ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1996Byk Gulden: Von Theophyllin bis Pantoprazol

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Byk Gulden: Von Theophyllin bis Pantoprazol

Cramer, Hans-Joachim

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LNSLNSLNSLNS Auf weitere ertragreiche Früchte über Forschung setzt die Byk Gulden Lomberg Chemische Fabrik GmbH. Bereits eineinhalb Jahre nach seiner Einführung ist der Protonenpumpenhemmer Pantoprazol, den das international tätige Unternehmen mit Hauptsitz in Konstanz als erste gastroenterologische Innovation aus deutscher Arzneimittelforschung seit einer Generation bezeichnet, bereits in einer führenden Marktposition.
Rund 15 Prozent des Umsatzes (1995: über 1,5 Milliarden DM) wendet die Byk- Gulden-Gruppe weltweit für Forschung und Entwicklung auf. Von den insgesamt rund 6 000 Mitarbeitern sind mehr als zehn Prozent in der Forschung tätig. Byk Gulden ist mit 17 ausländischen Gesellschaften auf allen Arzneimittelmärkten der Welt vertreten. Der Umsatz verteilt sich wie folgt: Deutschland: 48 Prozent, übriges Europa: 26 Prozent, Amerika: 23 Prozent, übrige: drei Prozent.
Das 1873 gegründete Unternehmen hat seine Forschungs- und Umsatzschwerpunkte in den Anwendungsgebieten Magen und Darm sowie Atemwege und Kontrastmittel für die Diagnostik.
Am Anfang des wissenschaftlichen Erfolges stand das Medikament Euphyllin®, welches der Chemiker Dr. Reinhold Grüter entwickelte. 1907 erhielt die Firma dafür ein Patent. Grüter gelang es, Theophyllin aus der Teepflanze so aufzubereiten, daß es gut wirksam und verträglich eingesetzt werden konnte: bei Herzerkrankungen und bei Krankheiten der Atemwege wie Asthma und chronische Bronchitis. Das war ein großer Wurf, denn Euphyllin® wird noch heute in großem Umfang bei diesen Krankheiten verordnet. Ein ähnliches Potential besitzt das jüngste Kind aus der High-Tech-Forschung von Byk Gulden: das Präparat Pantozol® gegen peptische Ulcera ventriculi et duodeni sowie Refluxösophagitis. Sein Wirkstoff Pantoprazol ist in Deutschland eine der erfolgreichsten Neueinführungen.
Durch Pantoprazol werden die "Protonenpumpen" (H+K+-ATPase) der Parietalzellen in der Magenschleimhaut blockiert, in denen die Magensäure produziert wird. Im Unterschied zu den anderen Protonenpumpenhemmern bindet Pantoprazol im aktiven Zentrum der H+K+-ATPasen. Durch dieses Wirkprinzip wird die bisher stärkste bekannte Säurehemmung und damit auch Schmerzfreiheit bei den Patienten erreicht.
Die Heilungsrate beträgt bei Ulcus duodeni zum Beispiel nach vierwöchiger Behandlung 95 Prozent, aber auch die übrigen Patienten können bei entsprechend langer Anwendung kuriert werden. Außerdem zeichnet sich der Wirkstoff durch eine außergewöhnlich gute Verträglichkeit aus. Ein besonderer Vorteil liegt in dem Fehlen von Interaktionen mit häufig in der Komedikation angewendeten Arzneimitteln. Das ist darauf zurückzuführen, daß Pantoprazol – anders als die anderen Protonenpumpenhemmer und einige H2-Blocker – eine geringe Affinität hat zu den Stoffwechselenzymen der Leber, die für den Arzneistoffmetabolismus relevant sind. Außerdem zeichnet sich Pantoprazol durch eine hohe biologische Verfügbarkeit – 77 Prozent des Wirkstoffes werden innerhalb kurzer Zeit resorbiert – und durch eine einfache Dosierung aus: Die Normaldosis von 40 Milligramm einmal täglich ist auch bei älteren und Patienten mit mehreren Krankheiten und auch solchen mit Nierenschäden optimal.
Die Methoden, mit denen Byk Gulden den Ärzten Informationen über medizinische Fortschritte vermittelt, stammen ebenfalls aus der High-Tech-Welt: Mit Hilfe einer computergesteuerten Animation zum Beispiel kann man eine "Reise" durch die Speiseröhre und den Magen bis in eine Protonenpumpe unternehmen und somit die Wirkungsweise des Moleküls von Pantoprazol studieren. Hans-Joachim Cramer
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