ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Deutsch-polnisches Symposium: „Vergangenheit verstehen – Zukunft gestalten“

POLITIK

Deutsch-polnisches Symposium: „Vergangenheit verstehen – Zukunft gestalten“

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1233 / B-1052 / C-982

Richter, Eva A.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer und die Niederschlesische
Ärztekammer Breslau wollen intensiver zusammenarbeiten.

Bereits vor mehr als zehn Jahren – unmittelbar nach der Wende – nahmen die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer und die polnische Niederschlesische Ärztekammer Breslau miteinander Kontakt auf. Damals hatten sich beide gerade unter neuen, freiheitlich-demokratischen Bedingungen etabliert. In diesem Jahr veranstalten die Partnerkammern auf Anregung des polnischen Kammerpräsidenten, Dr. med. Wlodzimierz Bednorz, nun erstmals ein deutsch-polnisches Symposium. Es wird vom 14. bis 16. September 2001 in Kreisau/Krzy·zowa stattfinden. „Dieses Symposium soll ein Höhepunkt unserer Zusammenarbeit werden“, betonte Prof. Dr. med. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. „Dem Motto ,Vergangenheit verstehen – Zukunft gestalten‘ entsprechend, wollen wir einen großen Bogen aus der Vergangenheit über das Heute in die Zukunft schlagen.“
Der Tagungsort Kreisau/ Krzy·zowa wurde bewusst gewählt. Denn er ist als Ort des antifaschistischen Widerstandes für Polen und Deutschland gleichermaßen bedeutungsvoll. Im Jahre 1867 wurde das Kreisauer Gut vom Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke gekauft. Der letzte deutsche Besitzer des Gutes, Helmuth James Graf von Moltke, gründete eine Widerstandsgruppe im nationalsozialistischen Deutschland, den „Kreisauer Kreis“. Diesem diente das Gut seit 1940 als geheimer Treffpunkt, an dem Oppositionelle verschiedener Bekenntnisse und politischer Überzeugungen über die Gestaltung eines demokratischen Deutschland nach dem erhofften Ende des Hitlerregimes diskutieren konnten.
Auch in jüngster Zeit wurde das Kreisauer Gut für Begegnungen genutzt: Im November 1989 nahmen der polnische Premierminister Tadeusz Mazowiecki und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl in Kreisau an einer deutsch-polnischen Versöhnungsmesse teil. „Wir sind sicher, dass der Geist dieser inzwischen hervorragend restaurierten Begegnungsstätte die Teilnehmer des Symposiums inspirieren wird, Ideen und Lösungsmöglichkeiten für zukünfige Projekte zu finden“, sagte Schulze. „Vergangenheit kann man nicht bewältigen, aber man sollte versuchen, sie zu verstehen, um dadurch Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu erreichen.“
Ehemalige Ärzte der
Uni Breslau gesucht
Um ein möglichst authentisches Bild von der damaligen Zeit zu erhalten und dieses der heutigen Generation zu vermitteln, sucht die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer Ärztinnen und Ärzte, die bis 1945 an der Medizinischen Fakultät der Universität Breslau gewirkt haben. Sie werden gebeten, Auskunft über ihre Tätigkeit dort sowie ihre spätere Arbeit zu geben.* Trotz der wechselnden Herrschaft in Niederschlesien als Grenzregion zwischen Polen und Deutschland (österreichisch, preußisch, deutsch, polnisch) sind die medizinischen Leistungen der Universität Breslau beeindruckend. Diese sollen unter anderem mit dem Symposium den deutschen und polnischen Ärzten näher gebracht werden. ER
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema