ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2001Von der klassischen Fotografie zum Digital Imaging: Die Megapixel-Show

Supplement: Praxis Computer

Von der klassischen Fotografie zum Digital Imaging: Die Megapixel-Show

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): [20]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die fortschreitende Digitalisierung und das Internet verändern die Fotografie von Grund auf. Betroffen sind sämtliche Bereiche der Bildaufzeichnung, -speicherung, -bearbeitung und -ausgabe.
Vor rund zehn Jahren waren die ersten digitalen Kameras erhältlich. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland bereits 600 000 filmlose Kameras verkauft. Experten schätzen, dass zwischen 2001 und 2004 mehr Digitalkameras als herkömmliche Fotoapparate verkauft werden. Entsprechend vielfältig ist inzwischen das Angebot: Der Käufer hat die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Gerätetypen, die von der Spiegelreflexkamera für semiprofessionelle Ansprüche über leicht zu bedienende Kompaktlösungen für die Amateurfotografie bis hin zur Multimediakamera mit E-Mail- und Internet-Ausstattung reichen.
Während vor allem digitale Spiegelreflexkameras meist – ganz „traditionell“ – per Knopf und Rad manuell eingestellt werden können, besitzen viele Modelle inzwischen Bildschirmmenüs, die per Eingabestift über den Touchscreen angesteuert werden.
Der Sucher, der häufig zusätzlich zum Display vorhanden ist, kann optisch oder digital sein. Ein optischer Sucher ist bei digitalen Kameras noch nicht Standard – häufig kann das Bildmotiv nur über das integrierte Display genau festgelegt werden. Lediglich Spiegelreflexkameras und Modelle mit elektronischem Sucher zeigen in der Optik des Suchers den tatsächlichen Bildausschnitt. Allerdings sind die digitalen Sucher grobpixelig.
Als ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Kauf gilt die Auflösung des Digitalbildes, die durch die Anzahl der Bildpunkte (Pixel) bestimmt wird. Kameras, die unter einer Million Bildpunkte (= Megapixel) aufzeichnen, sind allenfalls für Web- und E-Mail-Illustrationen und nicht für Aufnahmen auf Papier geeignet. Mit 3- bis 4-Megapixel-Kameras lassen sich bereits Bilder aufnehmen, von denen Papierabzüge in heutigen Standardformaten möglich sind. Die Preise für solche Modelle liegen zurzeit zwischen 1 500 DM und 4 500 DM. Einige Kameras (zum Beispiel Kodak, Olympus) bieten auch die Funktion, Sprachkommentare zu den Bildern aufzuzeichnen.
Speicherlösungen
Als Speichermedien für digitale Kameras sind verschiedene technische Lösungen auf dem Markt, von denen noch keines das Rennen für sich entschieden hat. Einige Hersteller – beispielsweise Agfa, Fuji, Minolta, Ricoh und Olympus – setzen auf die von Toshiba entwickelte „SmartMedia“-Karte, die in zwei untereinander nicht kompatiblen Varianten mit 3,3 und 5 Volt Betriebsspannung erhältlich ist. Die dünne Plastikkarte wiegt nur 2 g und hat eine Speicherkapazität von 16 bis maximal 132 MB (www.ssfdc.or.jp/english). Mit einer 2,3-Megapixel-Kamera lassen sich mithilfe einer 32-MB-SmartMedia-Karte circa 70 Bilder im JPG-Format speichern.
Viele Kameras, darunter beispielsweise Produkte von Canon, Casio, Epson, Kodak und Nikon, verwenden das „CompactFlash“-Speichermodul (www.compactflash.org). Die Lösung in der Größe einer Streichholzschachtel, jedoch dünner als diese, bietet Speicherkapazitäten von bis zu 340 MB – ausreichend für rund 600 Bilder einer Digitalkamera mit 2,3 Megapixeln.
Die Firma Sony (www.sony.de) hat mit dem „Memory Stick“ 1998 ein eigenes Speicherformat herausgebracht, das von seinen Abmessungen zwischen CompactFlash und SmartMedia liegt und maximal 64 MB Speicherkapazität besitzt.
Neu hinzugekommen als Speicheralternative ist das Microdrive von IBM (www.ibm.de), eine Minifestplatte in den Formaten 340 MB, 512 MB und 1 GB. Das Speichermedium wird unter anderem von Canon, Kodak, Fuji, Kyocera und Minolta verwendet. Die Microdrives sind etwas dicker und mit 16 g Gewicht schwerer als CompactFlash und SmartMedia. Sie verbrauchen auch etwas mehr Strom als diese und sind nicht so robust. Zudem haben die hohen Datenspeicherraten ihren Preis: Die 512-MB-Version kostet rund
1 049 DM, die 1-GB-Version liegt bei circa 1 299 DM.
Analoge oder digitale Technik?
Digitale Kameras sind zurzeit noch teurer als vergleichbare analoge Systeme. Dies wird sich jedoch in absehbarer Zeit ändern. Der große Vorteil der digitalen Fotografie: Die Bilder sind sofort verfügbar und lassen sich mit entsprechender Software nach Wunsch weiterbearbeiten. Misslungene Aufnahmen können darüber hinaus sofort gelöscht werden.
