ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2001Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck/Gesundheitsforum Rheinland-Pfalz: Telemedizinische Dienste für den Patienten

Supplement: Praxis Computer

Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck/Gesundheitsforum Rheinland-Pfalz: Telemedizinische Dienste für den Patienten

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): [25]

Köster, Claus

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LNSLNS Rheinland-Pfalz und die Rhein-Neckar-Region setzen auf den „Wachstumsmarkt Gesundheit“, indem sie den Aufbau einer „Gesundheitsregion“ mit Kompetenzzentren fördern und darin mitwirken. Ziel ist es, durch Vernetzung die medizinische Struktur- und Prozessqualität zu verbessern.
Die Gesundheitsreform hat einen strukturellen Umbruch im Gesundheitswesen hin zur integrierten Versorgung eingeleitet. Stetig werden neue Möglichkeiten der Kooperation geschaffen: Seit kurzer Zeit dürfen Ärzte auch mit Berufsgruppen anderer Branchen kooperieren. Neue, gesetzlich verankerte Vergütungsstrukturen, welche die gemeinsame Versorgung unterstützen, können wirtschaftliche Anreize zur Zusammenarbeit darstellen. Neben den neuen Vergütungsstrukturen werden auch für die technische Ebene gesetzliche und politische Voraussetzungen geschaffen, wie zum Beispiel das Signaturgesetz und die Einigung auf die Einführung eines internationalen elektronischen Arzt- oder Patientenausweises.
Das Gesundheitswesen ist ein durch Dienstleistung geprägtes System mit hohem Einsatz menschlicher Ressourcen. Die Medizin lebt von Informationen, und die Effizienz der Patientenversorgung ist proportional zu deren Verfügbarkeit. Die Schaffung vernetzter Strukturen in personeller, institutioneller und informationslogistischer Hinsicht wird hier enorme Potenziale freisetzen.
Durch die bisher fehlende Gesamtbetrachtung des Gesundheitssystems wurde die eigentliche Versorgungskette der Patienten wenig betrachtet. Eine fehlende Anpassung der Vergütungsstrukturen machte eine wirtschaftlich interessante Fokussierung auf Netzstrukturen bisher unmöglich.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Mit der Förderung der Interdisziplinarität kann das Gesundheitswesen aus den Erfahrungen anderer Branchen lernen. Diese hingegen können sich den komplexen Themen des Gesundheitswesens mit einem wichtigen Markt annehmen.
Der Status quo im Gesundheitswesen lässt sich durch eine weitgehend getrennte Informationssuche, -filterung,
-bearbeitung, und Datenerfassung der dort tätigen Personen, Organisationen und Institutionen beschreiben. Es besteht ein aktueller Handlungsbedarf zur Förderung der Zusammenarbeit. Denn nur durch eine Zunahme der interdisziplinären Kommunikation können sich alle Beteiligten schnell und effizient auf die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen einstellen und ihre Tätigkeiten und Kräfte auf das Ziel einer optimalen medizinischen Versorgung richten.
Vor dem Hintergrund der zukunftsorientierten Medizintechnik und der wachsenden Bedeutung der Informatik bildete sich Ende 1997 eine interdisziplinäre Interessengemeinschaft aus den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens, um einen effektiven Informations- und Kommunikationsverbund zu schaffen. Diese gründete Mitte 1998 das „Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck e.V.“. Der gemeinnützige Verein hat die Aufgabe übernommen, die Kompetenzen auf dem Gebiet der Medizin-, Kommunikations- und Informationstechnik und damit zusammenhängender Fachbereiche aus Forschung, Lehre, Wirtschaft und Institutionen des Gesundheitswesens zu bündeln.
Einige beispielhafte Projekte der Region, die mit Investitionshilfen zu Großprojekten ausgebaut und langfristig weiterentwickelt werden sollen, sind:
M Initiativen zur Beschleunigung bzw. Verbesserung der medizinischen Kommunikation und Dokumentation (zum Beispiel der elektronische Arztbrief);
M Verbesserungen der Zusammenarbeit und des Informationsflusses zwischen der pharmazeutischen Industrie und den Prüfzentren im Rahmen der klinischen Forschung;
M Definition und Einführung eines elektronischen Patientenbuchs/Patien-tenpasses;
M elektronische Archivierung von Krankenakten und Bildung einer elek-tronischen Krankenakte (mehrjährige Erfahrungen der Universitätsklinik Heidelberg);
M Telematik-Anwendungen im Bereich der Teleradiologie (Beispiel: Übermittlung von Notfall-CT-Daten zwischen der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Ludwigshafen und dem Universitätsklinikum Mannheim);
