ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Neues Infektionsschutzgesetz – Melde- und Aufzeichnungspflicht für Krankheiten und Krankheitserreger: Erfassung der Malaria nach IfSG

MEDIZIN: Diskussion

Neues Infektionsschutzgesetz – Melde- und Aufzeichnungspflicht für Krankheiten und Krankheitserreger: Erfassung der Malaria nach IfSG

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1270 / B-1085 / C-1013

Schöneberg, Irene

zu dem Beitrag von Stefan Bales Priv.-Doz. Dr. med. Norbert Schnitzler in Heft 51–52/2000
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LNSLNS Zum 1. Januar 2001 wurde das Bundes-Seuchengesetz durch das Infektionsschutzgesetz abgelöst. Der Nachweis des Krankheitserregers, das heißt Plasmodium spec. wird nach IfSG nicht namentlich direkt an das Robert Koch-Institut gemeldet (§ 7, Absatz 3).
Meldepflichtig für Plasmodium-Nachweise sind nach § 8 des IfSG „die Leiter von Medizinaluntersuchungsämtern und sonstigen privaten oder öffentlichen Untersuchungsstellen einschließlich der Krankenhauslaboratorien“ sowie „die Leiter von Einrichtungen der pathologisch-anatomischen Diagnostik . . .“ Im Gesetzestext (§ 10) ist vorgesehen, welche Angaben die nicht namentlichen Meldungen enthalten müssen. Diese sind auf einem Formblatt des RKI enthalten, das für die Meldung zu verwenden ist. Die Meldung muss innerhalb von 14 Tagen gegenüber dem RKI erfolgen.
Nach IfSG hat der einsendende Arzt den Meldepflichtigen bei den Angaben zu unterstützen. Das gilt insbesondere für den wahrscheinlichen Infektionsweg beziehungsweise das wahrscheinliche Infektionsrisiko, das Land, in dem die Infektion wahrscheinlich erworben wurde sowie für die Angaben zur Expositions- und Chemoprophylaxe. Hierzu ist vorgesehen, dass das Labor die erste Seite des Durchschreibebogens an das RKI und den Durchschlag an den Arzt sendet, der die Untersuchung angefordert hat. Dieser soll dann die fehlenden Informationen vervollständigen und den ausgefüllten Durchschlag ebenfalls an das RKI schicken.
Neben der Veröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin wird das Robert-Koch-Institut im Laufe des Jahres auch detailliertere Daten zur Malaria-Epidemiologie in Deutschland auf den Internetseiten des RKI anbieten. Damit diese Daten möglichst vollständig und von hoher Qualität verfügbar sind, möchten wir an die bereits seit Jahren gute Erfassung der Malariafälle in Deutschland anknüpfen (1, 2, 3, 4) und erbitten die Mitarbeit aller, die mit der Diagnostik und Behandlung der Malaria in Deutschland befasst sind.
Meldebögen für den Nachweis von Plasmodium spec., aber auch für die anderen in § 7, Absatz 3 des IfSG genannten Erregernachweise können im Robert Koch-Institut angefordert werden unter der Fax-Nummer 0 30/
45 47 35 33 oder der E-Mail-Adresse ifsg-labinfo@rki.de. Dies betrifft – neben Plasmodium spec. die Erregernachweise für HIV, Treponema pallidum, Echinococcus spec., Rubellavirus (bei konnatalen Infektionen) und Toxoplasma gondii (bei konnatalen Infektionen). Weitere Informationen zu den neuen Meldeverfahren nach dem IfSG werden auf der RKI-Internetseite bereit gehalten.

Literatur
1. Pöhn H-P, Großmann R: Malariaeinschleppungen 1980–1986 in die Bundesrepublik Deutschland einschl. Berlin (West). Bundesgesundheitsblatt 1998; 31, 1: 2–10.
2. Schöneberg I, Apitzsch L, Rasch G: Malaria – Erkrankungen und Sterbefälle in Deutschland 1993–1997. Gesundheitswesen 1998; 60: 755–761.
3. Schöneberg I, Strobel H, Apitzsch L: Erkrankungen an Malaria in Deutschland 1998/99 – Ergebnisse der Einzelfallerhebungen des Robert Koch-Institutes. (Das Gesundheitswesen [Im Druck])
4. Zastrow K-D, Dieckmann S, Schöneberg I: Malaria-Erkrankungen in Deutschland 1987–1991. Bundesgesundheitsblatt 1993; 36, 11: 476–481.

Dr. rer. nat. Irene Schöneberg
Robert Koch-Institut
Postfach 65 02 80
13302 Berlin

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