicht überschritten wird, ist ein Eingehen auf ein entsprechendes „kostenfreies“ Angebot aus berufsrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden.
Einzelne Links zu Herstellern oder Händlern sind unzulässig, da es sich hierbei um indirekte Produkt-Empfehlungen handelt. Größere Linkverzeichnisse, die dem Informationsinteresse des Patienten dienen, sind dagegen zulässig. Bekannt ist mittlerweile nach einem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 12. 05. 1998 (AZ 312 0 85/98), dass bei einer Linkliste der Einzelne durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite mit zu verantworten hat.
Die Arzt-Homepage
als Visitenkarte
Das Problem vieler Arzt-Homepages sind jedoch nicht nur die juristischen Vorgaben. Eine Studie des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung
(IFABS) Anfang dieses Jahres verdeutlichte, dass ein Großteil der untersuchten Arzt-Homepages (71 Prozent) weder inhaltlich noch optisch anspruchsvoll gestaltet sind. Resümee der Studie: Patienten setzen die Qualität der Homepage mit der Qualität der Praxis gleich. Moniert wurden insbesondere fehlende Navigations- und Kontaktmöglichkeiten, zu lange Ladezeiten und zu textlastige Darstellungen. Unattraktive Homepages werden sofort verlassen und oftmals nie wieder besucht – womit die aussagekräftigeren Folgeseiten oftmals komplett ausgespart werden.
Eine professionelle Gestaltung der Sites durch Web-Agenturen oder spezialisierte Redaktionsbüros ist bereits zu erschwinglichen Preisen möglich: Für eine „ordentliche“ HTML-Seite einschließlich Online-Redaktion, Beratung und Bildbearbeitung können circa 150 bis 200 DM veranschlagt werden. Der manchmal formulierte Stundensatz von 150 DM für Screendesign und HTML-Programmierung ist nur gerechtfertigt, wenn auch adäquate Referenzen im Gesundheitsbereich und Know-how in fachlicher Hinsicht nachgewiesen werden können. In beiden Rechenbeispielen ist allerdings nicht geregelt, wie bei erforderlichen Änderungen – der Pflege der Homepage – verfahren werden soll. Hier gibt es die Möglichkeit, bei spezialisierten Agenturen die Gestaltung, Betreuung und Pflege der Homepage monatlich zu abonnieren. Andreas Frädrich

Kontaktadresse: Andreas Frädrich,
Ostendstraße 147, 90482 Nürnberg



Ärztekammer Kontakt bei Rückfragen Berufsordnung geändert?
Anschrift/Internet (Stand 9. 4. 2001)
Bayerische LÄK Tel.: 0 89/41 47-1 BO wurde am 1. 1. 2001 geändert und
Mühlbauerstr. 16 Fax: 0 89/41 47-2 80 ist in Kraft getreten
81677 München E-Mail: blaek@blaek.de
www.blaek.de
Baden-Württemberg LÄK Tel.: 07 11/76 98 90 Berufsordnung wurde beschlossen am
Jahnstr. 40 Fax: 07 11/7 69 89 50 2. 12. 2000, ist genehmigt und wird
70597 Stuttgart E-Mail: laek-baden- voraussichtlich im April bekannt ge-
www.aerztekammer-bw.de wuerttemberg@dgn.de macht (tritt dann im Mai in Kraft)
ÄK Berlin Tel.: 0 30/4 08 06-1 74/1 45 Es gilt noch BO Stand 1998 mit
Flottenstr. 28–42 Fax: 0 30/4 08 06-1 26 Nachtrag 1999, Änderungen sind aber
13407 Berlin E-Mail: kammer@ beschlossen, müssen noch veröffent-