M Initiativen zur effizienten Kommunikation in der Notfallmedizin;
M Kommunikationsprojekte auf Internet- und Intranetbasis;
M Forschungsprojekte, in denen es zentral um die Versorgungskette geht (interdisziplinäres Projekt zwischen Kliniken, Pflege- und Forschungseinrichtungen).
Diese Anwendungen bilden das operationale Element und sind zugleich Fundament für die Initialphase des Gesundheitsnetzes.
Transparenz im Gesundheitswesen
Unter der Bezeichnung „Gesundheitsforum Rheinland-Pfalz“ war eine aus nahezu 30 Partnern bestehende Projektgruppe des Gesundheitsnetzes erfolgreich im Multimedia-Wettbewerb Rheinland-Pfalz 1999. Dabei wurde das Vorhaben, ein neutrales, multimediales medizinisches Informations- und Kommunikationsnetz für die breite Bevölkerung aufzubauen, ausgezeichnet. Inzwischen wurde ein Verein „Gesundheitsforum Rheinland-Pfalz e.V.“ gegründet, der das Projekt als rechtlicher Träger über die Förderungsdauer von zwei Jahren hinaus fortführen und ausbauen soll.
In der Region der Vorderpfalz (bis Kaiserslautern) wird zurzeit ein medizinisches, multimediales Informationsnetz aufgebaut, das neutral über sämtliche regionalen Leistungserbringer des Gesundheitswesens informiert, zum Beispiel durch Angabe der Adressen, Öffnungszeiten sowie der speziellen Leistungs- und Angebotsprofile. Zusätzlich werden qualitätsgeprüfte aktuelle Informationen zu Krankheiten, Diagnose- und Therapiemaßnahmen für Patienten angeboten.
Begonnen wurde zunächst mit dem Aufbau eines medizinischen Internet-Portals, das unter der Adresse www.
gesundheitsforum-rlp.de erreichbar ist. Hier kann der Nutzer neben vielen Hinweisen aus der gesamten Medizin neutrale Informationen über Pfälzer Ärzte und Krankenhäuser abrufen und deren Adressen recherchieren. Im weiteren Verlauf des Projektes soll der Informationsdienst räumlich und auf weitere Anbieter des Gesundheitswesens erweitert werden. Ziel ist es, die Daten so zusammenzustellen, dass der Bürger sämtliche medizinischen Dienstleister eines Ortes im Zusammenhang abrufen kann. Dadurch entsteht ein Überblick mit regionalem Bezug, der in dieser Form bislang noch nicht möglich war.
In Newsgroups werden sich Patienten und Interessierte künftig untereinander austauschen und über eine wissenschaftliche Redaktion auch mit Experten kommunizieren können. Das Netz wird somit zu einer multimedialen Telematikplattform ausgebaut, auf der ein Austausch medizinischer Informa-tionen und eine multimediale medizinische Kommunikation stattfinden kann. Über das Internet hinaus sollen künftig auch weitere Medien mit einbezogen werden, um möglichst viele Bürger erreichen zu können.
Eine solche national (und europäisch) abgestimmte Kommunikationsplattform ermöglicht auch die Realisierung und den Einsatz von medizinisch-telematischen Applikationen. Damit ist ein hoher medizinischer und wirtschaftlicher Nutzen verbunden:
M Effektiver Zugriff auf zertifizierte, multimediale und aktuelle Informatio-nen zu allen Bereichen des Gesund-heitswesens für Patienten, Leistungser-bringer, Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft, Kunden und Anbieter.
M Bereitstellung patientenbezogener Daten für die behandelnden Ärzte, insbesondere im Notfall.
M Volkswirtschaftlicher Nutzen durch Einsatz multimedialer Werkzeuge im Bereich des Gesundheitswesens.
M Stärkung innovativer Wirtschaftszweige durch Förderung von Verbundprojekten in den Wachstumsbranchen Multimedia und Gesundheit.
Bei der institutionsübergreifenden Bereitstellung patientenbezogener Daten – beispielsweise von Notfallinformationen über Patienten – müssen die ärztliche Schweigepflicht und der Datenschutz gewährleistet werden. Dies wird durch den „Telemedizinischen Dienst“ sichergestellt.
Aufgaben des
Telemedizinischen Dienstes
Mit der Einrichtung des „Telemedizinischen Dienstes“, der gemeinsam mit dem Daten- und Informationszentrum Rheinland-Pfalz (DIZ) das ärztliche Datenmanagement übernimmt, ist die Basis für die Speicherung, Übermittlung und Auswertung von Patientendaten gegeben. Damit könnte künftig ein Krankenhaus oder ein Gesundheitsnetz beispielsweise elektronische Arztbriefe sicher versenden oder ein interdisziplinäres Archiv betreiben (siehe Kasten, Seite 26).
Ärztliches Datenmanagement ist insbesondere für die interdisziplinäre und interinstitutionelle Archivierung von Patientendaten erforderlich, denn so wird ein „datenschutzrechtlicher Schutzmantel“ um die verschiedenen teilnehmenden medizinischen Einrichtungen gelegt.
