Supplement: Praxis Computer

Internet-Recherche: Depression

Dtsch Arztebl 2001; 98(18): [28]

Eichenberg, Christiane

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LNSLNS Depressive Störungen gehören zu den oft übersehenen und
hinsichtlich ihrer Schwere am
meisten unterschätzten
Erkrankungen. Im Internet gibt es sowohl für Fachleute als auch für Betroffene und Laien eine Vielzahl von Websites zum Thema.
Depressive Störungen sind eine der häufigsten Erkrankungsformen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kam Hans-Ulrich Wittchen, Direktor des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Technischen Universität Dresden, der 1999 erstmalig repräsentative Daten zur Häufigkeit psychischer Störungen in der deutschen Bevölkerung erhob. In den letzten zwölf Monaten vor seiner Untersuchung (Wittichen et. al., 1999) waren 11,5 Prozent der Deutschen von depressiven Störungen betroffen. Nur etwa jeder Zweite erhielt professionelle Hilfe. Der hausärztlichen Versorgung kommt dabei besondere Bedeutung zu, da sich die Mehrheit der Patienten an den Hausarzt wendet.
Inwiefern Allgemeinmediziner in der Lage sind, depressive Erkrankungen bei ihren Patienten zu erkennen und adäquat zu behandeln, untersuchte der gleichnamige Autor in seiner breit angelegten „Depression-2000“-Studie (Wittchen et. al., 2000; siehe hierzu auch DÄ/48/2000 A-3217). Mit einer repräsentativen Zufallsauswahl von mehr als 4 000 Arztpraxen und rund 15 000 Patienten wurde deutlich: Bei 74,1 Prozent der depressiven Patienten erkannte der Arzt, dass unterschwellig oder sicher eine psychische Störung vorliegt. Etwas schlechter sieht es allerdings mit der Entscheidung aus, ob es sich um eine Depression handelt. Hier liegt die Erkennensrate nur bei 54,8 Prozent.
Depressive Patienten zeigen eine große Bereitschaft, den Hausarzt aufzusuchen. Jedoch wurde nur bei weniger als 40 Prozent der Fälle eine formal adäquate Indikation gestellt. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, die hausärztliche Kompetenz hinsichtlich diagnostischer und therapeutischer Kenntnisse im Bereich der depressiven Störungen zu erhöhen.
Wissenslücken schließen
Das Internet stellt eine kostengünstige und wenig zeitaufwendige Möglichkeit dar, aktuelle Informationen zum Störungsbild Depression zu beschaffen. Insbesondere nicht-psychiatrisch und nichtpsychotherapeutisch weitergebildete Ärzte können diese Informationsquelle nutzen, um Wissenslücken zu schließen.
Eines der bekanntesten deutschsprachigen Internet-Angebote zum Thema ist das „Kompetenznetz Depression“ (1) unter Leitung von Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl, Psychiatrische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier finden sich umfangreiche Informationen zu Diagnostik und unterschiedlichen Therapieansätzen (zum Beispiel Kognitive Verhaltenstherapie, Psychopharmakologie). Die weiterführenden Literaturangaben sind unterteilt in Literatur für Ärzte und in Empfehlungen für interessierte Laien, Angehörige und Betroffene. Letztere können in einem interaktiven Selbsttest prüfen, ob sie gegebenenfalls an einer Depression leiden und ein Arztbesuch notwendig ist.
Der österreichische Arzt Elmar Kainz hat auf seiner Website vielfältige Informationen zu psychischen Störungen zusammengestellt (2). Unter dem Stichwort „Krankheiten – Depressionen“ finden sich die diagnostischen Kriterien des ICD-10. Darüber hinaus werden unter dem Link „Therapien“ verschiedene Ansätze zur Intervention beschrieben, die sich unter anderem bei depressiven Erkrankungen anbieten (zum Beispiel Lichttherapie, Schlafentzug).
Ein Klassiker zu Themen der Psychiatrie und Klinischen Psychologie ist das Internet-Angebot von Mental Health. Die englischsprachigen Seiten sind eine empfehlenswerte Lektüre, da hier nicht nur ausführlich über Symptomatik, Diagnostik und Therapie von depressiven Erkrankungen informiert wird, sondern ebenso aktuelle Forschungsergebnisse, einschlägige Fachzeitschriften, weiterführende Literatur und eine reichhaltige Linksammlung aufgeführt werden (3).
Einen Überblick zu den vielfältigen Informationen über depressive Erkrankungen gibt die von dem New Yorker Psychiater Ivan Goldberg verwaltete Site „Depression Central“ (4). Speziell über bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) klärt die Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (5) auf. Eine Übersicht über verfügbare psychologische Fachzeitschriften zur Störungsgruppe der Depression findet sich unter (6).
Will der niedergelassene Arzt seinen Patienten Netzadressen an die Hand geben, damit diese sich entweder über das ärztliche Gespräch hinaus über ihre Störung informieren oder aber mit anderen Betroffenen virtuell in Kontakt treten können, ist auf die FAQ (Frequently Asked Questions) zum Thema Depression von dem Psychiater Matthias Sokoliuk (7) und die gut verständlichen Erläuterungen auf der Gesundheitsplattform „medizinfo“ hinzuweisen (8). Hier werden beispielsweise Fragen beantwortet wie „Verstimmungszustand oder Depression?“ und unter anderem Informationen bereitgestellt zu „Altersdepression“, „Depression durch Ecstasy“, „Früherkennung und Tipps für Angehörige“ und „Tipps über den Umgang mit Nebenwirkungen bei Medikamenten“.
Im „Kuckucksnest“ (9) finden sich Erfahrungsberichte von Betroffenen und Adressen zur Teilnahme an realen als auch virtuellen Selbsthilfegruppen.
Gute Startpunkte zur eigenen Recherche nach Informationen über verschiedenste psychische Störungen im Internet zeigt der Beitrag von Eichenberg und Ott (1999) auf.
Christiane Eichenberg


Internet-Quellen zu Depression (Auswahl)

1 www.kompetenznetz-depression.de/ © Kompetenznetz Depression
2 www.psychiater.at/dok1/krankheiten/depressionen.htm © Das Internet-Angebot von Dr. Elmar Kainz
3 www.mentalhealth.com/dis/p20-md01.html © Die Website „Major Depressive Disorder“ von Mental Health
4 www.psycom.net/depression.central.html © Dr. Ivan´s Depression Central
5 www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/kjpp-004.htm © Informationen zumanischen und bipolaren affektiven Störungen
6 http://pc55w3.wiso.uni-augsburg.de/journals.html © Übersicht: Psychologische Fachzeitschriften zum Störungsbild „Depression"
7 http://home.t-online.de/home/matthias.sokoliuk/fqadepr.htm © FAQ zu Depression
8 www.medizinfo.de/kopfundseele/depression/depression.htm © medizinfo
9 http://kuckuck.solution.de/index.html © Das Kuckucksnest


Literatur
Wittchen H-U, Müller N, Pfisten H, et al.: Affektive, somatoforme und Angststörungen in Deutschland – Erste Ergebnisse des bundesweiten Zusatzsurveys „Psychische Störungen“. Das Gesundheitswesen 1999: 61, 216-222.
Wittchen H-U et al.: Depression 2000. Eine bundesweite Depressions-Sreening-Studie in Allgemeinarztpraxen. Fortschritte der Medizin 2000, Sonderheft I/2000.
Eichenberg C, Ott R: Informationen über psychische Störungen im Internet: Wissenschaftliches, Berichte Betroffener und Selbsthilfe. Psychomed 1999: 3, 184-189.
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