ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Neue Therapieansätze: Unzulässige Zahlungen

POLITIK

Neue Therapieansätze: Unzulässige Zahlungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1224 / B-1044 / C-976

Rieser, Sabine

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Das Bundesversicherungsamt rügt rechtswidrige
Kostenübernahmen der Krankenkassen.

Seit längerem behaupten Repräsentanten einzelner gesetzlicher Krankenkassen, die Konkurrenz wende unlautere Mittel an, um Mitglieder zu halten oder zu gewinnen. Ein häufiger Vorwurf: Krankenkassen begleichen die Kosten für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB), obwohl sie noch gar nicht vom zuständigen Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen als zweckmäßig anerkannt sind. Bekanntestes Beispiel sind Akupunktur-Behandlungen.
Aufgrund dieser Vorwürfe haben die „Prüfdienste Kran­ken­ver­siche­rung“ des Bundes und der Länder sich für eine Schwerpunktprüfung zum NUB-Bereich entschieden. Von Mai bis Dezember 2000 kontrollierten sie bundesweit 107 Krankenkassen und 80 000 Belege für das Jahr 1999. Ergebnis der Stichprobe: Knapp 60 000 davon erhärteten die Vermutung, dass Krankenkassen NUB-Leistungen unrechtmäßig bezahlten. Die unzulässigen Ausgaben betrugen rund 30,5 Millionen DM.
Rechnet man die Stichprobe hoch auf den Gesamtaufwand aller gesetzlichen Krankenkassen für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, so wurden 1999 bundesweit schätzungsweise 537 Millionen DM für nicht anerkannte Leistungen ausgegeben. Der Großteil der nachgewiesenen fehlerhaften Aufwendungen entfiel dabei auf Akupunkturbehandlungen (Tabelle).
Das zuständige Bundesversicherungsamt hat darauf hingewiesen, dass die Kostenübernahme für Akupunktur 1999 noch unzulässig war. Erst Ende 2000 habe der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen die Akupunktur-Behandlung bei drei Schmerzindikationen zugelassen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Betroffenen im Rahmen von Modellversuchen nach § 63 ff. SGB V behandelt werden. „Die Rechtswidrigkeit der Kostenübernahme im Jahr 1999 wird dadurch nicht relativiert“, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesversicherungsamtes. Von dort hat man den Aufsichtsbehörden von Bund und Ländern empfohlen, die Krankenkassen aufzufordern, ihre Leistungskataloge geltendem Recht anzupassen. Sabine Rieser


´Tabelle  CC´
Unzulässige NUB-Anwendungen nach Einzelmethoden (1999)
Bezeichnung Fälle % TDM % pro Fall in DM
Akupunkturbehandlung mit Nadeln* 52 140 88,20 21 674 71,01 415,68
Balneo-Phototherapie 2 575 4,36 2 562 8,39 994,95
Infusion von Kochsalzlösung 8 0,01 13 0,04 1 625,00
Excimer-Laserbehandlung 59 0,10 138 0,45 2 338,98
Extrakorporale Stoßwellentherapie 102 0,17 121 0,40 1 186,27
Hyperbare Sauerstoffbehandlung 598 1,01 1 739 5,70 2 908,03
Intracytoplasmatische Spermieninjektion 669 1,13 1 443 4,73 2 156,95
Kernspintomographie der Mamma 834 1,41 554 1,81 664,27
Soft/Mid-Power-Laser 230 0,39 131 0,43 569,57
Positronenemmissionstomographie 204 0,35 416 1,36 2 039,22
Thermotherapie 106 0,18 252 0,83 2 377,36
UVA-Kaltlicht-Therapie 116 0,20 125 0,41 1 077,59
Eigenblutbehandlung 143 0,24 66 0,22 461,54
Sonstige** 1 331 2,25 1 287 4,22 966,94
Insgesamt 59 115 100 30 521 100
 * Eine weitere Differenzierung nach einzelnen Indikationen ist durch diese Erhebung nicht möglich.
** „Exotische“ Behandlungsmethoden wie zum Beispiel Laser-Tatooentfernung, Fruchtsäurepeeling
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