www.aerztekammer-berlin.de aerztekammer-berlin.de licht werden
LÄK Brandenburg Tel.: 03 55/7 80 10-0 Es gilt noch BO Stand 1997/98,
Dreifertstr. 12 Fax: 03 55/7 80 10-36 Änderungen befinden sich im Geneh-
03044 Cottbus E-Mail: post@laekb.de migungsverfahren
www.laekb.de
ÄK Bremen Tel.: 04 21/34 04-2 00 Es gilt noch BO Stand 1998,
Schwachhauser Heerstr. 30 Fax: 04 21/34 04-2 09 Änderungen werden in Kürze in Kraft
28209 Bremen E-Mail: info@aekhb.de treten
Homepage in Kürze
ÄK Hamburg Tel.: 0 40/22 80-24 35 Es gilt noch die Berufsordnung vom
Humboldtstr. 56 Fax: 0 40/2 20 99 80 27. 3. 2000, Änderungen
22083 Hamburg E-Mail: aekhh@aerztekammer- voraussichtlich im Sommer
www.aerztekammer-hamburg.de hamburg.de
LÄK Hessen Tel.: 0 69/9 76 72-1 29 Berufsordnung wurde am
Im Vogelsgesang 3 Fax: 0 69/9 76 72-1 69 7. 2. 2001 geändert
60488 Frankfurt E-Mail: laek.hessen@laekh.de
www.laekh.de
ÄK Mecklenburg-Vorpommern Tel.: 03 81/4 92 80-38 Es gilt noch BO Stand 1997
Humboldtstr. 6 Fax: 03 81/4 92 80-33 Änderungen sind beschlossen,
18055 Rostock E-Mail: laek-mecklenburg- befinden sich noch im Genehmigungs-
Internet in Vorbereitung vorpommern@dgn.de verfahren
ÄK Niedersachsen Tel.: 05 11/3 80-22 14 Es gilt noch BO Stand 1. 3. 2001
Berliner Allee 20 Fax: 05 11/3 80-22 25 geändert und ist in Kraft getreten
30175 Hannover E-Mail:
www.aekn.de raimund.dehmlow@aekn.de
ÄK Nordrhein Tel.: 02 11/43 02-1 02/1 01 Es gilt BO Stand 18. 3. 2000,
Tersteegenstr. 31 Fax: 02 11/43 02-2 00 Änderungen voraussichtlich im Sommer
40474 Düsseldorf E-Mail: aerztekammer@aekno.de
www.aekno.de
LÄK Rheinland-Pfalz Tel.: 0 61 31/2 88-2 20 Berufsordnung wurde am 16. 1. ge-
Deutschhausplatz 3 Fax: 0 61 31/2 88-22 88 nehmigt und im April bekannt gemacht
55116 Mainz E-Mail: laek.rip@t-online.de
www.laek-rlp.de
ÄK des Saarlandes Tel.: 06 81/40 03-2 79 Es gilt noch BO Stand 1997, Änderungen
Faktoreistr. 4 Fax: 06 81/40 03-3 70 sind nicht beschlossen, Änderungen
66111 Saarbrücken E-Mail: info-aeks@aek-saar.de voraussichtlich im Sommer
www.aek-saar.de
Sächsische LÄK Tel.: 03 51/8 26 70 Berufsordnung wurde am 1. 1. 2001
Schützenhöhe 16–18 Fax: 03 51/8 26 74 12 geändert
01099 Dresden E-Mail: dresden@slaek.de
www.slaek.de
ÄK Sachsen-Anhalt Tel.: 03 91/60 54-7 23 Berufsordnung wurde am 2. 1. 2001
Doctor-Eisenbart-Ring 2 Fax: 03 91/60 54-7 00 geändert
39120 Magdeburg E-Mail: info.aeksa@dgn.de
www.aeksa.de
ÄK Schleswig-Holstein Tel.: 0 45 51/8 03-1 51 Berufsordnung wurde am 24. 2. 2001
Bismarckallee 8–12 Fax: 0 45 51/8 03-1 88 geändert
23795 Bad Segeberg E-Mail: kammer@aeksh.de
www.aeksh.de
LÄK Thüringen Tel.: 0 36 41/6 14-2 12 Berufsordnung wurde am 2. 1. 2001
Im Semmicht 33 Fax: 0 36 41/6 14-2 09 geändert
07751 Jena-Maua E-Mail: Jura@laek-thueringen.de
www.laek-thueringen.de
ÄK Westfalen-Lippe Tel.: 02 51/9 29-20 51 Änderung der Berufsordnung wurde
Gartenstr. 210–214 Fax: 02 51/9 29-29 99 am 25. 11. 2000 beschlossen, wird
48147 Münster E-Mail: posteingang@aekwl.de Anfang Mai 2001 bekannt gemacht
www.aekwl.de
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