ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Kontrazeption: Korrektur eines wissenschaftlichen Irrtums

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Kontrazeption: Korrektur eines wissenschaftlichen Irrtums

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1247 / B-1063 / C-993

Kurz, Karl H.

Zu Beiträgen über die Präimplantationsdiagnostik:
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LNSLNS . . . Mit mehr als 1,5 Millionen Anwenderinnen in Deutschland und circa 600 000 Einlagen sind die folgenden Ausführungen zur intrauterinen Kontrazeption von erheblichem ärztlichen Interesse.
Zur Aussage: „Dass diese Überlegungen (Schutz der Embryonen in der frühesten Phase) nicht ganz folgewidrig sind, sei mit Verweis auf die Realität untermauert: Die Tötung von Embryonen geschieht beispielsweise durch die Spirale millionenfach, ohne dass sie sonderlich kontrovers wäre“ („Was tun, wenn man sich nicht einigen kann?“ von Prof. Dr. med. Dr. phil. Urban Wiesing in Heft 14/2001).
Die seit über zwei Dekaden in den Industrieländern und meisten Entwicklungsländern (seit 1992 auch in der VR China) verwendeten, bioaktiven kupferhaltigen Intrauterinpessare (im Volksmund „Spiralen“ genannt, analog „Antibabypille“) verhindern nicht die Implantation, sondern die Empfängnis (Fertilization) durch die frühzeitige Immobilisation aszendierender Spermien. Das erklärt auch die hohe Effektivität von circa 99 %.
Cu-IUP bilden eine hohe (intrauterine/intratubare) Barriere. Das ist bewiesen durch die publizierten Forschungsergebnisse von Koch und Hammerstein sowie Alvarez et al. Wahrscheinlich ist eine kompetitive Hemmung von Enzymen bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien der Spermien für den Verlust der Mobilität verantwortlich. Zusätzlich wird ein Verlust der Penetrationsfähigkeit diskutiert.
Mit Ausnahme der Progesteronantagonisten (Mifegyne – Ru 486) wirken alle derzeitig angewandten Methoden der Familienplanung kontrazeptiv entweder als Ovulationshemmer und/oder als Barriere für Spermien, soweit sie nicht in vergleichbar seltenen Fällen als „Emergency contraceptives“ angewendet werden. Die oben dargestellten Fakten sind allgemein bekannt bei familienplanerisch tätigem Personal in den USA, Großbritannien, Skandinavien und in Lateinamerika.
Die in Deutschland von Zeit zu Zeit bemühte „Nidationshemmung“ durch Intrauterinpessare dient verschiedenen Interessen. Schuld daran sind zum Beispiel Darstellungen und Passagen in verbreiteten und allgemein benutzten klinischen Standardwerken wie im „Pschyrembel“ sowohl in „Klinisches Wörterbuch“ als auch in Pschyrembel Wörterbuch „Gynäkologie und Geburtshilfe“. In der zweiten Auflage des letztgenannten Werkes sind insgesamt drei so genannte „Nur-Plastik-IUP“ und zwei Kupfer-IUP dargestellt, die nicht mehr hergestellt beziehungsweise nicht mehr angeboten werden. Zur Wirkungsweise steht: „nicht restlos aufgeklärt; es werden ungünstige Bedingungen für die Einnistung der befruchteten Eizelle im Uterus geschaffen“. Ein in den letzten Jahren eingeführtes, für den Hersteller ökonomisch sehr ergiebiges IUP, bei dem anstelle von Kupfer ein Progestin freisetzender Kunststoffzylinder angebracht wurde, erscheint in dem Buch an anderer Stelle als Levonorgetrel IUS, Intrauterines System. Daten zu Perforation, Expulsion sowie vorzeitiger Entfernung wegen Blutungen und Schmerzen des IUS werden nicht genannt.
Dr. med. Karl H. Kurz,
International Research Institute for Reproduction, Kaiser-Wilhelm-Ring 22, 40545 Düsseldorf
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