Mittels einer Kabelverbindung über die serielle oder die schnellere USB-Schnittstelle lassen sich die Bilder direkt auf den Computer überspielen und dort beispielsweise über einen Fotodrucker (InkJet- oder Farbthermosublimations-Drucker, siehe dazu auch Kasten, Seite 22) ausdrucken.
Häufig besteht auch die Möglichkeit, die Kamera direkt an den Drucker anzuschließen oder das Speichermedium in den Drucker einzulegen und die Bilder ohne Umweg über den PC zu erstellen. Kameras mit der Möglichkeit drahtloser Übertragung über Bluetooth werden ebenfalls in Kürze erhältlich sein.
Einige Nachteile sind mit der digitalen Technik allerdings (noch) verbunden: Während für analoge Kameras nahezu überall auf der Welt Filme erhältlich sind, ist dies bei Speicherkarten nicht der Fall. Ähnlich anspruchsvoll sind digitale Kameras bei der Stromversorgung: Analoge Kameras können mit einer Batterie rund zwanzig Filme oder mehr belichten. Bei digitalen Modellen sind manche Kameras bereits nach fünfzig oder sechzig Bildern erschöpft. Auch benötigen viele Digitalkameras Spezialakkus, die zwar leistungsfähiger als handelsübliche Batterien sind, jedoch auch schwerer erhältlich (und teurer) als diese, sodass man bei Reisen auf einen Ersatzakku nicht verzichten sollte. Digitale Kameras vertragen zudem keine Kälte und sollten beispielsweise nicht bei winterlichen Temperaturen im Auto aufbewahrt werden: Der Akku verliert dadurch schnell an Kapazität, und auch das Display kann durch Kälte geschädigt werden.
Digitalkameras eignen sich nicht für jeden Zweck: So lässt zum Beispiel die Qualität digitaler Schwarzweißaufnahmen nach Meinung von Experten heute noch zu wünschen übrig. Ähnliches gilt für das Digitalbild aus dem LCD-Projektor, das dem herkömmlichen Dia noch unterlegen ist. Bilder, die für die Veröffentlichung im Internet vorgesehen sind, kommen jedoch mit einer geringeren Qualität aus als die höchste JPEG-Einstellung.
Internet-Alben und Printdienste
Nicht nur die physikalisch-technischen Grundlagen der Bildgewinnung ändern sich, sondern auch Umgang und Nutzung der Bildinformationen. Ein wichtiges Marktsegment stellen die digitalen Dienstleistungen dar, die die Fotografie computerfähig machen. So gibt es beispielsweise auch für die Besitzer analoger Kameras die Möglichkeit, gleichzeitig mit dem Bildauftrag beim Handel die Filmnegative oder Dias im Labor digital aufbereiten zu lassen, sodass sie entweder im Internet veröffentlicht oder aber auf einer CD am eigenen Computer zur weiteren Bearbeitung genutzt werden können.
Umgekehrt wollen die Besitzer digitaler Kameras in der Regel nicht auf Bilder zum Vorzeigen verzichten. Allerdings ist ein Ausdruck auf gewöhnlichem Papier, was Qualität und Haltbarkeit betrifft, wenig befriedigend. Ein großes Wachstumspotenzial der Filmbranche wird daher im Bilder-Servicebereich gesehen. So sind Internet-Printdienste mittlerweile eine preiswerte Alternative zum Fotodrucker zu Hause. Ausdrucke aus dem Tintenstrahldrucker verbrauchen viele teure Tintenfarbpatronen und sind häufig nicht sehr lange haltbar. Printdienste hingegen liefern „echte“ Fotos vom digitalen Bild: Der Kunde erhält die Abzüge im gewünschten Format auf Original-Fotopapier, sodass die Aufnahmen auch nach zwanzig Jahren noch vorzeigbar sind. Die digitalen Bilder können online direkt an ein Labor übertragen werden.
Wer lange Übertragungszeiten vermeiden will, kann die Kamera-Speicherkarte oder das Wechselspeicher-Medium auch zu einem Fachhändler bringen, der sie an ein entsprechendes Labor weitersendet. Die Abzüge werden innerhalb weniger Tage per Post zugestellt oder können beim Fotohändler abgeholt werden.
Viele Internet-Dienste (siehe Kasten, Seite 21) bieten Anwendern – häufig kostenfrei – die Möglichkeit, ihre Bilder als digitale „Bilderalben“ im Internet aufzubewahren. Über ein Passwort kann der Alben-Besitzer von jedem internetfähigen PC aus seine Bilder betrachten, die Bilddateien herunterladen, verschicken oder den Auftrag zur Bildentwicklung erteilen.
Fazit: Das Internet ist die Plattform, auf der sich die Zukunft der digitalen Bildkommunikation abspielen wird. Mit dem UMTS-Mobilfunkstandard eröffnen sich weitere Anwendungsmöglichkeiten. So ist das „Foto-Handy“ mit integrierter Mini-Kamera schon in Sicht. Dessen Besitzer kann dann nicht mehr nur telefonieren oder im Internet surfen, sondern auch fotografieren und die Bilder anschließend – in hoher Auflösung und bei akzeptablen Übertragungsraten – sofort versenden. Heike E. Krüger-Brand


Internet-Fotodienste (Auswahl)
Agfanet: www.agfanet.com/de
Bilderservice: www.bilderservice.de
Fujicolor: wsww.fujicolor-order.net
Internet Print Service: www.internet-print-service.de
Kodak PhotoNet online: www.
kodak.de
Pixelnet: www.pixelnet.de
Pixum: www.pixum.de
Überblick über Internet-Fotodienste unter http://image-scene.de
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