ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Nordrhein-Westfalen: Streit um Klinikplanung

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Nordrhein-Westfalen: Streit um Klinikplanung

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1220 / B-1042 / C-974

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LNSLNS Krankenkassen wollen
38 Kliniken in Westfalen schließen.
Um die Krankenhausplanung ist in Nordrhein-Westfalen ein heftiger Streit entbrannt. Auslöser ist die Forderung der Krankenkassen, 38 Kliniken und 70 Fachabteilungen in Westfalen-Lippe zu schließen. Die Kassen begründen ihre weitreichenden Kürzungspläne mit einem Gutachten des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung. Danach gibt es allein im westfälischen Landesteil 7 000 Planbetten zu viel, jede sechste Klinik dort ist nach Auffassung der Gutachter überflüssig. Die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe reagierten prompt auf die Kassenpläne: Schwere Einbrüche in der gesundheitlichen Versorgung seien zu befürchten, wenn die radikalen Schließungspläne Wirklichkeit würden, so die Kammerpräsidenten Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe und Dr. med. Ingo Flenker.
Hoppe wies darauf hin, dass ein im Auftrag der beiden Ärztekammern und
der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen erstelltes Gutachten gegen eine stationäre Überversorgung spricht. Die Gutachter der Institute I+G Gesundheitsforschung aus München und der BASYS Beratungsgesellschaft für angewandte Systemforschung aus Augsburg fanden „auch auf regionaler Ebene keine Hinweise auf nicht bedarfsnotwendige Krankenhaushäufigkeiten“. Sie stellten fest, dass die
Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen um 8,6 Prozent häufiger von Krankheiten betroffen ist als der Durchschnitt der übrigen alten Bundesländer, die Kliniken aber mit einer unterdurchschnittlichen Personaldecke auskommen müssen.
Die nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Birgit Fischer ging auf Distanz zur Streichliste der Kassen. Spekulationen über die Schließung einzelner Krankenhäuser und Fachabteilungen seien voreilig und verunsicherten Beschäftigte und Patienten unnötig, lautete ihr Kommentar. Die Landesregierung hat Ende März quantitative Eckwerte eines neuen Krankenhausplanes für Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Mit dem Abschluss des Planungsverfahrens rechnet die Landesregierung erst Ende 2002, was Planungssicherheit ab 2003 bringen würde.
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