Telemedizinischer Dienst und DIZ schaffen die Möglichkeit für den Aufbau und Betrieb von Datenbanken mit Patientendaten und die Integration in medizinische Call-Center-Anwendungen – beispielsweise für den Aufbau eines Patienteninformationsdienstes.
Der Telemedizinische Dienst ist der Mittler zum laufenden medizinischen Betrieb verschiedener Kliniken oder medizinischer Institutionen einerseits sowie Managementeinheiten und Service-Unternehmen andererseits. Ein gutes ärztliches Wissens- und Informationsmanagement ist ausschlaggebend für das Funktionieren medizinischer Kooperationen. Dazu können effiziente Werkzeuge und Lösungen für die ärztliche Kommunikation zwischen den unterschiedlichen medizinischen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Der Schutz personenbezogener Daten und insbesondere die ärztlichen Schweigepflicht werden durch die kooperierenden kompetenten Partner gewahrt.
Neuartige Konzeption, nachhaltige Kooperation
Mit den Initiativen und den Vereinen „Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck“ und „Gesundheitsforum Rheinland-Pfalz“ wird neben dem technischen auch ein informelles Netzwerk in horizontaler und vertikaler Ebene gebildet. Dies ermöglicht eine aktive und möglichst breite Einbindung der Einrichtungen des Gesundheitswesens aus der Patientenversorgung, wie Krankenhäusern, ambulanten Pflegeeinrichtungen, niedergelassenen Ärzten, Wissenschaft und Forschung, Lehre, Politik, Wirtschaft, Industrie, KMUs (kleine und mittelständige Unternehmen; das Technologiezentrum Ludwigshafen übernimmt deren Einbindung und Betreuung), Verbänden und Datenschützern aus mehreren Bundesländern. Damit gibt es eine länderübergreifende Zusammenarbeit auf dem Gebiet der medizinischen Telematik zwischen den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg, einer Region mit rund 2,3 Millionen Einwohnern im engeren Sinn und überregionaler Kommunikation, die eine weitaus größere Bevölkerungszahl im weiteren Sinn einschließt. Hieraus ergibt sich die Möglichkeit, prototypische Anwendungen für den bundesweiten Einsatz in einem interdisziplinären Laborfeld (medizinische Versorgungsregion) zu erproben. Da auf bestehende Standards zurückgegriffen wird beziehungsweise neue Standards in nationaler oder globaler Abstimmung verwendet werden, ist eine überregionale Zusammenarbeit, besonders auf technischer Ebene, wesentlich.
Von Anfang an muss neben der Verbesserung der Patientenversorgung der volkswirtschaftliche Nutzen gesichert sein. Die finanzielle und organisatorische Unterstützung dieser interdisziplinären Aktivitäten ist essentiell, damit eine „kritische Projektmasse“ erreicht werden kann. Mit einer ausreichenden Anschubfinanzierung der Einzelkomponenten und Investitionen zum Gesamtprojekt wird nach einer ersten Mehrwertbildung ein selbstständiger und selbsttragender Prozess eingeleitet. Diese Basisfinanzierung ist nur durch einen Verbund vieler Einrichtungen des Gesundheitswesens und die aktive Unterstützung durch die Nutzer, Kostenträger, Förderprogramme und die Politik möglich.
Insbesondere durch die direkte Einbeziehung der zukünftigen Anwender und der KMUs werden die innovativen Entwicklungsprozesse eigendynamisch durch marktwirtschaftliche Prinzipien unterhalten werden können. So wird mittelfristig ein interdisziplinäres und regionales Labor (das sich aus vielen Einrichtungen und Einzelkomponenten der Region zusammensetzt) zur anwendungsnahen Forschung im informationslogistischen Bereich zur Verfügung stehen. Diskutiert werden hier die verschiedenartigsten Formen von Public Private Partnership. Sie reichen von losen informellen Netzwerken bis hin zu institutionalisierten Kooperationen.
Weiterführende Informationen bietet der Kongress „Gesundheitsnetz 2001 – Neue Chancen für Patienten – Neue Märkte für Ärzte und Krankenhäuser" am 8./9. Juni in Mannheim (Kongressinformationen unter www.kongress-rnd.de). Claus Köster
Kontaktadresse: Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck/Gesundheitsforum Rheinland-Pfalz, Donnersbergweg 1, 67059 Ludwigshafen, Telefon: 06 21/59 53-1 22, Fax: 59 53-1 19, E-Mail: kontakt@gn-rnd.de,
Internet: www.gn-rnd.de oder
www.gesundheitsforum-rlp.de
Zum Autor: Dr. med. Claus Köster, Vizepräsident des Gesundheitsnetzes Rhein-Neckar-Dreieck e.V., Vorsitzender des Gesundheitsforums Rheinland-Pfalz e.V. ,
Leiter des Instituts für Klinische Forschung am Klinikum der Stadt Ludwigshafen

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